Weniger Pkw-Neuzulassungen

EU-Automarkt verliert an Dynamik

Der EU-Automarkt hat bei den Neuzulassungen im September einen Dämpfer verbucht. Hauptgrund dafür war die Entwicklung in einem Land.

EU-Automarkt verliert an Dynamik

EU-Automarkt verliert an Dynamik

Wegfall staatlicher Förderung von Elektro-Dienstwagen in Deutschland dämpft Neuwagenzulassungen

sck München

Der europäische Automarkt hat zwar mit einem erneuten Plus bei den Pkw-Neuzulassungen sein Wachstum im September fortgesetzt, allerdings deutlich an Dynamik eingebüßt. Hauptgrund dafür ist das Ende der Förderung von Elektro-Dienstwagen in Deutschland mit Mitteln der öffentlichen Hand. Nach Angaben des europäischen Branchenverbands Acea fiel der Zuwachs im zurückliegenden Monat im Vergleich zum August von 21% auf 9% zurück.

Im September registrierte die Interessenvertretung mit Sitz in Brüssel insgesamt 861.062 neu zugelassene Pkw. Das ist das geringste Plus seit 13 Monaten. Der Marktanteil von reinen batteriebetriebenen Fahrzeugen reduzierte sich gegenüber August um 6,2 Prozentpunkte auf 14,8%. Während Italien ( 22,7%) und Frankreich ( 10,7%) zweistellige Zuwachsraten im September verzeichneten, herrschte in Deutschland mit einem geringfügigen Minus von 0,1% faktisch Stillstand.

Wegfall staatlicher Förderung

In der EU legten die E-Autos im September nur um 14% auf 127.149 Einheiten zu, nachdem dieses Segment im August noch ein deutliches Plus von 118% erreicht hatte. Zu dem Dämpfer trug vor allem die größte EU-Volkswirtschaft bei. In Deutschland schrumpften im September die Neuzulassungen fürs Elektrosegment um 29% auf 31.714 Stück. Im August verzeichnete der deutsche Markt Vorzieheffekte aufgrund der zum 1. September ausgelaufenen Kaufförderung des Bundes für gewerbliche Elektroautos. Seinerzeit gingen die Neuzulassungen im Elektrobereich zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen um 171% durch die Decke. Das sorgte für einen Schub dieses Segments auf EU-Ebene.

In den folgenden Monaten dürfte der Verkauf von E-Autos weiter schwächeln, befürchtet die Unternehmensberatung EY. Das würde die Dynamik in der gesamten EU bremsen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland auf Basis der Daten von Acea mit einem Anteil der Elektro-Pkw im September von 14% sogar unter dem Durchschnitt der Gemeinschaft (15%). Die höchsten Anteile verzeichnen die skandinavischen Länder (z.B. 44% in Schweden) und die Niederlande (35%). Frankreich kommt auf 19%, Italien auf nur 4%.  

In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden in der EU insgesamt über 1,1 Millionen E-Autos neu zugelassen. Das entsprach einem Zuwachs von 55%. Davon entfielen auf Deutschland 387.289 Einheiten ( 42%). Der EU-Gesamtmarkt (inklusive Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren) legte im gleichen Zeitraum um 17% auf 7,94 Millionen zu. Deutschland machte 2,14 Millionen ( 15%) aus.

Pessimismus für 2024

Im weltweiten Vergleich bildet die EU den drittgrößten Automarkt. Von Januar bis September verzeichnete Spitzenreiter China nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) einen Zuwachs von 7% auf 17,9 Millionen Stück. Die USA folgten auf Platz 2 mit 11,8 Millionen ( 19%).

In einer Pressemitteilung berichtet der VDA von zwar weitgehend stabilen Wachstumsraten in den Kernmärkten, „allerdings dürften die kumulierten Wachstumsraten bis zum Jahresende noch etwas abschmelzen“. Als dämpfende Faktoren nennt der Branchenverband eine Nachfrageschwäche aufgrund der hohen Energie- und Verbraucherpreise und geopolitische Unsicherheiten (Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt). Daher sei das Umfeld für die Autobranche auch im kommenden Jahr „herausfordernd“. 

Ähnlich äußert sich EY. Mit Blick auf 2024 deute die aktuelle Bestellsituation auf eine schwache Absatzentwicklung hin. Dann drohten erneute Überkapazitäten in der Branche. Sonderaktionen einiger Hersteller seien Vorboten für eine bevorstehende breitere Rabattschlacht.

Der EU-Automarkt hat bei den Neuzulassungen im September einen Wachstumsdämpfer verzeichnet. Hauptgrund dafür war ein Einbruch im Elektroautosegment in Deutschland. Dies ist eine Folge der ausgelaufenen Förderung des Bundes für gewerbliche E-Fahrzeuge. Experten erwarten, dass der Bremseffekt anhält.

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