Chemieindustrie

Evonik bereitet sich auf Rezession vor

Der Chemiekonzern Evonik ist bislang vergleichsweise solide durch die Krise gesteuert. Doch Konzernchef Christian Kullmann warnt: „Wir bereiten uns auf eine Rezession vor.“

Evonik bereitet sich auf Rezession vor

ab Köln

Der Chemiekonzern Evonik ist bislang mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen. Im dritten Quartal gab das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) um lediglich 5 % auf 615 Mill. Euro nach, wie mitgeteilt wird. Zugleich stieg der Umsatz vornehmlich preisbedingt um 26 % auf 4,9 Mrd. Euro. Doch das schwierige Marktumfeld, das sich bereits in deutlichen Mengenrückgängen zeigt, lässt sich nicht länger ignorieren. „Wir bleiben zuversichtlich, unseren Ausblick für das Gesamtjahr erreichen zu können“, sagt Vorstandschef Christian Kullmann und ergänzt: „Zugleich bereiten wir uns für das kommende Jahr auf eine Rezession vor.“

Dabei sollen Einschränkungen bei Dienstreisen und Messeauftritten sowie beim Einsatz externer Berater und Disziplin bei Neu- und Ersatzeinstellungen helfen, die Kosten um einen dreistelligen Millionenbetrag zu senken. Die Maßnahmen seien bewusst flexibel und dezentral gestaltet, um auf das volatile Marktumfeld reagieren zu können, heißt es. Zugleich hat sich Evonik unabhängiger von Erdgas gemacht.

Im Berichtsquartal ist es aber zumindest gelungen, die gestiegenen variablen Kosten über steigende Absatzpreise überzukompensieren. Zum Umsatzplus im dritten Quartal um 26 % auf 4,9 Mrd. Euro trugen höhere Verkaufspreise mit 17 Prozentpunkten, Währungseffekte mit 7 Prozentpunkten und sonstige Effekte aus dem Handelsgeschäft mit Gas und Strom zur Energieversorgung externer Kunden mit 9 Prozentpunkten bei, während die Absatzmengen um 7 Prozentpunkte zurückgingen.

Die widrigen Rahmenbedingungen setzten insbesondere den Divisionen Nutrition & Care sowie Performance Materials zu. Hier gaben die operativen Ergebnisse jeweils um fast ein Viertel nach. Die Sparte Specialty Additives baute das Ergebnis dagegen um 8 % aus, während Smart Materials ergebnisseitig das Vorjahresniveau behaupten konnte. Insgesamt gab die operative Marge im Konzern auf 12,6 (i. V. 16,7) % nach.

Hatte sich Evonik nach dem ersten Halbjahr noch zuversichtlich gezeigt, den oberen Rand der von 2,5 bis 2,6 Mrd. Euro reichenden Spanne für das operative Ergebnis zu erreichen, ist davon keine Rede mehr. Immerhin drehte der freie Cashflow im Berichtsquartal in positives Terrain.

Evonik
Konzernzahlen nach IFRS
9 Monate
in Mill. Euro20222021
Umsatz14 14810 865
Bereinigtes Ebitda2 0771 881
Ebit1 2021 060
Konzernergebnis835656
Freier Cashflow182937
Nettoverschuldung3 8072 741
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