Fremantle holt für RTL die Kohlen aus dem Feuer
ak Düsseldorf – RTL hat im ersten Halbjahr sinkende TV-Werbeerlöse durch wachsende Produktions- und Digitalumsätze mehr als ausgeglichen. Die Konzerneinnahmen der zu Bertelsmann gehörenden Mediengruppe legten um 4,2 % auf 3,2 Mrd. Euro zu. Heraus ragte die Produktionsfirma Fremantle, die ihren Umsatz unter anderem mit der zweiten Staffel von “American Gods” und “America’s Got Talent: The Champions” um 23 % und ihr operatives Ergebnis sogar um 58 % steigerte. Dagegen büßte die größte Sparte RTL Deutschland 1,4 % an Umsatz und 9 % operatives Ergebnis ein.Digitale Umsätze springen für den nachgebenden Fernsehwerbemarkt in die Bresche: Vorstandschef Thomas Rabe, der Anfang April überraschend neben seinem Job als Bertelsmann-Chef auch die Führung der wichtigsten Tochter übernommen hatte, bezifferte das Wachstum hier auf 21 %. Die Digitalgeschäfte – hierzu zählen Streaming-Dienste, digitaler Content von Fremantle, Werbetechnologie – machen nach Angaben von Rabe mittlerweile 16 % des Konzernumsatzes aus.Mit Video-on-Demand erzielte RTL im ersten Halbjahr einen Umsatz von 122 Mill. Euro (+27 %). Die mittlerweile 1,2 Millionen zahlenden Abonnenten von TV Now in Deutschland und Videoland in den Niederlanden verteilen sich laut Rabe hälftig auf beide Länder, wobei die Wachstumsrate in den Niederlanden mit 58 % in den ersten sechs Monaten deutlich höher war als in Deutschland (+36 %).Während der operative Gewinn im ersten Halbjahr durch Investitionen in Programminhalte und die Streaming-Dienste im Einklang mit der bestätigten Gesamtjahresprognose leicht nachgab, sorgten Veräußerungsgewinne für einen signifikanten Anstieg des Nettogewinns. RTL profitierte hier vor allem von dem Verkauf von Universum Film an KKR zu Beginn des Jahres.Rabe sorgte in seiner ersten Telefonkonferenz als RTL-Chef für zwei weitere Akzente: Er kündigte zum einen eine geänderte Dividendenpolitik an. RTL will künftig mindestens 80 (bisher: 50 bis 75) % des bereinigten Nettogewinns ausschütten und die Dividende jährlich zahlen. In den vergangenen Jahren hatte die Sendergruppe eine Interimsdividende ausgekehrt. Zum anderen stellt RTL die Werbetechnologie neu auf. Unter der Marke Smartclip übernimmt RTL Deutschland die Führung im Ad-Tech-Business in Kontinentaleuropa. Smartclip soll zu einer offenen Werbetechnologie-Plattform werden und auch anderen Sendern und Streaming-Diensten offenstehen, heißt es. Partnersuche für SpotXDie restlichen globalen Ad-Tech-Aktivitäten laufen unter der Marke SpotX. RTL ist auf der Suche nach strategischen Partnerschaften für das Geschäft, das sich als Monetarisierungsplattform für digitale Videoinhalte mit einem Fokus auf Premium-Streaming-Dienste positioniert. Rabe rechnet mit einer großen Zahl von Interessenten. “Wir haben keine Absicht, das Geschäft zu verkaufen”, betonte der RTL-Chef. “Wir sind aber offen, was die Ausgestaltung einer Partnerschaft angeht.” – Wertberichtigt Seite 6 Personen Seite 12