Global Fashion steckt weiter in roten Zahlen

Online-Modehändler bestätigt Ausblick - Kundenzahl steigt, Warenwert je Bestellung sinkt - Unregelmäßigkeiten bei Jumia

Global Fashion steckt weiter in roten Zahlen

Global Fashion Group hat im zweiten Quartal Umsatz und Kundenzahl mit zweistelligen Raten ausgeweitet. Allerdings fiel auch der operative Verlust mit 3,2 Mill. Euro höher aus als im Vorjahreszeitraum. Derweil wurden bei Jumia, ebenfalls eine Rocket-Internet-Beteiligung, unzulässige Orders entdeckt.hek Frankfurt – Der Börsenneuling Global Fashion Group will im laufenden Jahr den operativen Verlust abbauen. Bei der Präsentation des Quartalsberichts stelle das Management am Mittwoch weitere Fortschritte in Richtung Break-even auf Basis des um Sondereinflüsse bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Aussicht. Die Gewinnschwelle werde 2019 aber noch nicht erreicht, hieß es in der Telefonkonferenz. Offen blieb, bis wann die Gruppe schwarze Zahlen schreiben wird. Im vergangenen Jahr lag das bereinigte Ebitda mit 50 Mill. Euro im roten Bereich.Die Co-CEOs Christoph Barchewitz und Patrick Schmidt zeigten sich zuversichtlich, die Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen. Diese sehen etwa einen Umsatzanstieg auf mehr als 1,3 (2018: 1,16) Mrd. Euro vor. Die Geschäfte in Australien und Lateinamerika seien profitabel, die Verluste konzentrierten sich auf die Frühphasenmärkte in Südostasien.Der Online-Modehändler kam Anfang Juli an die Börse. Das IPO gelang nur mit massiver Unterstützung der beiden Großaktionäre und mit großen Preiszugeständnissen. Die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik und der Berliner Start-up-Finanzierer Rocket Internet übernahmen mehr als die Hälfte der Emission. Platziert wurde zu 4,50 Euro, also weit unter der Preisspanne von 6 bis 8 Euro. Auch die Börsenperformance fällt bisher enttäuschend aus. Im Tief wurde die Aktie bis unter 3 Euro durchgereicht. Der erste Quartalsbericht seit dem Börsenstart wurde wohlwollend aufgenommen. Die Aktie ging mit einem Plus von 1 % aus dem Handel. Damit liegt der Börsenwert bei knapp 650 Mill. Euro.Barchewitz sprach gegenüber Analysten von einem starken Quartal. Die Resultate entsprächen dem beim IPO vorgelegten Ausblick. Das 2011 gegründete Unternehmen, das in Asien/Pazifik, Lateinamerika und Osteuropa tätig ist, zählt zwölf Millionen aktive Kunden, 15 % mehr als vor einem Jahr. Die Abnehmer hätten öfter gekauft und mehr Geld ausgegeben, sagte Barchewitz. Der Durchschnittswert je Bestellung ging indes zurück. Er lag im zweiten Quartal bei 50,50 (i.V. 52,30) Euro.Die Quartalserlöse legten 15 % auf 342 Mill. Euro zu. Währungsbereinigt erreichte das Wachstum 16,5 %. Der Verlust auf bereinigter Ebitda-Basis absorbierte 0,9 % des Umsatzes nach 0,8 % im Vorjahreszeitraum. Bezogen auf die ersten sechs Monate ergibt sich ein Verlustabbau von 5,7 % auf 4,8 % der Erlöse. Der Marktplatz wächst den Angaben zufolge weiter und steuert nun 19 % zum Warenverkaufswert bei nach 14 % im Vorjahreszeitraum.Zur Global-Fashion-Gruppe gehören die E-Commerce-Plattformen Lamoda (Russland, Ukraine, Kasachstan, Weißrussland), Dafiti (Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Chile), Zalora (Asien/Pazifik) und The Iconic (Australien, Neuseeland). Vorbild ist der Online-Modehändler Zalando, bei dem Kinnevik nach wie vor Großaktionär ist, Rocket aber ausgestiegen ist. Auch bei Global Fashion ist Kinnevik der führende Aktionär, CEO Georgi Ganev gehört dem Aufsichtsrat an. Die Beteiligung liegt nach Unternehmensangaben derzeit bei rund 37 %. Rocket hält laut Global Fashion 26 %. Die Beteiligungsgesellschaft sei Finanzinvestor und operativ nicht involviert. Für die US-Investmentbank Goldman Sachs ist Global Fashion stärker gewachsen als erwartet, doch sei der operative Verlust ebenfalls gestiegen. An den Markterwartungen für 2019 werde das nicht viel ändern. Jumia-Kurs stürzt abDas Internet-Kaufhaus Jumia, das als Amazon für Afrika gilt und ebenfalls zum Rocket-Internet-Beteiligungskreis gehört, hat nach eigenen Angaben unzulässige Bestellungen identifiziert und annulliert. Dazu gehörten Transaktionen eines Teams von unabhängigen nigerianischen Verkäufern, teilte Jumia am Mittwoch mit. Diese Orders machten 2 % des 2018er Bruttowarenvolumens aus. Im ersten Quartal seien es etwa 4 % gewesen. Die an der Börse New York notierten American Depositary Shares sackten daraufhin im Handelsverlauf um 13 % ab. Die Mitteilung unterstützt Warnungen des Shortsellers Citron vor drei Monaten, die zu einem Kurssturz der zuvor stark gestiegenen Papiere führten. Die Jumia-Anteile waren im April zu 14,50 Dollar emittiert worden. Der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von Jumia fiel im zweiten Quartal mit 44,4 Mill. Euro höher aus als der Umsatz (39,2 Mill. Euro). Rocket hält nach letzten Angaben 17 % an dem in Lagos ansässigen Unternehmen. – Wertberichtigt Seite 6