Climate Tech

H2 Green Steel stemmt Milliardenrunde

Für die Errichtung der weltweit ersten großen Grünstahl-Fabrik hat das schwedische Start-up H2 Green Steel eine Finanzspritze von 1,5 Mrd. Euro erhalten. Mit seiner Kapitalausstattung sticht das Unternehmen in der europäischen Climate-Tech-Branche derzeit besonders hervor.

H2 Green Steel stemmt Milliardenrunde

H2 Green Steel stemmt Milliardenrunde

Schwedisches Start-up sammelt 1,5 Mrd. Euro für Grünstahl-Fabrik – Climate-Tech-Branche im Finanzierungsdilemma

Das schwedische Start-up H2 Green Steel hat es geschafft: Das Unternehmen, das im großen Maßstab Stahl mithilfe von grünem Wasserstoff statt mit Kohle produzieren will, hat in einer Finanzierungsrunde 1,5 Mrd. Euro eingesammelt. Es handelt sich um die größte Privatplatzierung, zu der es in diesem Jahr in Europa gekommen ist, teilte das erst drei Jahre alte Unternehmen mit Sitz in Stockholm mit.

Die Vorbereitungen für die Kapitalerhöhung waren bereits im April bekannt geworden. Die Runde wurde vom schwedischen Investor Altor, vom singapurischen Staatsfonds GIC, vom neu hinzugekommenen französischen Wasserstoff-Investor Hy24 und von Just Climate angeführt. Bei Just Climate handelt es sich um ein Investmenthaus, das der ehemalige Vizepräsident der USA, Al Gore, im Jahr 2021 ins Leben gerufen hat.

Mit den frischen Mitteln soll die weltweit erste große Fabrik zur Herstellung von grünem Stahl im nordschwedischen Boden sowie Europas erster Elektrolyseur im Gigawatt-Bereich errichtet werden. H2 Green Steel will die Fabrik Ende 2025 in Betrieb nehmen. Der jährliche Output soll künftig bei 5 Millionen Tonnen liegen.

Ungewöhnlicher Erfolg

Henrik Henriksson, CEO von H2 Green Steel, sieht im Volumen der Finanzierungsrunde einen „Beweis sowohl für unseren soliden Business Case als auch für die Nachfrage nach grünem Stahl“. Seit ihrer Gründung haben die Schweden insgesamt bislang 1,8 Mrd. Euro an Investorengeldern eingesammelt, den größten Teil davon im vergangenen Jahr. Daneben hat das Start-up 2022 einen Kredit über insgesamt 3,5 Mrd. Euro bei europäischen Großbanken aufgenommen. Der Gründer und größte Aktionär von H2 Green Steel ist die schwedische Vargas Holding, die zugleich auch Mitgründer und Großaktionär des schwedischen Batterieherstellers Northvolt ist.

Mit ihrer üppigen Finanzausstattung sticht H2 Green Steel unter europäischen Climate Tech-Start-ups derzeit besonders hervor. Denn trotz rekordhoher Investitionen, die im vergangenen Jahr in die Branche geflossen sind, taten sich vor allem Start-ups in fortgeschrittenen Phasen schwer, an die benötigten Mittel zu kommen. Laut dem Berliner Klimainvestor World Fund wurde der Gesamtbedarf an solchen Climate-Tech-Investitionen in der Region gerade mal zu 16% gedeckt. Auch im ersten Halbjahr dieses Jahres sind die Investitionen in Start-ups in der Wachstumsphase mit 48% überdurchschnittlich stark eingebrochen, wie Zahlen des Datenanbieters Dealroom zeigen.

„Es ist durchaus ein Thema, das aktuell ein bisschen knirscht“, sagt Jobst von Hoyningen-Huene, Co-CEO und Mitgründer der auf Nachhaltigkeitsthemen fokussierten Climate-Tech-Holding Econnext AG. Die Herausforderung liege vor allem darin, dass sich die Branche durch ihren hohen Kapitalbedarf, die benötigte Hardware und die langen Entwicklungszeiten von anderen Start-up-Sektoren unterscheide. „Gerade die kostspieligen First-of-a-kind-Projekte, wie jetzt die geplante Fabrik von H2 Green Steel, sind aber ganz häufig der Schlüssel, um den Klimaschutz ernsthaft voranzutreiben“, so der Econnext-Vorstand.

Wagniskapital oft nicht hilfreich

Nach seiner Einschätzung kommen Wagniskapitalinvestoren mit ihren in der Größe meist eher überschaubaren Fonds als Ansprechpartner für fortgeschrittene Jungunternehmen im Climate-Tech-Bereich daher nicht in Betracht. „Der
Private-Equity-Sektor fällt in der Regel auch aus, weil diese Scale-ups trotz
enormen Potenzials natürlich zunächst noch Verluste machen, da es ja um Zukunftsvisionen geht und Private Equity typischerweise Fremdkapital einsetzen will.“

Jobst von Hoyningen-Huene, Co-CEO und Mitgründer von Econnext

Wer aber soll die Finanzierung der Klimawende dann übernehmen? Aus von Hoyningen-Huenes Sicht ist die Antwort darauf klar: Infrastrukturinvestoren. „Die sind auf große Projekte und stabile Cashflows ausgerichtet, und sie werden diejenigen sein, die diese Opportunität praktisch nutzen werden“, ist sich der Holding-Vorstand sicher. Ein Punkt sei dafür aber wichtig: „Kapitalintensive Climate-Tech-Scale-ups müssen ihr Geschäftsmodell entsprechend anpassen und für planbare Einnahmen sorgen. Das geht zum Beispiel im Rahmen von Servicemodellen. Wir sehen ein enormes Wertpotenzial solcher Geschäftsmodelle.“

kro Frankfurt
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