Übernahme von ESG

Hensoldt erhöht Fremd- und Eigenkapital

Der Kauf von ESG kostet um die 700 Mill. Euro. Für die Finanzierung plant Hensoldt eine Kapitalerhöhung und zusätzliche Schulden.

Hensoldt erhöht Fremd- und Eigenkapital

Hensoldt erhöht Fremd- und Eigenkapital

Finanzierung der Übernahme von ESG – Italienischer Großaktionär beteiligt sich nicht

jh München

Hensoldt ist auf dem Weg zur angestrebten Akquisition der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH einen großen Schritt weiter. Der Hersteller von Rüstungselektronik in Taufkirchen bei München gab bekannt, dass eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme unterzeichnet worden sei. Mitte November war der Plan mitgeteilt worden. Den Abschluss der Übernahme erwartet der Vorstand von Hensoldt bis Mitte des nächsten Jahres.

Jetzt nannte Hensoldt auch grob den Kaufpreis: ESG werde für einen Unternehmenswert von 675 Mill. Euro erworben. Hinzu kämen je nach Entwicklung des Auftragseingangs von ESG maximal 55 Mill. Euro. Verkäufer von ESG mit Sitz in Fürstenfeldbruck bei München ist Armira Partners, eine Münchner Beteiligungsgesellschaft von Familien und Unternehmen. Der Akquisitionswert von 730 Mill. Euro in der Spitze beträgt nach Angaben von Hensoldt das 14-Fache des für das kommende Jahr erwarteten operativen Ergebnisses (Ebitda) von ESG.

Leonardo beteiligt sich nicht

Um den Kauf zu finanzieren, will Hensoldt rund 450 Mill. Euro Fremdkapital aufnehmen. Hinzu kommt eine schon im November angekündigte Kapitalerhöhung aus dem genehmigten Kapital von maximal 10% des Grundkapitals. Diese könnte zum aktuellen Aktienkurs von rund 24 Euro knapp 250 Mill. Euro einbringen. Seit mit der Kapitalerhöhung zu rechnen ist, verlor die Aktie etwa 15% an Wert.

Die größten Aktionäre von Hensoldt sind mit einem Anteil von jeweils 25,1% der deutsche Staat und der italienische Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Leonardo (früher Finmeccanica). Deutschland – die Aktien hält die Staatsbank KfW – beabsichtigt nach Angaben von Hensoldt, an der Kapitalerhöhung entsprechend seines Anteils teilzunehmen. Leonardo kündigte in einer Mitteilung an, sich nicht zu beteiligen. Gründe nennt das Unternehmen nicht, bekräftigte aber, die Strategie von Hensoldt voll zu unterstützen.

Leonardo verlöre damit die Sperrminorität. Die Analysten von J.P. Morgan interpretieren dies als Signal, dass Leonardo womöglich nicht langfristig an dieser Beteiligung festhalte. Wegen des dann höheren Streubesitzes wäre dies allerdings positiv für Hensoldt. Bisher sind 49,8% der Aktien im Streubesitz. In der Branche heißt es, der Verlust der Sperrminorität hätte für das operative Geschäft keine große Bedeutung.

Wenig Investitionen notwendig

Mit Blick auf die Übernahme sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Müller, ESG passe hervorragend zur Strategie von Hensoldt und beschleunige die Entwicklung "als Lösungsanbieter für Verteidigung und Sicherheit". Die Fähigkeiten beider Unternehmen ergänzten sich. ESG entwickelt und betreibt Elektronik- und IT-Systeme für Sicherheit und Verteidigung. Hensoldt entwickelt auf diesen Gebieten Sensorlösungen. Finanzvorstand Christian Ladurner ergänzte: "ESG weist ein starkes Wachstum und eine hohe Cash Conversion auf, da das Geschäftsmodell wenig Investitionen erfordert." Im Wesentlichen sei es Instandhaltung für weniger als 1,5% vom Umsatz.

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