Scout24

Immobilienportalbetreiber Scout24 trotzt dem Markteinbruch

Trotz der Zinswende bleibt das Geschäft des Wohnimmobilienvergleichsportals Scout24 intakt. Das MDax-Mitglied spürt bisher nichts von den Einbrüchen im Bau- und Immobilienfinanzierungsgeschäft.

Immobilienportalbetreiber Scout24 trotzt dem Markteinbruch

Von Stefan Kroneck, München

Die Zinswende hat für Verwerfungen in manchen Marktsegmenten ge­sorgt. So zum Beispiel in der Baubranche und bei den Immobilienfinanzierern. Nach Jahren eines Booms aufgrund des Zinstiefs verzeichnen die Anbieter auf diesen beiden Feldern nunmehr deutlich schrumpfende Aktivitäten. Das Neugeschäft in diesen Branchen geht in den Keller.

Die Gründe dafür liegen klar auf der Hand. Aufgrund steigender Marktzinsen infolge einer restriktiveren Geldpolitik der führenden Notenbanken ist der kreditfinanzierte Erwerb und Bau von Wohn- und Büroimmobilien nicht mehr so attraktiv wie in den vergangenen Jahren.

Zinswende trifft Baubranche

Die zuletzt überhitzte Konjunktur in diesem Wirtschaftszweig hat ein jähes Ende gefunden. Die Baubranche beklagt sich über mangelnde Neubestellungen und leidet zugleich auf der Kostenseite über Preissprünge und Lieferengpässe bei den Materialien. Den Baufinanzierern bricht das Neugeschäft abrupt weg. Die Zeiten, in denen diese sich eine goldene Nase verdient haben, scheinen vorüber zu sein.

Doch im Markt gibt es auch Ausnahmen von der Regel. Dazu zählt Scout24, ein internetbasierter Vergleichsportalbetreiber für Wohnimmobilien. Das im MDax gelistete Unternehmen mit Sitz in München und in Berlin spürt die deutlichen Eintrübungen in der Bauwirtschaft und im Immobilienfinanzierungsgeschäft nicht. Offenbar erweist sich diese Firma als krisenresistent. Das hat vor allem folgenden Grund: Aufgrund der ungebremst hohen Nachfrage auf dem Mietmarkt für Wohnungen in Großstädten nutzen Immobilienmakler mittlerweile noch stärker die Plattform des Anbieters als zuvor. So heißt es jedenfalls bei Scout24.

Fundamental robust

Der Druck auf dem Wohnmietmarkt sorgt also für ungebremst gute Geschäfte des Konzerns mit seinen 850 Mitarbeitern. In den ersten neun Monaten des bald zu Ende gehenden Jahres 2022 steigerte Scout24 ihren Umsatz um 16% auf 332 Mill. Euro. Das Betriebsergebnis l(Ebit) legte in diesem Zeitraum überproportional um 23% auf 136 Mill. Euro zu. Am 28. Februar nächsten Jahres veröffentlicht der Vorstand die vorläufigen Erfolgs- und Bilanzzahlen für 2022.

Die fundamentale Robustheit spiegelt sich im Aktienkurs wider. Das Papier von Scout24 ist bislang nicht in den Strudel der wachsenden Verunsicherung in der Branche gekommen. Statt wie börsennotierte Immobilienunternehmen einen erheblichen Kurseinbruch zu verzeichnen, hält sich der Titel weiter relativ stabil, wobei sich selbstverständlich auch Scout24 nicht gänzlich der erhöhten Volatilität entziehen kann. Mit rund 47 Euro notiert die Aktie derzeit auf dem Niveau vom Februar 2022.

Zum Vergleich: Die Aktie des Bochumer Immobilienkonzerns Vonovia stürzte im gleichen Zeitraum um mehr als die Hälfte ab. Das Papier des Dax-Mitglieds notiert aktuell bei 22 Euro. Neben der Zinswende sorgen politisch motivierte Diskussionen über Mietpreisbremsen und Indexmieten dafür, dass sich Anleger abwenden.

Nicht in Stein gemeißelt

Doch die Stabilität der Aktie von Scout24 ist nicht in Stein gemeißelt. Sinken aufgrund des allgemeinen Wirtschaftsabschwungs und der im Jahr 2023 drohenden Rezession neben den Häuserpreisen zudem erstmals nach langer Zeit auch die Wohnungsmieten in Deutschland auf breiter Front, dürfte sich der Anteilschein von Scout24 dieser Entwicklung nicht entziehen können.

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