MOBILFUNKMESSE IN BARCELONA – IM GESPRÄCH: WILLIAM TIAN, HUAWEI

"In den USA stimmen die Kunden für uns ab"

Der Vice-President Global Sales Operations und Deutschland-Chef erwartet, 2018 hierzulande um mehr als 50 Prozent zu wachsen

"In den USA stimmen die Kunden für uns ab"

hei Barcelona – Huawei, mittlerweile auch als Smartphone-Anbieter die Nummer 3 der Welt, lässt sich von dem jüngsten Rückschlag in den USA nicht entmutigen. Als einziger Hersteller mit wachsendem Absatz im jüngsten Quartal will das Unternehmen 2018 noch mehr Gas geben. Der deutsche Markt hat dabei “Top-Priorität”. Das Unternehmen hat auf der Mobilfunkmesse in Barcelona darauf verzichtet, das neue Flaggschiffprodukt “P 20” vorzustellen, und stattdessen ein neues Laptop sowie ein Tablet präsentiert. William Tian, Vice-President Global Sales Operations, will für das neue Gerät die gesamte mediale Aufmerksamkeit bei einer eigenen Veranstaltung “Ende März in Paris” sicherstellen. Die P 20-Serie folgt dem Huawei P 10, und der Zahlensprung soll eine buchstäbliche Bedeutung bekommen. Denn das neue Flaggschiff ist laut Tian “ein revolutionärer Sprung im Hinblick auf Kameratechnik, Chipset und künstliche Intelligenz” und soll auch im Erlös des Konzerns zu deutlichen Sprüngen führen. “Top-Priorität” Der deutsche Markt genießt dabei “Top-Priorität” für den in China marktführenden Smartphone-Hersteller. Im vergangenen Jahr gingen hierzulande die Erlöse um 50 % in die Höhe. “In diesem Jahr wollen wir noch schneller wachsen”, betont Tian, der als Country Manager für Deutschland verantwortlich ist. Global hat die Consumer Business Group von Huawei 2017 ein Plus von 30 % gezeigt. Neben dem chinesischen Heimatmarkt zeigt das Unternehmen auch in Europa und Südostasien ein robustes Wachstum. Im vierten Quartal – dem ersten, in dem jemals der Absatz von Smartphones rückläufig war – hat Huawei als einziger der Top-5-Anbieter zugelegt. Die Verkäufe kletterten laut Gartner um 7,4 % auf 43,9 Millionen. Dies entspricht einem auf 10,8 (9,4) % gestiegenen Marktanteil hinter Samsung (18,2 %) und Apple (17,9 %). Auch in Amerika ist die Huawei-Consumer-Sparte durchaus auf Wachstumskurs, wie Tian sagt. “In den USA stimmen die Kunden für uns ab”, berichtet der Manager und verweist auf die Nachfrage in einschlägigen Vertriebskanälen wie Amazon, Ebay und Best Buy. Er räumt indes ein, dass die Entscheidung von AT & T und Verizon, das Huawei-Flaggschiff “Mate 10” als Netzbetreiber doch nicht zu vertreiben, einen Rückschlag darstellt. Obwohl die Entscheidung der beiden Telekomriesen offenbar auf politischen Druck zustande kam, will Tian von “Gegenmaßnahmen” von Seiten der chinesischen Regierung, die sich gegen den Vertrieb des iPhone von Apple richten könnten, nichts wissen. Huawei sei “ein privates Unternehmen”, das mit dem Staat nichts zu tun habe, unterstreicht der Vertriebschef. “Wir überzeugen die Kunden mit guten Produkten. Das bringt uns Erfolg.” Unverständnis Tian äußerte indes indirekt Unverständnis für die harte Haltung der USA gegenüber den Telekomausrüstern aus China, die kein Novum unter der Regierung Trump darstellt, sondern Huawei und ZTE auch bei Netzinfrastruktur seit Jahren im US-Markt ausbremst. Er verwies darauf, dass Europa die schärfsten Regularien und Sicherheitsanforderungen weltweit habe und Huawei alle Zertifizierungsprozesse akzeptiere, “gerade auch in der Zusammenarbeit mit deutschen Anbietern wie Telekom, Vodafone Deutschland und Telefónica Deutschland”. Tian zeigte sich überzeugt, dass auf dem Markt für Smartphones (und alle Smart Devices) künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence, AI) künftig ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal in den Augen der Kunden sein wird. AI werde auch bei anderen wichtigen Komponenten wie Kamera oder Chipset und Batterietechnik eine tragende Rolle spielen. “Huawei hat dabei den Vorteil, dass wir Synergien mit unserem Netzwerkgeschäft heben können”, denn auch in den Netzen hält AI Einzug. Große Finanzkraft Huawei, die im vergangenen Jahr rund 12 % von einem Jahresumsatz von 90 Mrd. Dollar in Forschung und Entwicklung (F&E) gesteckt hat, ist damit ein F & E-Powerhouse und kann die nötigen Investitionen leichter stemmen als andere Anbieter. Die Finanzkraft ist auch der Grund, warum Experten wie Gartner-Analystin Annette Zimmermann überzeugt sind, dass Unternehmen wie Huawei, Samsung und Apple weiterhin eine tragende Rolle auf dem Smartphone-Markt spielen werden, während es kleineren Anbietern, die jüngst auch schon heftig Marktanteile verloren haben – etwa HTC und LG -, auf Basis geringerer Umsätze auf Dauer kaum möglich sein werde, die Ressourcen für die Entwicklung aufzubringen.