Halbleiter

Infineon kämpft mit Folgen von Produktionsstopps

Erzwungene Fertigungspausen in Malaysia und in den USA kosten Umsatz und Ergebnis. Immerhin: Gerade startet das zweite Werk für Leistungshalbleiter in Villach.

Infineon kämpft mit Folgen von Produktionsstopps

jh München

Die Nachfrage nach Halbleitern übersteigt das Angebot bei weitem. Produktionsstopps treffen Infineon und die Kunden deshalb besonders stark. „In diesem Umfeld wiegen pandemiebedingte Einschränkungen der Fertigung wie jüngst in Malaysia doppelt schwer“, sagte der Vorstandsvorsitzende Reinhard Ploss.

Wegen stark gestiegener Covid-Infektionen musste der deutsche Chiphersteller Teile des Werks in Melaka an 20 Tagen im vergangenen Quartal schließen. Inzwischen sei die Fabrik wieder komplett einsatzfähig, be­richtete Ploss. Doch werde das Hochfahren zur vollen Leistungsfähigkeit bis Ende dieses Monats dauern. Mit dem Impfen der Mitarbeiter auf freiwilliger Basis will das Management nach eigener Aussage die Folgen der Pandemie in den Griff bekommen. Auch der zeitweise Ausfall des Werks in Austin (USA) im Februar wegen eines Wintersturms wirkt sich noch aus. Deshalb sei der Umsatz trotz der unverändert hohen Nachfrage im dritten Quartal im Vergleich mit dem zweiten nur um 1% gestiegen (siehe Grafik).

Für den Schlussabschnitt des Geschäftsjahres (30. September) rechnet der Vorstand mit einem Umsatzausfall von 100 Mill. Euro. Insgesamt seien dem Konzern bisher Erlöse von 200 Mill. bis 300 Mill. Euro wegen der eingeschränkten Fertigung entgangen, berichtete Finanzvorstand Sven Schneider. Der Großteil davon verschiebe sich allerdings nur auf später. Für das gesamte Geschäftsjahr wird ein Umsatz von rund 11 Mrd. Euro erwartet.

Die Marge bezogen auf das Segmentergebnis werde voraussichtlich über 18% liegen. Ohne die Produktionsunterbrechungen wäre auch ein höheres Ergebnis möglich gewesen, sagte Ploss. Für den Free Cash-flow stellt Infineon nun 1,5 (bisher: mehr als 1,2) Mrd. Euro in Aussicht. Wie groß die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage ist, zeigt auch die Aussage von Ploss, die Vorräte seien auf einem historischen Tiefstand: „Unsere Chips gehen aus der Fertigung direkt in die Anwendungen.“

Besonders Chips für Fahrzeuge sind knapp. Dieser Mangel bremse die Erholung der Automärkte, betonte Ploss. Bis ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage herrsche, werde es noch einige Zeit dauern. „Frühestens weit im Jahr 2022“ könne dies der Fall sein.

Auftragsfertiger als Engpass

Dass die zweite 300-Millimeter-Fertigung von Infineon in Villach (Österreich) für Leistungshalbleiter seit diesem Dienstag einsatzbereit ist, kommentierte Ploss mit den Worten: „Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein.“ Mit ersten Umsätzen des neuen Werks rechnet der Vorstand im nächsten Quartal.

Stärker als die Einschränkungen der eigenen Produktion fallen die Engpässe in den Lieferungen von Auftragsfertigern ins Gewicht. Von diesen sogenannten Foundries, überwiegend in Asien, bezieht Infineon einen Teil der Halbleiter. Mit den Auftragsfertigern sei Infineon in ständiger Diskussion, um Kapazitäten für die nächsten Jahre zu reservieren, berichtete der fürs operative Geschäft zuständige Vorstand Jochen Hanebeck. Bis diese erweitert würden, dauere es aber einige Zeit.

Einer der großen Auftragsfertiger ist das taiwanische Unternehmen TSMC. Es erwägt den Bau einer Chipfabrik in Deutschland (vgl. BZ vom 27. Juli), angeblich mit Partnern, darunter Infineon. Ploss äußerte sich nicht direkt dazu, sagte nur, die Zusammenarbeit mit TSMC werde sich weiterentwickeln. „Es wäre eine interessante Überlegung, TSMC in Deutschland zu haben“, fügte der Vorstandschef hinzu. Das Unternehmen sei für Infineon ein sehr wichtiger und leistungsfähiger Lieferant, mit dem viele Produkte entwickelt würden.

Der Aktienkurs von Infineon sank am Dienstag zunächst um mehr als 5%, drehte ins Plus und schloss schließlich mit einer Tageseinbuße von 0,4% bei 33,29 Euro. Nach Einschätzung der Analysten von UBS fielen die Zahlen im dritten Quartal weitgehend wie erwartet aus.

Infineon
Konzernzahlen nach IFRS
9 Monate*
in Mill. Euro20212020
Umsatz80536077
Segmentergebnis1456791
 in % vom Umsatz 18,113,0
F&E-Aufwand1050806
Nettoergebnis705259
Freier Cash-flow1196–7115
Bruttoliquidität38633450
Investitionen900768
Mitarbeiter (Anzahl) 4886646730
*) Geschäftsjahr endet am 30.9.Börsen-Zeitung
BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.