Konflikt zwischen Sunrise und Freenet eskaliert
dz Zürich – Der Konflikt zwischen Sunrise und seinem größten Aktionär Freenet eskaliert. Der Sunrise-Verwaltungsrat hat am Donnerstag die Suspendierung der beiden Freenet-Vertreter im Sunrise-Verwaltungsrat, Christoph Vilanek und Ingo Arnold, von allen weiteren Diskussionen über die geplante Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC angekündigt. Der Sunrise-Verwaltungsrat begründete den Schritt mit Interessenskonflikten seines deutschen Hauptaktionärs.Am vergangenen Freitag hatte Freenet mitgeteilt, die vom Sunrise-Management geplante Kapitalerhöhung über 4,1 Mrd. sfr zur Finanzierung der UPC-Übernahme auf einer noch zu terminierenden Generalversammlung im Herbst nicht zu unterstützen. Freenet machte die Zustimmung zu dem Kauf von einer Reihe von Bedingungen abhängig. So solle Sunrise den Kauf mit mehr Fremdkapital finanzieren und die aktuelle UPC-Eigentümerin Liberty in die Transaktion einbinden. Liberty solle sich mit bis zu 30 % an Sunrise beteiligen. Damit würde Freenet die in der bestehenden Transaktionsplanung vorgesehene Verwässerung ihrer Sunrise-Stimmanteile von aktuell knapp 25 % auf ca. 10 % deutlich auf etwas unter 20 % eindämmen.Gegen einen solchen Deal wehrt sich die Sunrise-Führung aber nach Kräften. Hinter dem Vorschlag von Freenet könnte sich die Absicht des hoch verschuldeten Mobilfunk-Service-Providers verbergen, ein gutes Geschäft auf Kosten der anderen Sunrise-Aktionäre zu machen, erklärten Sunrise-Verantwortliche ihre Bedenken im Gespräch.Dazu müssten Freenet und Liberty allerdings gemeinsame Sache machen. Das vom Sunrise-Verwaltungsrat befürchtete Szenario sieht etwa so aus: Liberty könnte nach der Übernahme eines 30-Prozent-Anteils von Sunrise weitere Aktien im Markt zukaufen und nach Überschreiten der Schwelle von 33 % allen Sunrise-Aktionären das gesetzliche, minimale Pflichtangebot unterbreiten. In dem zu erwartenden Fall, dass viele Aktionäre nicht auf das Angebot eintreten, könnte Liberty die Mehrheit dennoch durch den Erwerb des Freenet-Paketes erlangen. Freenet hätte dann die Chance, eine Prämie einzustreichen und so den offenbar angestrebten Verkaufspreis von über 80 sfr pro Sunrise-Aktie doch noch erreichen. Den Verdacht eines “vermeintlich selbstsüchtigen Verhaltens” weist Freenet zurück und betont, dass ihre Kritikpunkte von vielen Investoren und Analysten geteilt würden (siehe Statement).Dass Liberty ihren Schweizer Kabelnetzbetreiber aber nicht unbedingt verkaufen wolle, habe sich schon in früheren Gesprächen gezeigt. So hatten die beiden Parteien Ende 2017 die Möglichkeit erwogen, Sunrise und UPC in ein Joint Venture einzubringen. Das Vorhaben sei an Libertys Weigerung gescheitert, den Sunrise-Aktionären eine Prämie für die Aufgabe der vollständigen Kontrolle über ihr Unternehmen zu zahlen.Die Vertrauenskrise zwischen Freenet und dem Sunrise-Management geht tief. So hat der Sunrise-Verwaltungsrat gestern auch die Eröffnung einer internen Untersuchung über eine mögliche Verletzung der Vertraulichkeitsbestimmungen der Freenet-Vertreter im Verwaltungsrat angekündigt. Laut Sunrise sei man am Montag mit dem Vorschlag auf Freenet zugegangen, die Finanzierungsstruktur der UPC-Übernahme mit 500 Mill. sfr mehr Fremdkapital und mittels Ausgabe einer Zwangswandelanleihe über 1 Mrd. sfr anzupassen. Die Antwort habe der Sunrise-Verwaltungsrat dann am Freitag aus der Presse entnehmen müssen. Dass Freenet auch die Höhe des Kaufpreises von 6,3 Mrd. sfr kritisierte, stößt dem Sunrise-Verwaltungsrat ebenfalls sauer auf. Freenet habe selber eingeräumt, dass eine Kaufpreisreduktion schwer zu begründen sei, nachdem Sunrise seine Schätzung für das Synergie-Potential aus der Verbindung mit UPC um weitere 45 Mill. sfr auf jährlich 280 Mill. sfr erhöht habe.