Industriegase

Linde baut Spitzenposition aus

Der Weltmarktführer Linde festigt seine Stellung: Der Umsatz steigt im ersten Halbjahr 2021 stärker als der des größten Wettbewerbers Air Liquide.

Linde baut Spitzenposition aus

jh München

Linde hat in der ersten Hälfte dieses Jahres dem größten Konkurrenten Air Liquide Marktanteile abgenommen. Der amerikanisch-deutsche Weltmarktführer für Industriegase steigerte den Umsatz um mehr als 13% (siehe Tabelle). Der französische Konzern Air Liquide meldete ein Plus von 5,6% auf 10,8 Mrd. Euro. Im vergangenen Jahr war der Erlös von Linde um gut 3% gesunken, der von Air Liquide um 6,5%. Dank der Erholung der Weltwirtschaft wächst nun auch wieder der Industriegasemarkt. Linde habe in einigen Märkten Anteile gewonnen, sagte Chief Operating Officer Sanjiv Lamba in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Auch bezogen auf die Profitabilität bleibt Linde vorn. Air Liquide erzielte von Januar bis Juni eine operative Marge von 18,0 (i.V. 17,6)%, Linde 23,8%. Allerdings sind aus diesem Wert Bilanzierungseffekte des Zu­sammenschlusses der Linde AG mit Praxair und Kosten für Effizienzprogramme ausgeklammert. Zusammen betrugen diese im ersten Halbjahr 1,17 (1,35) Mrd. Dollar. Die Unternehmen sind seit Herbst 2018 fusioniert. Im achten Quartal in Folge sei die operative Marge um mehr als 200 Basispunkte gestiegen, berichtete Finanzvorstand Matt White.

Im zweiten Quartal erzielte Linde plc ein Ergebnis je Aktie von 2,70 (1,90) Dollar. Das sei der bisher höchste Wert eines Dreimonatsabschnitts, berichtete Chief Executive Officer Steve Angel. In Aussicht gestellt hatte das Management 2,50 bis 2,55 Dollar. Fürs gesamte Jahr erwartet es nun 10,10 bis 10,30 Dollar. Angel brachte seine Zuversicht zum Ausdruck, dass das Unternehmen abermals außergewöhnliche Jahreszahlen liefern werde.

Zweite Erhöhung

Nach der Anhebung Anfang Mai bedeutet dies die zweite Prognoseerhöhung in diesem Jahr. Nach Ansicht der Analysten der Baader Bank hat der Konzern sein Gewinnziel überraschend deutlich nach oben ge­schraubt. Die Schweizer Bank UBS favorisiert dennoch Air Liquide: Das Unternehmen befinde sich auf Kurs, und die Aktie sei günstiger als die der Wettbewerber bewertet. Der Kurs von Linde stieg am Freitag um 2,5% auf 258,15 Euro und erreichte als Tagessieger im Dax einen neuen Höchststand. Air Liquide hat sich nach den Halbjahreszahlen etwas vom Rekordniveau entfernt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis von Analystenschätzungen für 2021 liegt für Air Liquide bei 27, Linde kommt auf knapp 30.

Der Auftragsbestand von Linde beträgt rund 7,5 Mrd. Dollar. Dieser werde in den nächsten drei bis vier Jahren abgearbeitet, kündigte Lamba an. Hinzu kämen hunderte für Linde aussichtsreiche Projekte im Umfang von etwa 10 Mrd. Dollar. Auch deshalb blicke er optimistisch nach vorn.

Im zweiten Quartal wuchs Linde dank gestiegener Preise. Im Schnitt seien diese um 3% gestiegen. Zuwächse habe es im Industriegase­geschäft in allen Regionen und Endmärkten gegeben. Am größten und profitabelsten ist das Geschäft in Amerika (siehe Grafik). Europa verbesserte sich zuletzt am stärksten.

Im Anlagenbau, den die Linde AG in den Konzern eingebracht hat, sank der Umsatz allerdings um ein Fünftel auf 646 Mill. Dollar. Der Konzern begründet dies vor allem mit den Zeitpunkten für den Abschluss von Projekten. Die operative Marge erhöhte sich nach 16,2% im ersten Quartal auf 16,7%, verglichen mit 17,0% in der Vorjahreszeit ergab sich ein leichter Rückgang. Die Linde AG hatte früher für den Anlagenbau ein Ziel von 8% vorgegeben.

Linde
Konzernzahlen nach US-GAAP *
1. Halbjahr
in Mill. Dollar20212020
Umsatz1482713116
Operativer Gewinn3 5252 669
 in % vom Umsatz23,8 20,3
Nettoergebnis27272014
Ergebnis je Aktie (Dollar)5,193,78
Nettoschulden1227012387
*) bereinigt, fortgeführtes GeschäftBörsen-Zeitung