Internationale TV-Allianzen

Mediaset will ProSiebenSat.1 überzeugen

Der italienische Fernsehkonzern Mediaset plant eine internationale Sender-Allianz und hat dafür insbesondere die deutsche ProSiebenSat.1 im Visier. Die Italiener sind mit knapp 25% an dem TV-Sender beteiligt. Mediaset-CEO Pier Silvio Berlusconi will weitere Partner mit ins Boot holen und ist auch am britischen Channel 4 interessiert, der privatisiert werden soll.

Mediaset will ProSiebenSat.1 überzeugen

bl Mailand

Der italienische Medienkonzern Mediaset hofft auf die schnelle Realisierung des geplanten europäischen Fernsehnetzwerks. Laut CEO Pier Silvio Berlusconi könnte eine engere Kooperation oder gar ein Zusammengehen mit dem deutschen TV-Konzern ProSiebenSat.1 großen Wert schaffen. Die Italiener sind mit einer direkten Beteiligung von 12,4% größter Anteilseigner des TV- und Internetunternehmens. Die Deutschen hatten bisher stets zurückhaltend auf italienische Liebesbekundungen bzw. den Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit reagiert, auch weil es nach ihren Worten keine konkreten Angebote gegeben habe.

ProSiebenSat.1-Chef Rainer Beaujean sagte vor kurzem, man sei allein stark genug (vgl. BZ vom 1. Juni). Nach Darstellung des deutschen Unternehmens wandte sich Mediaset bisher nicht an den Vorstand. Beau­jean sagte, er stehe Vorschlägen of­fen gegenüber und würde Strategien prüfen. Diese müssten jedoch allen Beteiligten Vorteile bringen. „Denn unsere eigene Strategie ist klar, und sie bedarf keiner Hilfe von außen“, so der Vorstandschef. „Kolportierte Kostensynergien sind grenzübergreifend im lokalen Mediengeschäft kaum zu realisieren.“ Auf nationaler Ebene würden solche Vorteile von „Dyssynergien neutralisiert“.

Berlusconi glaubt dagegen an die Notwendigkeit, durch „Vereinbarungen mit ein oder zwei europäischen TV-Sendern“ eine gewisse Größenordnung in diesem Geschäft zu erreichen, „um zu überleben“, effizienter zu werden und Einnahmen zu steigern. Er erklärte, man sei bei ProSiebenSat.1 als langfristig orientierter Aktionär eingestiegen und bereit, „zu helfen“. Man habe es nicht eilig und sei offen für Gespräche. Berlusconi kann keinen grundsätzlichen Widerstand von ProSiebenSat.1 gegen seine Pläne erkennen.

Nach der Beendigung eines mehrjährigen Streits mit dem französischen Aktionär Vivendi, der seine Beteiligung peu à peu reduzieren wird, hat Mediaset die Verlegung des juristischen Sitzes in die Niederlande beschlossen. Dort sieht das Unternehmen ideale rechtliche Bedingungen für die Realisierung des Vorhabens. Nach Ansicht Berlusconis ist nun der Weg frei für die Bildung einer europäischen Senderfamilie, die es mit Streamingkolossen wie Netflix, Apple oder Disney aufnehmen soll.

Erster Baustein dieser Familie soll die spanische Mediaset-Tochter sein. Dem CEO zufolge gibt es Gespräche mit potenziellen Finanz- und Industriepartnern. Der Zeitung „Il Sole 24 Ore“ zufolge hat Berlusconi auch Kontakte zu Discovery in den USA aufgenommen. Er bekundete ferner Interesse an einer Übernahme des britischen Senders Channel 4, den die Regierung von Premierminister Boris Johnson privatisieren will. Voraussetzung dafür sei, dass einengende Regelungen für den öffentlichen Sender aufgehoben würden.

Die Börse reagierte positiv auf die Mediaset-Ankündigungen. Insbesondere die gegenüber dem Vorjahr um 31,5% gestiegenen Werbeeinnahmen im ersten Halbjahr sowie die Pläne für die europäische Senderfamilie wurden sehr wohlwollend aufgenommen. Der Aktienkurs stieg um 3,41% auf 3,156 Euro und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren. ProSiebenSat.1 legten um 3,57% auf 17,55 Euro zu.

Im ersten Quartal war der Nettogewinn von Mediaset auf 52,5 (i.V. 14,6) Mill. Euro gestiegen und lag damit über den 36,7 Mill. Euro von 2019. Mediaset setzt künftig sehr stark auf das Thema Fußball, das für den Konzern strategisch von herausragender Bedeutung sein soll – vor allem im Hinblick auf die Vermarktung von Werbung und im Rahmen diverser Partnerschaften.