Milliardendeal in der Rehabilitationsbranche

Investor Waterland fusioniert Median und Priory

Milliardendeal in der Rehabilitationsbranche

cru Frankfurt – Der niederländische Finanzinvestor Waterland schafft mit einer Milliardenfusion einen der größten privaten Anbieter von medizinischer Rehabilitation in Europa mit rund 20 000 Beschäftigten, 570 Einrichtungen und jährlich 260 000 Patienten in den Bereichen Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie. Der Private-Equity-Investor hat die britische Gruppe Priory für knapp 1,1 Mrd. Pfund in bar (1,5 Mrd. Dollar) übernommen und plant die Fusion mit dem deutschen Portfoliounternehmen Median. Verkäufer von Priory ist der börsennotierte US-Gesundheitskonzern Acadia. Finanzdetails zur Transaktion, die bis Ende Januar 2021 abgeschlossen sein soll, wurden nicht bekannt gegeben.Die 1980 gegründete Priory Group, die 2011 von der Royal Bank of Scotland für 1 Mrd. Euro an den Finanzinvestor Advent verkauft worden war, ist ein in Großbritannien führender Betreiber von Einrichtungen zur Behandlung von psychischen Krankheiten, neurologischen Verletzungen und Suchtkrankheiten. Pro Jahr werden in den 450 Einrichtungen 30 000 Patienten behandelt. Nummer 1 im Reha-SektorMedian, die von CEO André Schmidt geführt wird, ist mit 230 000 Patienten jährlich Deutschlands größter privater Betreiber von Rehabilitationskliniken und -einrichtungen. In den 120 Einrichtungen mit 18 500 Betten und Plätzen werden stationär und teilstationär Rehabilitations-, Akut- und Teilhabebehandlungen angeboten, die von Neurologie, Orthopädie, Kardiologie und Psychiatrie bis hin zur Suchtbehandlung reichen. Die Gruppe hat 2020 auch ein Rehabilitationskonzept für Corona-Erkrankte aufgelegt und setzt stark auf digitale Nachsorge, eine eigene Patienten-App, Wiedereingliederung für Arbeitslose und Big-Data-Analysen zur Individualisierung von Therapien.Laut Median-Chef Schmidt sollen beide Unternehmen wechselseitig profitieren: “Gegenseitig werden wir voneinander lernen, wenn es um eine enge Zusammenarbeit mit dem National Health Service beziehungsweise den Kranken- und Rentenversicherungen sowie Ministerien und Behörden geht – wir wollen in beiden Ländern zuverlässiger Partner der Gesundheitssysteme bleiben.” Chancen durch DemografieWaterland-Manager Carsten Rahlfs, der sich beim Priory-Deal von der Kanzlei Hengeler Mueller beraten lässt, erwartet wachsende Chancen für Profite im Gesundheitssektor: “Die demografische Entwicklung, aber auch angespannte Staatshaushalte machen innovative Healthcare-Angebote nötiger denn je. Mit der nötigen Finanzkraft werden wir die Angebote beider Unternehmen mit ihren dann 570 Einrichtungen synergetisch weiterentwickeln – über Akut-Einrichtungen, ambulante Angebote und Reha-Kliniken.”Waterland, die 8 Mrd. Euro an Eigenkapital für Investoren verwaltet und 2019 für neue Beteiligungen 2,5 Mrd. Euro eingesammelt hat, verfügt über Erfahrung im Aufbau von Unternehmen im Gesundheitswesen. Die Beteiligungsgesellschaft ist neben Median auch Eigentümer der auf Orthopädie spezialisierten Atos-Klinikgruppe, des Pflegedienstleisters Schönes Leben und des Firmenfitness-Spezialisten Hansefit. Waterland hatte Median 2014 erworben und mit einer Buy-&-Build-Strategie vom regionalen Anbieter zur Nummer 1 im deutschen Reha-Markt aufgebaut. 2019 gab es Gerüchte über einen geplanten Verkauf.