IT-Dienstleister

Mit vollen Kassen geht QBeyond auf M&A-Tour

Der IT-Dienstleister hat sich ganz auf Cloud, SAP und Internet of Things fokussiert. Jetzt will er durch Akquisitionen kräftig wachsen.

Mit vollen Kassen geht QBeyond auf M&A-Tour

Von Antje Kullrich, Köln

Die jahrelange Transformation soll jetzt ein Ende haben. Mit dem endgültigen Verkauf des Colocation-Geschäfts, den QBeyond Ende vergangener Woche bekannt gab, hat der IT-Dienstleister nach eigenen Angaben die Neuaufstellung abgeschlossen. QBeyond-Chef Jürgen Hermann will als Anbieter für den Mittelstand in den Themen Cloud, SAP und Internet of Things (IoT) in den nächsten Jahren kräftig wachsen. Akquisitionen sind Teil des Plans.

Die Kassen der früheren QSC sind voll. Der Konzern verfügte zum Halbjahr über eine Nettoliquidität von 31 Mill. Euro, ist schuldenfrei und die Eigenkapitalquote liegt bei 73%. Durch den Verkauf der Tochter IP Exchange, der am Freitagabend vertraglich besiegelt wurde, fließen weitere Mittel hinzu. Der Transaktion lag ein Unternehmenswert von 44 Mill. Euro zugrunde. Durch die Veräußerung erwartet QBeyond jetzt einen Free Cash-flow von mindestens 33 Mill. Euro im Gesamtjahr. Bisher war ein Wert um die Nulllinie prognostiziert worden. Den Grundstock für die pralle Kasse hatte 2019 der Verkauf der Netzgesellschaft Plusnet gelegt. QBeyond als frühere Breitbandnetzbetreiberin hatte die Tochter an EnBW veräußert.

„Unser Handlungsspielraum hat sich durch die Verkäufe erweitert“, sagte Hermann im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. In den kommenden Monaten strebt die auf Handel, produzierendes Gewerbe, Energie und Logistik fokussierte QBeyond Zukäufe passender Technologiefirmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 30 Mill. Euro an. Hermann will dabei ausschließlich ergänzen: „Wir klammern Synergieakquisitionen aus.“

Die Preise in strukturierten M&A-Prozessen, an denen häufig auch Finanzinvestoren beteiligt sind, sind jedoch teilweise durch die Decke geschossen. QBeyond will deshalb andere Wege gehen. „Wir suchen Ziele, die sich nicht in einem formalen M&A-Prozess befinden“, erläuterte Hermann. QBeyond nutzt ein Netzwerk aus Aufsichtsratskontakten, einigen Banken und kleineren regionalen M&A-Boutiquen und spricht Inhaber gezielt an. Die zweite Stoßrichtung skizziert Hermann so: „Es gibt viele Großunternehmen in Deutschland, die eine eigene IT-Tochter haben. Sie sind häufig kaum auf der Vorstandsagenda und würden mit einem strategischen Partner noch effizienter arbeiten. Auch dort sehen wir durch gezielte Ansprachen Chancen, einzelne GmbHs übernehmen zu können.“

Durch den Verkauf des Colocation-Geschäfts reduziert sich die Umsatzerwartung für 2022 um ein Zehntel auf 180 Mill. Euro. Das vor zwei Jahren ausgegebene Renditeziel für 2022 gilt nach wie vor: QBeyond will eine Ebitda-Marge von mehr als 10% erreichen. Zum Vergleich: Der im SDax notierte österreichische Wettbewerber S&T kam im ersten Halbjahr 2021 auf knapp 10 %.

Bis jetzt hat QBeyond rote Zahlen geschrieben – sowohl 2020 als auch im ersten Halbjahr 2021. „Wir investieren in die Zukunft. Wir haben personell und bei der Infrastruktur eine Grundlage geschaffen, um Wachstum zu ermöglichen“, betonte Hermann. „Jeder zusätzliche Euro Umsatz trägt jetzt überproportional zum Ergebnis bei. Unser Grenzertrag liegt beim Ebitda bei über 40%.“ Die Margenziele will QBeyond durch Wachstum und nicht durch Kostensenkungen erreichen.

Auf eine Dividendenzahlung will QBeyond jetzt erst einmal verzichten. Das Unternehmen, das früher auch mal aus der Substanz ausschüttete, sieht sich nun als Wachstumswert – und muss in den kommenden Quartalen liefern.

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