Netflix mit Neukundenschub
Netflix mit Neukundenschub
Reuters/dpa-afx Los Gatos
Der Kampf gegen die unerlaubte Weitergabe von Passwörtern verhilft Netflix zu einem kräftigen Anstieg der Nutzerzahlen. Gleichzeitig kündigt der Streaming-Dienst Preiserhöhungen für einige seiner Abonnements an. In den USA, Großbritannien und Frankreich müssen Kunden für das günstigste werbefreie Angebot künftig tiefer in die Tasche greifen. In den USA verteuert sich außerdem das Premium-Abo. Experten zufolge will Netflix damit Kunden in werbefinanzierte Angebote locken. Denn die Werbeeinnahmen je Kunde seien höher als die monatlichen Gebühren. Dieser Geschäftsbereich stehe noch ganz am Anfang, betonten Manager des Streaming-Dienstes. Der Gewinn überraschte im abgelaufenen Quartal mit 3,73 Dollar je Aktie positiv. Erwirtschaftet wurden 1,68 Mrd. Dollar, rund ein Fünftel mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz blieb mit 8,54 Mrd. Dollar im Rahmen der Erwartungen. Für das laufende Quartal stellte Netflix Erlöse von 8,69 Mrd. Dollar und damit etwas weniger als erhofft in Aussicht. Die Aktie legte am Mittwoch im nachbörslichen US-Handel um 12% zu.
Suche nach Wachstumsmöglichkeit
Ähnlich wie die Konkurrenz leidet auch Netflix unter der weltweit schwächelnden Konsumlaune. Außerdem ist der Streaming-Dienst vor allem in Industrienationen bereits weit verbreitet. "Netflix ähnelt in vielen Märkten inzwischen einem Versorger", schrieben die Analysten des Vermögensverwalters Bernstein. "Die Herausforderung für einen Versorger besteht darin, weiteres Wachstum zu generieren."
Aus diesem Grund hat der Konzern vor einiger Zeit eine Kampagne gestartet, um Mitnutzer von Passwörtern zum Abschluss eines eigenen Abonnements zu bewegen. Dank dieser Bemühungen vervierfachte sich die Zahl der Neukunden weiteren Angaben zufolge im abgelaufenen Quartal nahezu auf neun Millionen. Analysten hatten lediglich mit einem Zuwachs von sechs Millionen Nutzern gerechnet.
Abos werden teurer
Zunächst werden einige Abo-Varianten in den USA, Frankreich und Großbritannien teurer. Für die Zuversicht sorgt der kräftige Schub im vergangenen Quartal: Das Vorgehen gegen das Teilen von Zugangsdaten und das günstigere Abo mit Werbeanzeigen ließen die Kundenzahl um 8,76 Millionen steigen.
Netflix geht seit dem Sommer unter anderem auch in Deutschland dagegen vor, dass Nutzer einen Account über einen Haushalt hinaus teilen. Dafür wird zusätzliches Geld fällig – entweder zahlen die Mitbenutzer für ein eigenes Konto, oder der bisherige Account-Inhaber fügt sie für 4,99 Euro im Monat als Zusatzmitglied hinzu. So viel kostet in Deutschland auch das günstigste Abo mit Werbeanzeigen.
Nach früheren Berechnungen von Netflix nutzten rund 100 Millionen das Passwort aus einem anderen Haushalt. Das Vorgehen gegen das Teilen der Accounts ist mit Risiko verbunden: Verärgerte Nutzer könnten auch lieber zu einem der vielen Streaming-Dienste der Konkurrenz wechseln. Netflix setzt jedoch darauf, dass das Angebot an Serien und Filmen so attraktiv ist, dass die Leute lieber mehr bezahlen. Diese Rechnung scheint trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds in vielen Ländern aufzugehen.
Abos mit Werbung günstiger
Für das vergangene Quartal hatte Netflix selbst ein Plus von rund sechs Millionen Abonnenten in Aussicht gestellt – ähnlich wie im Vierteljahr davor. Dabei spielt das günstigere Abo mit Werbung hier eine wichtige Rolle: In den Ländern, wo es verfügbar ist, entscheiden sich 30% der Neukunden dafür. Insgesamt sei die Zahl der Kunden mit Werbe-Abo binnen drei Monaten um 70% gestiegen. Für das laufende Vierteljahr rechnet Netflix nun mit einem Kunden-Zufluss in der Größenordnung des dritten Quartals.
Netflix betont, dass die Effekte der Trittbrettfahrer-Jagd noch einige Quartale andauern würden: Bisher seien einige Maßnahmen bei einigen Nutzer-Gruppen noch gar nicht angekommen. Co-Chef Greg Peters spielte den möglichen Effekt der Preiserhöhungen herunter: So etwas schlage sich eher stärker in den Anteilen der neu abgeschlossenen Abos nieder. In den USA wird das teuerste Netflix-Abonnement mit bester Bildqualität künftig 22,99 Dollar pro Monat kosten und in Frankreich 19,99 Euro. In Deutschland zahlt man dafür aktuell 17,99 Euro.
Netflix dominiere aktuell im Streaming-Geschäft und löse sich vom Rest der Branche, sagte Branchenanalyst Rich Greenfield im US-Sender CNBC. Ein wichtiger Schritt für die Zukunft sei, dass die Firma Skydance Animation des früheren Pixar-Stars John Lasseter mit ihren Filmen von Apples Streaming-Dienst zu Netflix wechselte. Das könne Netflix helfen, bei Familien-Unterhaltung zu Disney aufzuschließen.
Das Abo mit Werbung laufe gut, weil sich dafür viele Nutzer entschieden, die bisher mit Passwörtern von Freunden oder Familienmitgliedern Netflix schauten, betonte Greenfield. Netflix nimmt mit seinem Anzeigen-Angebot verstärkt die Werbegelder ins Visier, die bisher ins lineare Fernsehen flossen.