Klimaschutz

Nur jeder sechste Konzern hält Pariser Vertrag ein

Die meisten börsennotierten europäischen Unternehmen haben bislang keine Klimaschutzpläne, die mit dem Ziel des Pariser Vertrags vereinbar sind. Doch immerhin 50 deutsche Firmen haben sich das 1,5-Grad-Ziel zu eigen gemacht.

Nur jeder sechste Konzern hält Pariser Vertrag ein

cru Frankfurt

Nur 16% von insgesamt 1220 großen und überwiegend börsennotierten europäischen Un­ternehmen haben bislang Klimaschutzpläne, die mit dem Ziel des Pariser Vertrags vereinbar sind, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Insgesamt gibt es jedoch in Deutschland immerhin 50 Unternehmen, die sich wissenschaftlich fundierte 1,5-Grad-Ziele gesetzt haben. Zu diesen Vorreitern zählen unter anderem Bosch, BMW, Siemens, Adidas, Beiersdorf, Hugo Boss, Miele, Trumpf, Gea und SAP. Das sind Ergebnisse einer Auswertung der Unternehmensberatung Oliver Wyman zusammen mit der globalen Umweltdatenbank Carbon Disclosure Projects (CDP).

Die Nichtregierungsorganisation wertet die Klimaziele von Unter­nehmen systematisch aus. Demnach sind inzwischen CO2-Emissionen in Höhe von rund 450 Mill. Tonnen durch wissenschaftliche fundierte Klimaziele abgedeckt. Eine Schlussfolgerung aus den Daten: Wenn die CO2-inten­sivsten Unternehmen Europas – darunter auch der deutsche Stromkonzern RWE – mit den beim Klimaschutz am besten aufgestellten Firmen gleichziehen würden, könnten die Unternehmensemissionen in Europa um die Hälfte gesenkt werden. Die eingesparten CO2-Emissionen würden in der Größenordnung der Emissionen Großbritanniens und Irlands zusammen liegen. In die Untersuchung des CDP flossen die Angaben von mehr als 1220 europäischen Unternehmen ein. Dem Bericht zufolge treiben europäische Unternehmen zwar den Fortschritt bei den wissenschaftsbasierten Zielen (Science-Based Targets, SBT) voran, versäumen es aber häufig, ihre weitergehenden Um­weltauswirkungen zu berücksichtigen. Allerdings ist die Zahl der Unternehmen mit wissenschaftlich fundierten Klimazielen binnen Jahresfrist um 85% gestiegen und umfasst nun 25% der Unternehmen, die für ein Drittel der gemeldeten Emissionen verantwortlich sind.

Fortschritte gibt es auch in der Finanzbranche: 44% (+50%) der untersuchten europäischen Finanzinstitutionen machen mittlerweile Angaben zu ihren „finanzierten Emissionen“ – also zu jenen Emissionen, die sie durch Investments oder Versicherungsaktivitäten fördern. Dazu gehörten auch die Allianz und der Rückversicherer Munich Re.

Die bisherigen Einsparungen bei klimaschädlichen Emissionen lassen bislang zu wünschen übrig: Bereinigt um pandemiebedingte Einsparungen liegen die Einsparungen laut CDP jährlich bei 1,5% pro Jahr. Um im Einklang mit dem Pfad des Pariser Klimaziels zu stehen, müssten es 4,2% sein. Auf der Weltklimakonferenz im November in Glasgow bekräftigte die Staatengemeinschaft noch das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

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