Tabakindustrie

Philip Morris und Swedish Match spielen Übernahmepläne durch

Der US-Tabakgigant Philip Morris könnte seinen guten Vorsatz, künftig komplett rauchfrei zu werden, schon bald mithilfe des kleineren schwedischen Rivalen in die Tat umsetzen.

Philip Morris und Swedish Match spielen Übernahmepläne durch

kro Frankfurt

In der internationalen Tabakindustrie könnte es bald zu einer milliardenschweren Übernahme kommen. Der US-Konzern Philip Morris International zieht mit Blick auf sein Bestreben, künftig komplett aus dem Zigarettenverkauf auszusteigen, eine Übernahme des europäischen Rivalen Swedish Match in Erwägung. Beide Unternehmen bestätigten am Montagabend entsprechende Gespräche.

An der Londoner Börse legte der Aktienkurs von Swedish Match am Dienstag im frühen Handel um mehr als 28 % zu, die Titel von Philip Morris verteuerten sich indes zum US-Handelsbeginn nur leicht. Sollte der Deal zustande kommen, könnte er die Stockholmer, die unter anderem für die Herstellung des in Skandinavien sehr beliebten Lutschtabaks „Snus“ bekannt sind, inklusive Schulden mit mehr als 16 Mrd. Dollar (15,1 Mrd. Euro) bewerten, wie Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtet. Damit wäre es einer der größten transatlantischen Deals des Jahres. Die Verhandlungen seien bereits in einem fortgeschrittenen Stadium und eine Einigung könnte noch in den kommenden Tagen angekündigt werden. Die Unternehmen wiesen ihrerseits darauf hin, dass es keine Sicherheit über eine kommende Kaufofferte von Philip Morris gebe.

J.P.-Morgan-Analyst Jared Dinges sieht die Wahrscheinlichkeit, dass es zu dem Deal kommt, bei mindestens 50%. Nach Bekanntwerden der Gespräche stufte er die Aktien von Swedish Match von „Underweight“ auf „Neutral“ hoch und hob das Kursziel von 66 auf 81 schwedische Kronen an. Aus Sicht von Morgan Stanley wäre der Schritt darüber hinaus nachvollziehbar: Für Philip Morris gebe es „triftige strategische Gründe“, den schwedischen Rivalen zu übernehmen, schrieb Analystin Pamela Kaufman. Swedish Match zeige ein attraktives Umsatzwachstum und könnte die „rauchfreie Transformation“ des Marlboro-Produzenten beschleunigen.

Brummendes Beutel-Geschäft

In den vergangenen fünf Jahren hatten die Schweden ihre Erlöse jeweils um durchschnittlich knapp 11 % gesteigert, wobei sich das größte Segment „Smokefree“ zuletzt als besonderer Treiber erwies. In den Bereich fällt nicht nur die Herstellung und der Verkauf von Snus, sondern auch das vor allem in den USA stark wachsende Geschäft mit Nikotinbeuteln. Dabei handelt es sich um kleine weiße tabakfreie, mit Nikotinsalzen und meist noch zusätzlichen Aromen angereicherte Beutel, die sich die Konsumenten zwischen das Zahnfleisch und die Oberlippe schieben. Hersteller wie Swedish Match preisen das Produkt als „diskrete Alternative“ zu Zigaretten, E-Zigaretten, Verdampfern oder zu Tabak an. Hierzulande sind die Beutel nicht zugelassen − das Bundes­institut für Risiko­bewertung hatte Ende Dezember nach Sichtung diverser Studien erklärt, dass davon ausgegangen wird, dass auch diese Form der Nikotinanwendung suchtauslösend ist. Mit der Marke Zyn sind die Schweden in den USA nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich Nikotinbeutel und kommen dort auf einen Anteil von 64,2 %. Direkt danach, mit 18,4 %, folgt der US-Konzern Altria, der sich 2008 von Philip Morris abgespalten hatte und der in den USA von dem Konzern noch die Marlboro-Zigaretten und den Tabakerhitzer Iqos vertreibt. Wegen einer Patentrechtsverletzung hatte die US-Handelsbehörde allerdings im Herbst entschieden, dass Philip Morris und Altria den Import und Verkauf von Iqos beenden müssen. Die beiden Konzerne, die 2019 kurzzeitig eine Wiedervereinigung erwogen hatten, die Fusionsgespräche dann aber nach einem E-Zigaretten-Skandal in den USA mit mehreren Todesfällen und Hunderten Krankheitsfällen beendet hatten, wollten dagegen Berufung einlegen.

Gegenofferten möglich

Wenn Philip Morris Swedish Match übernimmt, wäre das aus Sicht von Jefferies-Analyst Owen Bennett ein wettbewerblicher Schlag für Altria und auch für British American Tobacco, von denen in den USA die Patentrechtsklage zu Iqos ausgegangen war. Für Altria könnte dies einen Anreiz darstellen, die volle Kontrolle über den E-Zigarettenhersteller Juul zu erlangen, an dem sich der Konzern Ende 2018 einen Anteil von 35 % gesichert hatte. Ein Gegenangebot für Swedish Match, zum Beispiel von Japan Tobacco, schloss Bennett ebenfalls nicht aus.

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