Stimmrechtsberater

ProSiebenSat.1 bekommt Hilfe im Konflikt mit Großaktionär MFE

Finanzvorstand Martin Mildner wehrt sich gegen den Vorschlag des Großaktionärs MFE für eine Aufspaltung von ProSieben Sat.1. Rückendeckung geben ihm die Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis.

ProSiebenSat.1 bekommt Hilfe im Konflikt mit Großaktionär MFE

ProSiebenSat.1 erhält Hilfe
in Konflikt mit Großaktionär

Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis stellen sich gegen Media for Europe

jh Unterföhring
Interview Seite 11

ProSiebenSat.1 erhält in dem Konflikt um die Konzernstruktur mit dem italienischen Großaktionär Media for Europe (MFE) Rückendeckung von prominenter Seite. Nachdem die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ihre Unterstützung zugesagt hat, gibt es nun auch Hilfe von Stimmrechtsberatern: „ISS und Glass Lewis empfehlen, unseren Vorschlägen in allen Punkten zu folgen, also die Aufspaltung abzulehnen und auch unsere Aufsichtsratskandidaten zu wählen“, sagt Finanzvorstand Martin Mildner im Interview der Börsen-Zeitung. „Wenn den anderen Aktionären klar wird, dass MFE einen Kontrollerwerb durch die Hintertür versucht, sollte ihr Abstimmverhalten eindeutig sein.“

Die von Pier Silvio Berlusconi geführte MFE, die mit knapp 30% der Stimmrechte größter Aktionär von ProSiebenSat.1 ist, hat für die Hauptversammlung am 30. April mehrere Anträge gestellt, unter anderem für eine Abspaltung des Commerce- und Dating-Geschäfts vom Kernsegment Entertainment.

Zudem macht MFE Vorschläge für die Besetzung von zwei Posten im Aufsichtsrat und hat einen Antrag zur Beschränkung des genehmigten Kapitals eingereicht. Unterstützung für MFE hat Amber Capital signalisiert, ein Aktionär von ProSiebenSat.1 mit einem Anteil von rund 1%.

„Ohne nennenswerte Prämie für die Aktionäre“

Mildner vermutet, dass MFE ihre eigentliche Motivation für eine neue Konzernstruktur verschweigt: „Nach einer Abspaltung würde die Marktkapitalisierung des hochverschuldeten Entertainmentgeschäfts erheblich sinken“, argumentiert der Finanzchef. „Das würde MFE ein Übernahmeangebot deutlich erleichtern – und zwar ohne nennenswerte Prämie für die Aktionäre.“ Er fügt hinzu: „Sozusagen auf stillem Weg die Kontrolle zu erlangen, lehnen wir ab.“

MFE steckt nach Mildners Ansicht in einem Dilemma mit Blick auf eine Change-of-Control-Klausel für die Bankenfinanzierungen von ProSiebenSat.1. Dabei gehe es um ein Volumen von brutto rund 2 Mrd. Euro. „Wenn jemand die Schwelle von 50% der Aktien überschreitet, können die Banken diese Klausel anwenden.“

Deshalb müsste für eine Übernahmeofferte neben einer Bankgarantie für den Aktienerwerb auch eine Refinanzierung der gekündigten Kreditverträge sichergestellt sein. Mildner spekuliert, dass MFE dafür keine Banken gefunden hat. „Womöglich wollen sie nun den Weg durch die Hintertür nehmen.“

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