Erotikspielzeug

ProSiebenSat.1 verkauft Erotikshop Amorelie

Die Beteiligungstochter von ProSiebenSat.1 trennt sich von dem Berliner Online-Erotikshop Amorelie. Käufer ist die niederländische EQOM. Auch sonst geht es auf dem Markt für Erotikspielzeug derzeit heiß her.

ProSiebenSat.1 verkauft Erotikshop Amorelie

sp Berlin

Die Beteiligungstochter des Münchner Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1, Nucom Group, trennt sich von ihrer Mehrheitsbeteiligung an Amorelie, einem Online-Shop für Erotikprodukte. Käufer ist die niederländische EQOM Gruppe, die 2019 auch schon den Erotikhändler Beate Uhse übernommen hatte und heute zu den größten Akteuren auf dem „Sexual-Wellness-Markt“ in Europa gehört. Neben den 98% an Amorelie, die bisher bei Nucom liegen, übernimmt EQOM auch die restlichen 2%, die bislang noch von Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer gehalten werden. Finanzielle Details wurden nicht genannt. Die Nachrichtenagentur Reuters veranschlagt den Kaufpreis unter Berufung auf Branchenkreise auf einen zweistelligen Millionenbetrag. ProSieben hatte Amorelie mit 92 Mill. Euro bewertet, als der Medienkonzern 2018 die 2015 erworbene Mehrheitsbeteiligung an dem Berliner Unternehmen auf 98% aufstockte und 21 Mill. Euro für knapp 23% auf den Tisch legte. Der Einsteig von ProSieben war 2014 im Rahmen einer Media-for-Equity-Beteiligung erfolgt.

Im Geschäft mit Erotikspielzeug geht es derzeit heiß her. Erst am Donnerstag berichtete Bloomberg, dass der schwedische Erotikspielzeug-Designer Lelo einen Börsengang in London anstrebt. Demnach peilt das Unternehmen aus Stockholm, das bei Branchenkennern auch als das „Apple der Erotikspielzeuge“ gilt, bei einem IPO in der ersten Jahreshälfte 2022 eine Bewertung von bis zu 1 Mrd. Pfund an. 

Im August hatte sich der Berliner Erotikspielzeuganbieter Wow Tech Group mit dem britischen Wettbewerber Lovehoney auf einen 1 Mrd. Euro schweren Zusammenschluss geeinigt. Zur Lovehoney Group ge­hört auch die Schweizer Amorana, die die Briten bereits im Herbst 2020 übernommen hatten.

Der eifrigste Konsolidierer auf dem europäischen Erotikspielzeugmarkt ist EQOM (E-Commerce, Quality, Open Mindedness, Multinational), ein 2020 von zwei niederländischen Anbietern von Erotik-Produkten – EDC Retail und Eropartner Distribution – geschmiedetes Konsortium. EDC Retail hatte bereits im Sommer 2019 den deutschen Erotikhändler Beate Uhse übernommen und zählt mit ihrem Online-Shop EasyToys.nl sowie anderen Online-Plattformen schon länger zu den größten  Online-Anbieter von Erotikartikeln in Europa.

Anfang September meldete das Konsortium die Übernahme von Kondomeriet, dem größten Anbieter von Erotikspielzeug in Norwegen, und von Christine le Duc, die als älteste Firma der Branche in den Niederlanden gilt. Mit diesen Zukäufen peilt EQOM in diesem Jahr einen Umsatz von 160 Mill. Euro nach 100 Mill. Euro im vergangenen Jahr an. Bis 2025 will Eric Idma, CEO und Chairman von EDC Retail, zum globalen Spieler auf dem Markt für Erotikspielzeug aufsteigen und 500 Mill. Euro Umsatz erzielen.

Amorelie wurde 2013 von Lea-Sophie Cramer und Sebastian Pollok gegründet, die unter dem Dach von Starstrike Ventures als Angel Investoren auch in andere Start-ups investiert haben. Das Unternehmen ist neben Deutschland auch in Österreich, der Schweiz, Frankreich und Belgien vertreten. Amorelie-Chefin Claire Midwood erklärte am Freitag, dass sich das Unternehmen unter dem Dach von EQOM verstärkt auf neue Märkte in Europa konzentrieren wolle und sie sich auf künftige Wachstumschancen freue.

„Wir setzen nun unser aktives Portfolio-Management fort, zu dem Zukäufe ebenso wie Verkäufe zählen – insbesondere, wenn der Beitrag von ProSiebenSat.1 zum nächsten Entwicklungsschritt begrenzt ist“, erklärte Nucom-Chef Friedrich Thoma zu dem Verkauf von Amorelie.

Parship plant Börsen-Date

ProSiebenSat.1 nimmt seit einiger Zeit das Portfolio unter die Lupe. Im Mai hatten die Münchner den Verkauf der Kosmetik-Tochter Flaconi Insidern zufolge auf Eis gelegt. Am Freitag erklärte der Konzern, man fokussiere sich auf Beteiligungen, die durch Synergien mit dem Entertainment-Geschäft weiterentwickelt werden könnten und so den Wert der gesamten Gruppe erhöhen. Dazu gehört auch die Dating-Sparte Parship Meet Group, die im nächsten Jahr an die Börse gebracht werden soll, wobei ProSiebenSat.1 die Mehrheit behalten will. Der Konzern hat die Vorbereitungen für den Gang auf das Parkett bereits angeschoben.