Qiagen gerät in Turbulenzen

Teurer Entwicklungsstopp für Sequenzierautomaten - Stellenabbau - Umsatzziel in China verfehlt

Qiagen gerät in Turbulenzen

ak Düsseldorf – Qiagen hat mit einem ganzen Paket an Neuigkeiten für einen Paukenschlag gesorgt. Der Konzern startet eine Restrukturierung und dürfte in diesem Jahr unterm Strich in die roten Zahlen rutschen. Der Vorstand beziffert den Aufwand vor Steuern auf 260 bis 265 Mill. Dollar, der größtenteils im gerade abgeschlossenen dritten Quartal verbucht wird.Der Diagnostikkonzern gibt die Weiterentwicklung eines seiner Prestigeprodukte, den Sequenzierautomaten Gene Reader, auf. Qiagen hatte das Gerät für die Next Generation Sequencing-Technik, das die gleichzeitige Analyse vieler Gene auf einmal ermöglicht, vor vier Jahren auf den Markt gebracht. Wie viele Automaten bis heute verkauft wurden, verrät das Unternehmen nicht. Der Gene Reader kann aber offenbar mit dem Produkt des Konkurrenten Illumina, das nach Schätzungen eines Qiagen-Sprechers auf etwa 80 % Marktanteil kommt, nicht mithalten. Mit Illumina hat Qiagen jetzt eine auf 15 Jahre angelegte Partnerschaft vereinbart. Das deutsch-niederländische Unternehmen liefert künftig Test-Kits für die Illumina-Automaten. Da der US-Partner bislang vor allem bei Forschungskunden stark vertreten sei, aber wenig Zugang zu Pharmafirmen und klinischen Laboren habe, erhofft sich Qiagen nach Angaben des Sprechers hier wachsendes Geschäft. Qiagen leistet ein Upfront Payment an Illumina in ungenannter Höhe. Es handele sich um einen niedrigen Betrag für den Technologiezugang, versicherte der Sprecher. Vor einiger Zeit noch hatten sich Qiagen und Illumina noch vor Gericht getroffen und sich wegen angeblicher Patentverletzungen beim Gene Reader gestritten. Hohe WertberichtigungenDie Wertberichtigungen im Zusammenhang mit dem Entwicklungsstopp beim Gene Reader belaufen sich laut Qiagen auf 195 bis 200 Mill. Dollar, die in dem Restrukturierungspaket enthalten sind und nicht zahlungswirksame Aufwendungen sind. Die Aufgabe des Gene Readers, dessen bestehende Kunden aber noch weiter bedient werden sollen und dessen existierende Version weiter vertrieben wird, wird auch Stellen kosten. Der Sprecher geht netto von einem Arbeitsplatzabbau im niedrigen einstelligen Prozentbereich aus, da anderen Stellen auch Personal aufgebaut bzw. Jobs verlagert werden. Qiagen hat weltweit rund 5200 Beschäftigte. Die Business Service Center im polnischen Breslau und in Manila will Qiagen ausbauen, wie das Unternehmen ankündigte.Und noch eine weitere schlechte Nachricht hatte Qiagen im Gepäck: Der Umsatz im dritten Quartal sei unter den Erwartungen geblieben, teilte der Vorstand mit. Das Wachstum werde zu konstanten Wechselkursen etwa 3 % betragen und nicht 4 bis 5 %, wie bislang erwartet. Ursache sei die Entwicklung der Geschäfte in China.Dort hat Qiagen in diesem Jahr nicht zum ersten Mal Probleme: Bereits Ende Juli hatte der Vorstand die Umsatz- und Ergebnisziele für das laufende Jahr gekürzt – Grund war die Beendigung einer Partnerschaft in China.Die vollständigen Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht Qiagen am 30. Oktober. Die Prognose eines um Restrukturierungsaufwendungen bereinigten Ergebnisses je Aktie von 0,35 bis 0,36 Dollar hält das Unternehmen aufrecht.