Medienbranche

RTL verkauft Sendergeschäft in Belgien für 250 Mill. Euro

RTL zieht sich aus dem Fernseh- und Radiogeschehen in Belgien zurück und verkauft die französischsprachige Sendergruppe RTL Belgium für 250 Mill. Euro an die Rossel-Gruppe und DPG Media.

RTL verkauft Sendergeschäft in Belgien für 250 Mill. Euro

dwo Düsseldorf

RTL führt die Neuordnung ihrer europäischen Sendergeschäfte fort und zieht sich aus dem Fernseh- und Radiogeschehen in Belgien zurück. Wie die Luxemburger RTL Group mitteilte, verkauft sie ihre französischsprachige Sendergruppe RTL Belgium für 250 Mill. Euro an die Rossel-Gruppe und DPG Media, zwei belgische Medienunternehmen. Der Kaufvertrag steht demnach und die Transaktion soll im vierten Quartal abgeschlossen sein, sofern die Regulierungsbehörden zustimmen.

Mit dem Deal geht die Bertelsmann-Sendertochter RTL den nächsten Schritt auf ihrem Konsolidierungskurs. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe, der auch CEO der RTL Group ist, will die Beteiligungen auf Europas Fernsehmärkten neu ordnen, um Streamingdiensten wie Netflix und Disney+ sowie Tech-Plattformen die Stirn zu bieten. In den Niederlanden und Frankreich wurden in diesem Zuge schon die Weichen für neue TV-Schwergewichte gestellt. Erst in der vergangenen Woche hatte RTL verkündet, RTL Nederland mit dem Medienunternehmen Talpa Network des Fernsehproduzenten John de Mol fusionieren zu wollen. Mitte Mai war außerdem der geplante Zusammenschluss der französischen RTL-Tochter M6 und der Sendergruppe TF1 mit Hauptaktionär Bouygues bis 2022 bekannt gegeben worden. Für das belgische Geschäft – die kleinste Einheit der europäischen TV-Sparten mit 159 Mill. Euro Umsatz 2020 – setzen die Gütersloher und ihre RTL Group nun hingegen wie bereits spekuliert lieber auf einen Verkauf als auf eine weitere Fusion.

RTL hatte die Fernseh- und Radioaktivitäten im französischsprachigen Teil Belgiens nach 33 Jahren als Mehrheitsaktionärin erst im Dezember vollständig übernommen. „Wir werden weiter in RTL Belgium investieren und die Transformation des Geschäfts vorantreiben“, wurde der stellvertretende RTL-Chef und COO Elmar Heggen damals zitiert.

Nun bezeichnete er den Verkauf als „die beste strategische Option“. Die Käufer seien als medienübergreifende Unternehmen gut gerüstet, um die digitale Transformation der belgischen RTL-Sender zu beschleunigen. Zu diesen zählen die Free-TV-Sender RTL-Tvi, Club RTL und Plug RTL, die Radiowellen Bel RTL und Radio Contact und der digitale Sender Mint. Auch der Streamingdienst RTL Play und die Website RTLInfo.be zählen zur Geschäftseinheit

Für die Transaktion hatten die Luxemburger J.P. Morgan, KPMG und Linklaters als Berater. Über ihren technischen Dienstleister BCE sowie das Streaming-Technologie-Unternehmen Bedrock wollen sie mit RTL Belgium zusammenarbeiten.