Grünes Wachstum

RWE elektrisiert mit Investitionsplan

Mit einem bis 2030 reichenden Investitionsplan hat RWE die Investoren elektrisiert. Bis dahin will der Essener Energiekonzern netto 55 Mrd. Euro in grünes Wachstum stecken. Die Finanzierung steht.

RWE elektrisiert mit Investitionsplan

RWE elektrisiert mit Investitionsplan

55 Mrd. Euro für grünes Wachstum bis 2030 – Projektpipeline lässt Raum für gezielte Auswahl – Dividenden wachsen künftig mit

ab Düsseldorf

RWE dreht den Investitionshahn auf und will bis 2030 netto 55 Mrd. Euro in den Ausbau des Erzeugungsportfolios stecken. Mit dem beschleunigten Zubau soll die Erzeugungskapazität bis zum Ende der Dekade auf 65 Gigawatt (GW) ausgebaut werden. Damit Hand in Hand gehen hohe Erwartungen an künftiges Ergebniswachstum.

RWE gibt beim Ausbau des grünen Erzeugungsportfolios kräftig Gas. Zwischen 2024 und 2030 wollen die Essener 55 Mrd. Euro in grüne Technologien stecken, wie der Vorstand auf dem Kapitalmarkttag in London erläuterte. Damit soll das Portfolio bis zum Ende der Dekade auf eine Kapazität von mehr als 65 Gigawatt ausgebaut werden. Derzeit sind es 35 GW, wobei 9 GW seit 2021 zugebaut wurden.

Wie Vorstandschef Markus Krebber ausführte, hat sich RWE in eine komfortable Ausgangslage gebracht. Die Projektpipeline umfasst eine Gesamtkapazität von mehr als 100 GW, so dass sich RWE die Projekte mit dem besten Rendite-Risiko-Profil herauspicken kann. "Dank unserer finanziellen Stärke, unserer Projektpipeline sowie unserer umfassenden Expertise sind wir hervorragend aufgestellt, um das Tempo der Transformation auch im aktuell herausfordernden Umfeld weiter anzuziehen", sagte Krebber.

Zweistelliges Ergebniswachstum

Mit dem beschleunigten Ausbau des Portfolios an erneuerbaren Energien sollen kräftig wachsende Ergebnisse einhergehen. Bis 2030 strebt RWE ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) von mehr als 9 Mrd. Euro und ein bereinigtes Nettoergebnis von 3 Mrd. Euro an – entsprechend einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 14% respektive 12%. Den für 2024 erwarteten Ergebnisrückgang erklärte Finanzchef Michael Müller mit rückläufigen Margen und der erwarteten Normalisierung des Handelsgeschäfts. Zudem kämen weitere Offshore-Kapazitäten erst 2026 an den Markt.

Tagesgewinner im Dax

An dem profitablen Wachstum sollen künftig auch die Aktionäre partizipieren. Müller stellte ein jährliches Dividendenplus von 5 bis 10% in Aussicht. Schon für 2024 sind 1,10 Euro je Aktie vorgesehen. Für den noch laufenden Turnus hatte sich der Stromerzeuger schon im März auf die Erhöhung der Dividende auf 1 Euro festgelegt.

Das kam an der Börse gut an. Mit einem Kurssprung um 3% setzte sich der Dax-Wert an die Spitze des Blue-Chip-Index und bringt mittlerweile fast 30 Mrd. Euro auf die Waage. Die ambitionierten Wachstumsziele übertrafen die Analystenerwartungen und führten reihenweise zu positiven Einschätzungen für die Aktie.

Zur Finanzierung der geplanten Investitionen will RWE vornehmlich auf die eigene Finanzierungskraft zurückgreifen. Etwa 80% des Finanzmittelbedarfs sollen aus dem operativen Cashflow gedeckt werden. Für den Rest soll unter Beibehaltung des Ratings guter Bonität (Investment Grade) auf den Fremdkapitalmarkt zurückgegriffen werden. "Unser Investitions- und Wachstumsprogramm ist bis 2030 vollständig finanziert", sagte Müller.

Die Investitionen sollen auf bisherige Kernmärkte verteilt werden, allen voran Deutschland, Großbritannien und die USA. Für den Heimatmarkt sind 11 Mrd. Euro reserviert. Neben Investitionen in Erneuerbare geht es hier vornehmlich um den Bau von Back-up-Kapazitäten in Form von wasserstofffähigen Gaskraftwerken. Jedoch braucht es dafür Sicherheit über den Regulierungsrahmen. "Darauf warten wir händeringend", so Krebber.

Regulierungsrahmen überfällig

Ob sich Deutschland auf Kapazitätsmärkte festlege oder den Bau von flexiblen Kraftwerkskapazitäten mit Investitionszuschüssen unterstütze sei letztlich egal. Entscheidend sei, dass es eine Vergütung für die Kapazitätsbereitstellung gebe. An flexiblen Kapazitäten will RWE mindestens 3 GW zubauen. Je nach Ausgestaltung des Regulierungsrahmens sei auch mehr denkbar, sagte der RWE-Chef.

Die Zeit drängt, vergehen zwischen der Entscheidung zum Bau und der Inbetriebnahme eines Kraftwerks in der Regel doch sechs Jahre. Den Kraftwerksplan samt Regulierungsrahmen hatte die Regierung für dieses Jahr angekündigt. Das Gros der Investitionssumme hat RWE mit 20 Mrd. Euro für die USA reserviert, in Großbritannien sollen zwischen 2024 und 2030 weiter 8 Mrd. Euro in die Hand genommen werden. Die restliche Investitionssumme entfällt auf die übrigen europäischen Kernmärkte sowie auf Australien, Japan und Korea.

Organisches Wachstum

Auch technologieseitig bleibt RWE bei der breiten Aufstellung. 40% der Investitionen sind für Solar- und Onshore-Projekte vorgesehen, 35% für den Bau von Windkraftanlagen auf See. Die restlichen 25% der Nettoinvestitionen gehen in Batterieprojekte, flexible Erzeugung und Wasserstoffprojekte. Größere Akquisitionen hält Krebber nicht für nötig. Es gebe ja fast schon zu viele Optionen für organisches Wachstum.

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