Private Equity

Software One kassiert vor Übernahme die Umsatzprognose

Bain Capital bietet mehr als 3 Mrd. sfr für Software One. Der Schweizer Informatikdienstleister ziert sich bisher, weil das Angebot zu niedrig sei. Doch jetzt muss er die Umsatzprognose nach unten korrigieren.

Software One kassiert vor Übernahme die Umsatzprognose

Software One kassiert Umsatzprognose

Wachstum nur im einstelligen Prozentbereich – Milliardenofferte von Bain Capital steht aus

cru Frankfurt

Der Schweizer Informatikdienstleister Software One, für den der Finanzinvestor Bain Capital rund 3 Mrd. sfr bietet, kassiert seine Umsatzprognose. Nun peilt das Unternehmen aus Stans für 2023 nur noch ein Wachstum bei konstanten Wechselkursen im hohen einstelligen Prozentbereich an – statt wie bisher im zweistelligen Bereich, wie Software One am Mittwoch mitteilte. Der Konzernumsatz stieg im dritten Quartal 2023 gegenüber dem Vorjahr währungsbereinigt nur um 8,4% auf 233 Mill. sfr.

Das Unternehmen macht dafür die konjunkturelle Abkühlung vor allem in den USA verantwortlich. Die Prognose einer bereinigten operativen Marge von 24 bis 25% gelte weiterhin. "Wir sind noch zuversichtlicher und fest entschlossen, unser Ziel von jährlichen Kosteneinsparungen in Höhe von 50 Mill. sfr bis zum nächsten Jahr zu erreichen“, versichert Finanzvorstand Rodolfo Savitzky. Mit 9.000 Beschäftigten hilft Software One den eigenen Firmenkunden, die Software von anderen Anbietern wie Microsoft, SAP oder Adobe zu verwalten.

Der Kurs der Software-One-Aktie verharrte am Mittwoch nahezu unverändert bei 17,93 sfr. Im Juni hatte Bain Capital zunächst 18,50 sfr geboten. Die Offerte des Finanzinvestors entsprach damit 2,9 Mrd. sfr (3,2 Mrd. Dollar), und die Amerikaner hatten dabei sogar die Gründer und Großaktionäre Daniel von Stockar sowie B. Curti Holding AG und René Gilli mit 29% der Aktien auf ihrer Seite.

Zwei Angebote abgelehnt

Das Angebot vom Juni wurde genauso wie die später im Juli auf 19,50 bis 20,50 sfr je Aktie nachgebesserte und im Oktober wiederholte Offerte vom Unternehmen als ungenügend eingestuft und abgelehnt. Der Aufsichtsrat, mit Ausnahme des Gründers Daniel von Stockar, der sich selbst zurückzog, stimmte einstimmig dafür, dass das Angebot, das 3,2 Mrd. sfr entspricht, nicht ausreichend sei. Stattdessen leitete Software One am 24. Juli – also vor vier Monaten – eine Überprüfung der strategischen Optionen ein, die neben einer Fortführung als unabhängige Firma auch eine Fusion und einen Verkauf umfassen. Die Prüfung der strategischen Optionen verlaufe "planmäßig".

Laut Finanzkreisen hat das Unternehmen neben dem Bain-Angebot auch unverbindliche Kaufofferten vom Finanzinvestor Apax Partners sowie zwei weiteren Bietern erhalten. Software One hat J.P. Morgan engagiert. Ende Oktober sollten die Bücher für Bieter geöffnet werden.

Auch in Deutschland war Bain zuvor abgeblitzt – bei der Software AG in Darmstadt. Als sich dort abzeichnete, dass sich die Private-Equity-Firma Silver Lake im Bieterkampf durchsetzen würde, verkaufte Bain seine 10% der Software-AG-Aktien an Silver Lake. Bain wollte die Software AG mit der US-Firma Rocket Software zusammenlegen.

Take Privates von Firmen wie Software One oder Software AG durch Finanzinvestoren wie Apax, Bain oder Silver Lake sind keine Einzelfälle. Der Finanzinvestor Cinven will gerade Europas größte medizinische Laborkette Synlab mit einem Wert von 2,2 Mrd. Euro von der Börse zurückkaufen – nur zwei Jahre nach dem IPO des Münchener Unternehmens. Darüber hinaus hat EQT gerade die Softwarefirma Suse von der Börse zurückgekauft. Und KKR beteiligte sich neben der Familie Fuchs mit 30% am Going Private der Bremer Raumfahrtfirma OHB sowie neben GIP an der der Vodafone-Funkturmtochter Vantage Towers.