Staatseinstieg bei Hensoldt geplant
cru Frankfurt – Der geplante Einstieg des Bundes bei Hensoldt hat den Aktienkurs des Rüstungselektronikherstellers am Montag auf ein Rekordhoch getrieben. Der Kurs sprang zeitweise um fast 10 % auf 14,30 Euro und damit auf den höchsten Stand seit dem Börsengang Ende September. Am Freitag war aus dem Verteidigungsministerium bekannt geworden, dass wegen “sicherheitspolitischer Aspekte” eine Option zum Kauf von 25,1% des Unternehmens gezogen werden soll.Der Bund stellt Parlamentskreisen zufolge, auf die sich die Nachrichtenagentur Reuters beruft, für die Sperrminorität bei Hensoldt brutto 464 Mill. Euro bereit. Bereits am vergangenen Freitag hatten die Hensoldt-Papiere daraufhin um mehr als 4 % zugelegt. Aus dem Betrag, den der Bund bereitstellt, errechnet sich nun ein Kaufpreis von 17 Euro je Aktie.Zuletzt notierten die Papiere noch knapp 8,3 % im Plus bei 14,14 Euro. Der Bund übernimmt das Paket vom US-Finanzinvestor KKR und zieht damit eine bis zum Jahresende befristete Option. Die Analysten der Commerzbank hoben nun ihr Kursziel auf 16 Euro an und votieren weiterhin für den Kauf der Aktien der ehemaligen Airbus-Radarsparte, die 2016 abgespalten worden war. KKR und Hensoldt haben sich zu dem Staatseinstieg bisher nicht geäußert.Mit Deutschland als bedeutendem Anteilseigner sei Hensoldt in einer guten Position für anstehende nationale und möglicherweise auch europäische Rüstungsprojekte, kommentieren die Analysten von Warburg Research.Hensoldt war im Jahr 2017 von KKR übernommen worden und im September 2020 an die Börse gegangen. Beim IPO waren die Aktien zu 12 Euro ausgegeben worden. Das Unternehmen liefert auch für die Bundeswehr wichtige Schlüsseltechnologien aus den Bereichen Kryptotechnik und Sensorik, bei denen die Bundesregierung einen ausländischen Zugriff verhindern will. Das Unternehmen aus Taufkirchen bei München steht vor dem Einzug in den Kleinwerteindex SDax. Mit dem Verkauf an den Bund würde KKR ihre Beteiligung von 63 % auf rund 38 % verringern. Bis sich die Amerikaner bei Hensoldt ganz verabschieden, vergehen mindestens noch drei Monate, da sich Hensoldt und KKR auf eine Haltefrist von sechs Monaten geeinigt haben, die mit dem ersten Handelstag begann. Tarnkappen-EnttarnerDie Tarnkappen-Enttarnung von Hensoldt ist beim Militär sehr gefragt. Eine Großbestellung über 1,4 Mrd. Euro für ein Radarsystem in deutschen und spanischen Eurofighter-Kampfjets hat dem Rüstungselektronikhersteller mit 5 500 Beschäftigten einen Auftragsbestand beschert, der binnen Jahresfrist um die Hälfte auf den Rekordwert von 3,4 Mrd. Euro gestiegen ist. Der Umsatz ist in den ersten neun Monaten des Jahres um 6 % auf 710 Mill. Euro gewachsen und das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) um 3 % auf 100 Mill. Euro geklettert.