Thyssen lockt Finanzinvestor an
Der angeschlagene Ruhrkonzern ThyssenKrupp wird zum Ziel für Finanzinvestoren. Die als sehr aktiv bekannte Cevian Capital hat ein Paket von 5,2% erworben. Die Konzernspitze um Vorstandschef Heinrich Hiesinger begrüßt das Engagement.ak Düsseldorf – Der schwedische Finanzinvestor Cevian Capital hat sich mit 5,2 % bei ThyssenKrupp engagiert. Die Nachricht sorgte am Mittwoch für einen Kursschub. Die Aktien des Stahl- und Industriekonzerns avancierten mit einem Plus von 3,7 % zum Tagesgewinner im Dax und kletterten erstmals seit März wieder über 18 Euro.Cevian-Deutschland-Chef Jens Tischendorf bezeichnete im Gespräch der Börsen-Zeitung eine weitere Aufstockung als möglich: “Wir können uns vorstellen, den Anteil zu erhöhen.” Er lobte explizit den eingeschlagenen Kurs der Führung. “Die Maßnahmen, die der Vorstand von ThyssenKrupp im Rahmen seines Programms zur strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens eingeleitet hat, beginnen Wirkung zu zeigen. Wir unterstützen die Strategie des Managements.” Tischendorf hebt die neue Unternehmenskultur, die Konzernchef Heinrich Hiesinger in den vergangenen beiden Jahren eingeführt hat, ebenso hervor wie die Berufung neuer Führungskräfte und die vollzogene Trennung vom Edelstahlgeschäft.Cevian hält die Aktie für erheblich unterbewertet – trotz der anhaltenden Hängepartie um die zum Verkauf stehenden Stahlwerke in Übersee und damit verbundener potenzieller weiterer Belastungen. Zum Anlagehorizont gibt Tischendorf eine eher langfristige Einschätzung: “Für uns ist entscheidend, ob ThyssenKrupp in fünf bis sieben Jahren mehr wert ist als heute.” Cevian dürfte rechnerisch etwa 450 Mill. Euro in die Hand genommen haben, um das ThyssenKrupp-Paket zu erwerben. Allerdings verlautete aus dem Konzernumfeld, der Finanzinvestor sei schon zuvor investiert gewesen – unterhalb der Schwelle von 3 %, aber auch darüber mit nicht meldepflichtigen Derivaten.In einem Statement empfängt Vorstandschef Hiesinger den neuen Großaktionär mit warmen Worten: “Mit Cevian Capital als neuem Investor gewinnen wir einen renommierten, europäischen Großaktionär, der auch in Deutschland über umfangreiche industrielle Erfahrung verfügt. Wir freuen uns, dass Cevian auf den vom Vorstand eingeschlagenen Weg vertraut und damit die strategische Weiterentwicklung des Konzerns unterstützt.” Im Bilfinger-Aufsichtsrat aktivBei der Frage, wie aktiv sich Cevian bei dem angeschlagenen Ruhrkonzern engagieren will, hält sich Tischendorf bedeckt. In Bezug auf ein mögliches Aufsichtsratsmandat sagte er, dass dies zurzeit kein Thema wäre. Bei Bilfinger, an dem Cevian mit 18,9 % beteiligt ist, sitzt Tischendorf im Kontrollgremium, gehört aber keinem der Ausschüsse an.Zu einer möglichen Kapitalerhöhung von ThyssenKrupp sagte Tischendorf: “Es ist denkbar, sich daran zu beteiligen.” Über die Zufuhr frischer Mittel wird schon seit Monaten spekuliert. Hiesinger hält sich die Option schon länger offen. Die bilanzielle Situation hat sich zuletzt weiter zugespitzt. Die Eigenkapitalquote war Ende Juni auf nur noch 8 % gesunken. Der Konzern hatte nach neun Monaten (Geschäftsjahr endet am 30.9.) einen Verlust von 1,2 Mrd. Euro gemeldet. Immerhin haben die Banken dem Vernehmen nach darauf verzichtet, eine Kreditlinie über 2,5 Mrd. Euro zum 30. September zu kündigen, weil Covenants gebrochen wurden (vgl. BZ vom 24.9.).Analysten äußerten sich positiv zum Auftritt von Cevian. Ein Investment der Schweden sei “bei anderen Unternehmen in der Vergangenheit nicht zum Nachteil der Aktionäre gewesen”, sagte Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel zu Reuters. Der Einstieg könne jedoch auch Spekulationen über eine Zerteilung des Konzerns befeuern, äußerten die Analysten der DZ Bank.