Im GesprächInka Koljonen

MAN ist hungrig nach mehr Profitabilität

Nach Volvo und Daimler Truck präsentiert Traton eine starke Jahresbilanz. MAN gelingt der größte Margensprung der vier Traton-Marken. Finanzchefin Inka Koljonen nennt die Gründe für den kräftigen Anstieg.

MAN ist hungrig nach mehr Profitabilität

Im Gespräch: Inka Koljonen

MAN ist hungrig nach mehr Profitabilität

Die Finanzchefin des Lkw- und Busherstellers will nach dem Renditesprung nicht lockerlassen – Allerdings schwächt sich der Markt ab

Von xxxxxxx

Nach Volvo und Daimler Truck präsentiert Traton eine starke Jahresbilanz und steigert ebenfalls die Profitabilität. MAN gelingt der größte Sprung der vier Traton-Marken. MAN-Finanzchefin Inka Koljonen nennt die Gründe für den kräftigen Anstieg und blickt auf das Jahr 2024 mit schwierigeren Marktbedingungen.

Der Nutzfahrzeugkonzern Traton hat im vergangenen Jahr dank einer starken Nachfrage nach Lkw, erhöhten Verkaufspreisen und einem gewachsenen Service-Geschäft die Profitabilität kräftig erhöht. Die um Sondereffekte bereinigte operative Marge stieg um 3,5 Prozentpunkte auf 8,6%. Damit übertraf die Holding, die zum Volkswagen-Konzern gehört, auch die zuletzt auf 7,5 bis 8,5% angehobene Zielspanne. Für dieses Jahr peilt der Vorstand einen Wert zwischen 8,0 und 9,0% an.

Den größten Sprung der vier Marken machte im vergangenen Jahr MAN Truck & Bus mit einem steilen Anstieg von 1,3 auf 7,3%. „Im vergangenen haben wir unser mehrjähriges Transformationsprogramm ‚Future Lion‘ erfolgreich abgeschlossen“, sagt Inka Koljonen, die im Vorstand des Münchner Unternehmens für Finanzen zuständig ist, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung und begründet in erster Linie damit die stark gestiegene Profitabilität. MAN hat die Produktionsstandorte neu geordnet, was mit einem Abbau von Arbeitsplätzen verbunden war. Teile von Produktion und Entwicklung wurden in Länder mit niedrigeren Arbeitskosten wie Polen und die Türkei verlagert.

„Erfolg macht Spaß“

„Hinzu kam, dass wir aufgrund der wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in der Ukraine nochmals sehr stark an unseren Fixkosten gearbeitet haben“, fügt Koljonen hinzu. „Es sind nachhaltige Verbesserungen, aber das heißt nicht, dass wir schon da sind, wo wir hinwollen.“ Die Finanzchefin ist ambitioniert: „Wir müssen weitermachen.“

Strategisches Ziel von MAN ist eine bereinigte operative Marge von 8,0%. Einen Ausblick für die einzelnen Marken gibt Traton nicht. Im Juni des vergangenen Jahres hatte Koljonen im CFO-Interview der Börsen-Zeitung allerdings gesagt, MAN müsse sich noch deutlich steigern, um von 2024 an auf die 8% zu kommen. Inzwischen ist das Unternehmen auf 0,7 Punkte herangerückt, im vierten Quartal 2023 lag die Marge sogar bei 7,6%. „Nachdem wir 2023 den großen Sprung geschafft haben, sind wir natürlich weiter hungrig“, bekräftigt die Finanzchefin. „Erfolg macht Spaß.“

Das neu aufgestellte Produktionsnetzwerk gibt Rückenwind: „Ab diesem Jahr profitieren wir voll von der Restrukturierung.“ Allerdings hat sich das Marktumfeld eingetrübt. „Schon seit einigen Monaten schwächt sich die Nachfrage ab“, berichtet Koljonen. „Wir rechnen für dieses Jahr mit einem deutlich rückläufigen Lkw-Markt in Europa.“ MAN und Traton schließen sich in dieser Einschätzung Volvo und Daimler Truck an, die zudem auch in Nordamerika eine sinkende Nachfrage erwarten.

„Druck auf der Preisseite“

Das Niveau ist noch recht hoch. „Für 2024 sind unsere Auftragsbücher noch gut gefüllt, für das erste Halbjahr sogar sehr gut“, sagt Koljonen. Der wegen Lieferengpässen in den vergangenen zwei Jahren in der gesamten Branche aufgetürmte Auftragsberg hat sich jedoch stark abgeflacht. „Mit der besseren Verfügbarkeit unserer Produkte steigt der Druck auf der Preisseite etwas“, gesteht die Finanzchefin von MAN. Und auch von den Zulieferern gebe es Druck. „Die Verhandlungen mit ihnen sind oft auch hart.“ Ihre Profitabilität sei in den vergangenen Jahren im Durchschnitt gesunken, nun wollten manche mit Programmen ihre Rendite steigern. Koljonen will aber zumindest erreichen, dass die niedrigeren Spotpreise für Rohmaterialien auch bei MAN ankommen.

Generell betont sie, wie wichtig ein gutes Verhältnis zu den Lieferanten sei. „Es ist immer ein Geben und Nehmen“, sagt sie. „Die Lieferanten sind uns entgegengekommen und haben alles möglich gemacht, als wir den starken Anstieg der Nachfrage hatten.“

„Gesundes Pricing“

Die gestiegenen Preise für Lkw gaben im vergangenen Jahr Umsatz und Ergebnis einen Schub. Koljonen formuliert es so: „2023 haben wir ein gesundes Pricing gemacht.“ Das habe aber auch einen Nachholeffekt enthalten: „2022 war die Preis-Kosten-Schere weit auseinander, weil unser Orderbuch schon gut gefüllt war, als Russland den Krieg gegen die Ukraine begann und die Preise für Energie, Rohstoffe und Material explodierten.“

Koljonen macht deutlich, dass das Margenziel auch unter erschwerten Rahmenbedingungen gilt. Sie spricht von netto 8%: „Das heißt, wir berücksichtigen Gegeneffekte wie einen extremen Anstieg der Preise für Rohmaterial oder ein gegenüber der Planung geringeres Absatzvolumen. Darauf würden wir sofort mit Maßnahmen reagieren, um die Kosten zu senken.“ Abgesehen davon versteht sie es als Daueraufgabe, die Fixkosten zu senken: „Das ist mein ureigenster Job als CFO.“

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