Trump bindet Intel an verlustreiches Geschäft
Trump bindet Intel an Verlustgeschäft
Staatsbeteiligung erschwert Konzern Verkauf von Auftragsfertigung – Interventionismus ruft bei Republikanern Kritik hervor
Die Wall Street pocht seit geraumer Zeit auf eine Veräußerung der Auftragsfertigung von Intel, Interessenten für das verlustreiche Geschäft gäbe es wohl. Doch die US-Regierungsbeteiligung an dem Chipkonzern droht solche Deals nun im Keim zu ersticken. Dies lässt wirtschaftsliberale Republikaner ratlos zurück.
xaw New York
Der neue Staatskapitalismus von US-Präsident Donald Trump gefährdet die strategische Wende bei Intel. Denn die Regierungsbeteiligung an dem Chipkonzern ist so strukturiert, dass sie diesen von einer Veräußerung seiner Auftragsfertigung abhält – das ließ Finanzvorstand David Zinsner im Rahmen einer Technologie-Konferenz der Deutschen Bank im kalifornischen Dana Point durchblicken. Damit bindet Trump den einstigen Dominator des Halbleitersektors an ein verlustreiches Geschäft, auf dessen Veräußerung Investoren drängten.
Cash für Anteile fließt
In der vergangenen Woche schlossen Washington und Intel einen Deal, durch den der Staat 10% an dem strauchelnden Konzern übernimmt. Dafür wandelt er 8,9 Mrd. Dollar an Zuschüssen aus dem Chips Act, den Trumps Amtsvorgänger Joe Biden 2022 unterzeichnete, in eine Eigenkapitalbeteiligung um. Laut Zinsner erhielt Intel Mittwoch eine vereinbarte Summe von 5,7 Mrd. Dollar in Cash, obwohl das Handelsministerium das Abkommen laut Karoline Leavitt, Sprecherin des Weißen Hauses, gerade erst in Stein meißelt.
Die Vereinbarung schließt jedenfalls ein fünfjähriges Recht der USA auf die Übernahme weiterer 5% an Intel zu 20 Dollar pro Aktie ein, sollte der Chipkonzern die Mehrheit an seiner Auftragsfertigung abgeben. „Ich glaube nicht, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass wir unsere Beteiligung auf weniger als die Hälfte fallen lassen“, sagte Zinsner. Der Optionsschein der Regierung werde also wahrscheinlich unausgeübt verfallen.
Nicht konkurrenzfähig
Genau darauf zielt das Trump-Lager laut Analysten ab – und darin liege auch das Problem. Die für die Auftragsfertigung verantwortliche Foundry-Sparte, die Intel unter dem Ende 2024 geschassten CEO Pat Gelsinger massiv ausbaute, schrieb im zweiten Quartal 2025 einen operativen Verlust von 2,8 Mrd. Dollar und trug damit einmal mehr entscheidend zum konzernweiten Netto-Fehlbetrag von 2,9 Mrd. Dollar bei. Citigroup und andere Wall-Street-Adressen pochen auf eine Veräußerung des Geschäfts, in dem Intel bisher daran scheitert, nennenswert mit Foundry-Spezialisten wie dem taiwanesischen Marktführer TSMC zu konkurrieren und Aufträge von Designern wie Nvidia oder Qualcomm anzuziehen.
Intel hat sich unter Gelsingers Nachfolger Lip-Bu Tan eine Schlankheitskur verordnet und streicht zehntausende Stellen. Zudem war es eigentlich Teil der Pläne des neuen CEO, Geschäftszweige abzuspalten, die keinen Mehrwert mehr bieten. So begann der Konzern auch damit, das Foundry-Geschäft von der Design-Sparte zu trennen – bereits unter Gelsinger machten die Kalifornier die Auftragsfertigung zu einer Tochtergesellschaft mit eigenständigem Verwaltungsrat. Für diese tendierte Intel, die vor kurzem eine 2 Mrd. Dollar schwere Beteiligung der japanischen Holding Softbank einwarb, laut Zinsner zuletzt zur Suche nach einem strategischen statt einem reinen Finanzinvestor. Davon sei der Konzern noch „Jahre entfernt“, schob der CFO nun jedoch hinterher.
Suche nach Großkunden
Im Juli teilte Intel mit, in der Fertigung nach einem Großkunden für ihren unter dem Namen 14A laufenden Produktionsprozess der nächsten Generation zu suchen. Um die 14A-Plattform nur intern zu nutzen, ist das Investment laut Zinsner zu groß. Scheitere der Konzern daran, einen Massenabnehmer zu finden, würde dies den Return für Aktionäre erheblich belasten. Im vergangenen Monat hieß es bereits, Intel könne sich dann komplett aus dem Foundry-Geschäft zurückziehen – nach der jüngsten Regierungsbeteiligung trat Zinsner diesbezüglich nun jedoch auf die Bremse.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Qualcomm laut Insidern Interesse an der Intel-Foundry gezeigt. Laut Analysten verkompliziert der Regierungseinstieg unter den geltenden Konditionen aber nicht nur einen Verkauf der Auftragsfertigung, sondern auch die Suche nach strategischen privaten Geldgebern. Insgesamt lässt der Interventionismus Trumps die traditionell wirtschaftsliberale republikanische Basis derzeit ratlos zurück. So mischt sich der Präsident auch bei großen Transaktionen wie der Übernahme von US Steel durch Nippon Steel auf unorthodoxe Weise ein.
Bremse für M&A-Markt
Biden hatte den Deal unter Verweis auf die Bedeutung einer unabhängigen Stahlproduktion für die nationale Sicherheit blockiert. Doch Trump ordnete eine neue Prüfung an, die Übernahme ging schließlich unter Auflagen über die Bühne: So hält die US-Regierung eine goldene Aktie, die ihr ein Veto-Recht bei strategischen Entscheidungen für US Steel einräumt. Die Aussicht auf wiederholte Staatseingriffe verunsichert auch die Teilnehmer am M&A-Markt, auf dessen Erholung Investmentbanker nach den von restriktiver Geldpolitik geprägten Vorjahren gerade erst gehofft hatten. Die Zahl der globalen Merger ist laut der Beratungsgesellschaft PwC im ersten Halbjahr 2025 noch einmal um 9% gefallen.