United Internet steckt viel Geld ins Netz
United Internet steckt viel Geld ins Netz
United Internet hat in den ersten neun Monaten des Jahres dank einer gestiegenen Kundenzahl mehr umgesetzt und verdient. Belastet wurde das Ergebnis jedoch weiter von den Kosten für den Ausbau des Mobilfunknetzes bei 1&1, die für die ersten neun Monate mit 201 (167) Mill. Euro beziffert wurden. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) von 1&1 sank daher bei einem stabilen Umsatz um 11,5% auf 410 Mill. Euro.
Die börsennotierte Tochter hat ihre Investitionen auf 229 Mill. Euro von 71 Mill. Euro in der Vorjahresperiode hochgefahren, um vor allem die Zahl der Antennenstandorte für ihr 5G-Netz auszubauen. Die daraufhin steigenden Abschreibungen belasteten auch das Vorsteuerergebnis (Ebit), das um 38% auf 175 Mill. Euro absackte.
Bis die Kundenmigration auf das eigene 5G-Kernnetz abgeschlossen ist, telefoniert ein Großteil der Nutzer auf dem Vodafone-Netz. 1&1 hat hierfür ein Roaming-Abkommen geschlossen, das zuvor mit Telefónica bestand. Dem Vernehmen nach hat der spanische Mutterkonzern des Münchener Mobilfunkanbieters jedoch Interesse, wieder mit 1&1 ins Geschäft zu kommen – eventuell auch, indem man United Internet die Telekommunikationstochter abkauft. Die Gerüchte hatten die 1&1-Aktie beflügelt, die Mitte Oktober binnen weniger Tage um 10% in die Höhe geschossen war. Am Dienstag fiel das Papier leicht zurück.
United Internet federt Belastungen ab
United Internet konnte die Belastungen bei 1&1 unterdessen durch den Beitrag anderer Geschäftsfelder abfedern. Der Umsatz der Gruppe, zu der auch der börsennotierte Webhoster Ionos gehört, stieg in den ersten neun Monaten um 1,4 % auf rund 4,5 Mrd. Euro. Darin enthalten ist nicht mehr der Umsatzbeitrag des im Oktober verkauften Geschäftsfeldes Energy. Herausgerechnet wurde auch der Geschäftsbereich AdTech, den Ionos zum Verkauf stellt.
Das um Sondereffekte bereinigte Konzern-Ebitda verbesserte sich im Jahresvergleich um knapp 2% auf 966 Mill. Euro. Im Vorsteuerergebnis schlugen sich neben den Investitionen ins 5G-Netz von 1&1 auch die gestiegenen Aufwendungen für den Ausbau des Glasfasernetzes von Versatel nieder, so dass das Ebit insgesamt um 115 auf 443 Mill. Euro zurück fiel.
Mehr Gewinn
Unter dem Strich stieg der um Sondereffekte bereinigte Gewinn je Aktie aus fortgeführten Geschäftsbereichen von 72 Cent im Vorjahr auf 75 Cent. Der Konzern profitierte dabei von besseren Ergebnissen aus Unternehmen, an denen United Internet beteiligt ist, und geringeren Steueraufwendungen. Das Management um Konzernchef und Großaktionär Ralph Dommermuth bestätigte die Jahresprognose für die fortgeführten Geschäftsbereiche. Demnach soll das Ebitda auf rund 1,3 Mrd. Euro steigen; der vergleichbare Vorjahreswert lag bei von 1,25 Mrd. Euro.
Die Tochter Ionos will sich künftig auf die Kerngeschäftsfelder mit Produkten rund um Internetauftritte („Web-Presence & Productivity“) und Cloud-Angebote fokussieren. Das Segment AdTech wurde als nicht-fortgeführter Geschäftsbereich ausgewiesen und die Finanzkennzahlen des Vorjahres entsprechend angepasst. Demnach stieg der Umsatz um 6,2% auf gut 980 Mill. Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda kletterte um rund ein Fünftel auf 368,5 Mill. Euro. Die bereinigte operative Marge stieg auf 37,6 (33)%.
