US-Tabakriesen prüfen Fusion

Philip Morris und Altria vor Wiedervereinigung via Aktientausch

US-Tabakriesen prüfen Fusion

md Frankfurt – Die US-Tabakriesen Philip Morris International und Altria (“Marlboro”) erwägen einen Zusammenschluss via Aktientausch. Beide Konzerne erörterten eine Fusion unter Gleichen, teilten sie am Dienstag mit. Dadurch würde ein Tabakkonzern mit einem Pro-forma-Marktwert von über 200 Mrd. Dollar entstehen. Philip Morris hält nach Angaben aus Fachkreisen knapp ein Drittel am weltweiten Zigarettenmarkt. Diametrale Kursentwicklung Die Investoren urteilten über die mögliche Verschmelzung bzw. den Gewinner und Verlierer einer solchen Transaktion ziemlich eindeutig: Philip Morris, deren Aktie gestern im Handelsverlauf an Wall Street um 9 % auf 70,70 Dollar nachgab, kommt nun auf einen Börsenwert von 110 Mrd. Dollar, Altria, deren Papier zeitweise um 7 % auf 50,40 Dollar stieg, weist eine Kapitalisierung von rund 94 Mrd. Dollar auf.Es sei aber noch offen, ob die Verhandlungen zu konkreten Ergebnissen führen werden, erklärten die Unternehmen übereinstimmend. Einem möglichen Deal müssten zudem noch die Verwaltungsräte sowie Aktionäre und die Aufsichtsbehörden zustimmen.Eine Fusion wäre eine Wiedervereinigung, denn die Unternehmen gehörten bis 2008 zusammen. Dann wurde Philip Morris International abgespalten, um die internationalen Geschäfte zu führen, während Altria sich auf den US-Markt konzentrierte. Der Mutterkonzern Altria wollte dem Unternehmen mit dem Spin-off schnelleres Wachstum ermöglichen. E-Zigaretten und Cannabis Altria hatte wegen des aufgrund von Gesundheitsgefahren u. a. in den USA schrumpfenden Tabakkonsums auch auf Dampf- und E-Zigaretten, Cannabis-Produkte und Alkoholika gesetzt. Philip Morris International, mit rund 77 000 Beschäftigten der weltweit führende Tabakkonzern, setzt nach eigenen Angaben darauf, Zigaretten durch rauchfreie Produkte zu ersetzen. Eine Wells-Fargo-Analystin hatte jüngst erklärt, der E-Zigaretten-Hersteller Juul Labs, an dem Altria einen Anteil von 35 % hält, sei ein idealer Partner für eine Expansion von Philip Morris.Doch auch Hersteller von E-Zigaretten sind in den USA unter Druck geraten. Ein Ausschuss des US-Parlaments verlangt von E-Zigaretten-Anbietern wie Juul, Angaben zu Untersuchungen über mögliche Nebenwirkungen und Marketing-Praktiken zu machen. Parallel dazu untersucht die US-Seuchenbehörde CDC in 153 Fällen den möglichen Zusammenhang schwerwiegender Lungenerkrankungen mit dem Genuss von E-Zigaretten.Nicht nur bei Philip Morris und Altria kam es gestern zu starken Kursbewegungen. So gaben die Papiere des Wettbewerbers British American Tobacco (BAT) in London um rund 4 % nach. Investoren befürchten offenbar, dass durch eine Verschmelzung von Altria und Philip Morris sich der Konkurrenzdruck auf die anderen Branchenvertreter erhöht. BAT gehören u. a. die Marken Dunhill, Lucky Strike sowie HB. Der Konzern hatte vor zwei Jahren Reynolds American übernommen. – Wertberichtigt Seite 6