Warum der HSBC-Chef zum Schluss traurig ist
ds Frankfurt – Ungemütliche Zeiten für Bosse globaler Großbanken. In den vergangenen 16 Monaten haben unter anderem folgende Geldhäuser einen Chefwechsel angekündigt: ABN Amro, Royal Bank of Scotland, Wells Fargo, Goldman Sachs und Deutsche Bank. Am 5. August gab dann HSBC bekannt, dass John Flint “im gegenseitigen Einvernehmen” als CEO und Direktor zurückgetreten ist. Flint soll den Status eines “Good Leaver” erhalten, was ausschließt, dass sein Weggang mit Fehlverhalten verbunden ist. Doch wie stark war der Druck auf ihn, zurückzutreten?Der Push-out Score des Forschungsdienstleisters Exechange (* siehe Anmerkung oben), der den Druck auf ausscheidende CEOs auf einer Skala von 0 bis 10 misst, zeigt einen Wert von 9 für den Schritt von Flint, was auf sehr hohen Druck und einen holprigen Abschied hinweist. Flints Alter von 51 Jahren ist recht niedrig. Punkt 1 für den Push-out Score. Der Wechsel wurde sofort wirksam. Punkt 2. Flints Amtszeit von einem Jahr und fünf Monaten ist sehr kurz. Punkt 3. Die Ankündigung folgt auf einen Rückgang des Aktienkurses von HSBC um 17 % seit August 2018. Punkt 4. Der Grund für den Führungswechsel ist nicht vollständig transparent. Punkt 5. Eine Ursache für Flints Weggang wurde nicht ausdrücklich genannt. Mark Tucker, Chairman von HSBC, erklärte unterdessen unverblümt, dass “der Board der Ansicht ist, dass ein Wechsel nötig ist, um die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, zu bewältigen”.Die Umstände sind in der Tat herausfordernd. Punkt 6. HSBC, die 80 % ihrer Gewinne in Asien erzielt, muss sich den eskalierenden Spannungen zwischen den USA und China sowie den Protesten in Hongkong, ihrem größten Markt, stellen. Die Nachfolge wirft Fragen auf. Punkt 7. Ein permanenter Nachfolger ist nicht sofort verfügbar. Flints Aufgaben als CEO wurden zunächst von Noel Quinn, dem Chef der Sparte Global Commercial Banking, als Interim-CEO übernommen. Ein Nachfolger wird intern und extern gesucht.Form und Sprache der Bekanntmachung führen zu den Punkten 8 und 9. In der Ankündigung von HSBC aus London erhält John Flint Auszeichnungen, Lob und Dank, aber kein Wort des Bedauerns und keine guten Wünsche. Flint erklärte, dass er “nach fast 30 Jahren bei HSBC traurig sei, zu gehen”. Das kann man nachempfinden, denn zu seinem Abschied heben Alter, Ankündigungsfrist, Amtszeit, Aktienkursentwicklung, offizieller Grund, Umstände, Nachfolgeplan, Form der Bekanntmachung und Sprache in der Mitteilung neun rote Fahnen.Dabei ist Flint in guter Gesellschaft. Viele CEOs globaler Großbanken mussten unter Druck weg. ABN-Amro-CEO Kees van Dijkhuizen verabschiedete sich im Juni 2019 mit einem Push-out Score von 5. RBS-CEO Ross McEwan trat im April 2019 zurück mit einem Push-out Score von 6. Wells Fargo-CEO Tim Sloan ging im März 2019 mit einem Push-out Score von 9. Goldman Sachs-CEO Lloyd Blankfein sagte im Juli 2018 adieu, und der Push-out Score lag bei 3. Deutsche Bank-CEO John Cryan ging im April 2018 mit einem Push-out Score von 10.