EU-Automarkt

Wieder im Krisenmodus

Der Wiederanstieg der Infektionszahlen lässt Europas Autoindustrie im Krisenmodus festhängen. In den EU-Ländern gingen die Neuzulassungen im Februar fast ein Fünftel zurück. Dabei war der Vergleichsmonat des Vorjahres bereits ausgesprochen schwach.

Wieder im Krisenmodus

scd Frankfurt

Die Coronavirus-Pandemie und die Versorgungsengpässe bei Halbleitern haben die europäischen Automärkte weiter fest im Griff. Im Februar gingen die Neuzulassungen EU-weit um 19% auf rund 770000 Fahrzeuge zurück. Das waren die niedrigsten Zulassungszahlen für den zweiten Monat des Jahres seit 2013. In den kommenden Monaten ist zwar wieder mit Wachstum zu rechnen. Allerdings gilt dies nur deshalb, weil die Lockdown-Maßnahmen zur Bekämpfung der damals frisch nach Europa geschwappten Pandemie im Frühjahr 2020 in vielen Ländern deutlich drastischer ausgefallen waren und den Pkw-Markt in einigen Ländern praktisch komplett zum Erliegen gebracht hatten. In den Monaten März bis Mai hatten die Rückgänge verglichen mit den Vergleichsmonaten 2019 bei 52 bis 76% gelegen.

Auch der Februar vergleicht sich mit einem Vorjahresmonat, in dem 2020 bereits deutliche Rückgänge bei den Neuzulassungen verzeichnet worden waren. Europaweit lag das Minus vor einem Jahr bei 7,4%. In einzelnen Ländern, darunter auch Deutschland, war es sogar prozentual zweistellig ausgefallen. Im Februar 2021 verzeichneten trotzdem alle großen europäischen Märkte prozentual zweistellige Rückgänge. Bei Italien waren diese mit „nur“ 12% noch am geringsten. In Deutschland und Frankreich wurde jeweils etwa ein Fünftel weniger Autos erstregistriert, in Spanien sogar 38%. Im aus der EU ausgetretenen Großbritannien sanken die Zulassungen um 36%. Von den drei deutschen Autobauern schnitt BMW mit einem Minus von nur 9% am besten ab. Das Münchener Unternehmen dürfte auch davon profitiert haben, nicht vergleichbar wie die Wettbewerber von der schwachen Halbleiterverfügbarkeit betroffen zu sein. Die Zulassungen von Volkswagen gingen derweil um 17%, die von Mercedes um knapp ein Fünftel zurück.

„Pandemie bestimmt Lage“

„Die Pandemie bestimmt nach wie vor die Lage auf dem Neuwagenmarkt“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. „Die Schließung der Showrooms in vielen Ländern, die erheblichen konjunkturellen Unsicherheiten, steigende Arbeitslosenzahlen – all das belastet den Markt massiv und nachhaltig.“ Die Verunsicherung steige zudem mit den Infektionszahlen in vielen europäischen Ländern. „Sollte es weitere Lockdowns geben, werden diese erneut zu Absatzeinbußen führen“, fürchtet Fuß. „Selbst wenn wir im März eine vorübergehende Verbesserung der Lage auf dem Neuwagenmarkt sehen, spricht einiges dafür, dass es im April aufgrund neuer Maßnahmen erneut zu deutlichen Rückgängen kommen kann.“ Gerade für den Autohandel sei die Situation enorm schwierig.

Etwas gebremst zeigte sich die Wachstumsdynamik im E-Auto-Markt. So stieg die Zahl der Neuzulassungen bei den vollelektrischen Fahrzeugen in den fünf größten europäischen Märkten laut EY nur noch um 43%. Bei Plug-in-Hybriden betrug das Plus 146%. Während die elektrifizierten Fahrzeuge in Deutschland dank der Umweltprämie erneut reißenden Absatz fanden mit prozentual dreistelligen Wachstumsraten sowohl für batterieelektrische (BEV) wie auch für Plug-in-hy-bride Fahrzeuge, drehte in anderen Märkten der Wind. In Spanien und Frankreich wurden sogar weniger BEVs als vor einem Jahr abgesetzt. Fuß führt die Wachstumsdelle auf den Boom zum Jahresende sowie auf Lieferprobleme zurück.