IM GESPRÄCH: HOSSEIN MOIIN, NOKIA SIEMENS NETWORKS

"Wir werden 2013 unseren Gewinn steigern"

Strategiechef rechnet mit stabilem Umsatz im "Transformationsjahr" - Südeuropageschäft erholt sich

"Wir werden 2013 unseren Gewinn steigern"

hei Barcelona – Für Nokia Siemens Networks (NSN) wird 2013 ein “Transformationsjahr”, wie Hossein Moiin, Technik- und Strategiechef (CTO) des Gemeinschaftsunternehmens von Nokia und Siemens, der Börsen-Zeitung auf dem World Mobile Congress in Barcelona sagte. Nachdem im Vorjahr ein starker Endspurt gelungen war, sodass die bereinigte operative Marge bei einem Umsatzsprung um 14 % auf 4 Mrd. Euro bei 14,4 % landete, rechnet Moiin im laufenden Jahr mit einer weiteren Ertragssteigerung im Vergleich zu 2012. Über den gesamten Turnus hatte das Joint Venture eine entsprechende Rendite von 5,6 % erreicht. Sie ist allerdings um erhebliche Restrukturierungsaufwendungen bereinigt, die insgesamt zu einem auf 799 (i. V. 300) Mill. Euro ausgeweiteten Verlust geführt hatten.Moiin, der sowohl die iranische als auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass NSN die finanzielle Restrukturierung bis zum Jahresende abschließen wird. “Wir liegen damit gut im Plan”, betonte der Manager. Er unterstrich, dass NSN im vergangenen Jahr “enorme Fortschritte” bei der Neuausrichtung gemacht habe. “Wir haben liquide Mittel von 2 Mrd. Euro, das heißt, wir sind nicht länger ein instabiles Unternehmen”, sagte Moiin. NSN hatte Ende 2011 auf Druck der beiden Muttergesellschaften, die nach einer erneuten milliardenschweren Kapitalspritze weitere finanzielle Unterstützung ausgeschlossen hatten, ein radikales Umbauprogramm verkündet, mit dem sich der Telekomausrüster auf Mobile Breitbandnetze konzentrieren will. Alle anderen Geschäftsbereiche sollen aufgegeben werden. Die neuerliche Restrukturierungsrunde kostet allerdings insgesamt 1,2 Mrd. Euro. Tochter wird herausgeputztSowohl Nokia als auch Siemens, die das Joint Venture, an dem sie je zur Hälfte beteiligt sind, 2007 aus der Taufe gehoben hatten, wollen die hässliche Tochter so gut wie möglich herausputzen, um sie baldmöglichst loszuwerden. Der Gesellschaftervertrag, der jedem von beiden einen Ausstieg im Alleingang verwehrt, läuft im April dieses Jahres aus. Siemens bereitet unbestätigten Berichten zufolge bereits einen Ausstieg oder auch Teilausstieg vor (vgl. BZ vom 25. Februar). Moiin wollte sich zu den Plänen der beiden Mutterkonzerne nicht äußern, betonte jedoch: “Wir müssen unabhängig werden.” Dazu müsse NSN “nachhaltig profitabel wirtschaften”. 2013 lege man dafür “das Fundament”.Moiin erklärte, ein IPO sei “eine” denkbare Option, eine andere sei der Einstieg eines Investors. Nokia und Siemens hatten 2011 versucht, NSN an Finanzinvestoren zu verkaufen, jedoch keine Einigung über den Preis erzielt. Inzwischen sieht es dank der operativen Erfolge besser aus. Einen ersten Schritt, um den Appetit der Investoren zu testen, plant NSN mit einem Auftritt am Bondmarkt, wie Moiin bestätigte, ohne den Zeitpunkt nennen zu wollen. Zuvor war schon die Rede von einem 750-Mill.-Euro-Bond, den der Telekomausrüster begeben will, um Verbindlichkeiten zu refinanzieren.So habe man insbesondere alle Standorte einer Überprüfung unterzogen, um in Forschung und Entwicklung oder Produktion die Nähe zu innovativen Partnern oder Institutionen sicherzustellen. Außerdem treibt NSN die Ausrichtung des Portfolios auf den konkreten Bedarf der Kunden voran. So wurden auf der Messe in Barcelona als Produktneuheit sogenannte “Liquid Apps” vorgestellt – Softwareprogramme, mit deren Hilfe Mobilfunknetzbetreiber den Datenverkehr aus der Basisstation heraus besser steuern und insbesondere Spitzenlasten abfangen können. NSN biete damit ihren Kunden die Chance, ihre Angebote auf Basis der Netztechnik zu optimieren und sich qualitativ im Wettbewerb zu differenzieren, erklärte Moiin. 2013 stabile Erlöse erwartetMit derlei Innovationen wolle NSN den Grundstein für künftiges Wachstum legen. Dieses Jahr rechnet er mit mehr oder minder stabilen Umsätzen. Er betonte jedoch, dass sich das Geschäft in Südeuropa, besonders in Italien, und überraschenderweise auch in Spanien erhole.