NOTFALLPLÄNE WEGEN CORONA

Auch Direktbanken brauchen physischen Kontakt

Comdirect lässt Teile der Belegschaft künftig abwechselnd im Büro und von zu Hause aus arbeiten

Auch Direktbanken brauchen physischen Kontakt

lee/jh Frankfurt/München – Der fehlende Kundenkontakt mag das Infektionsrisiko mindern, doch auch in den Direktbanken wächst die Angst vor häuslicher Quarantäne und damit einhergehenden Betriebsausfällen. Während die Berliner DKB in diesem Zusammenhang lediglich darauf verweist, dass sie die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und anderer Behörden befolgt, arbeiten Wettbewerber wie die Comdirect bereits an konkreten Notfallplänen.Die Commerzbank-Tochter verfügt zwar wie ihr Mutterkonzern über einen Ausweichstandort für die Zentrale in Quickborn. Das vor einigen Wochen ins Leben gerufene Pandemie-Team entschied sich am Freitag jedoch zunächst dagegen, einen Teil der Belegschaft am Ersatzstandort im nahegelegenen Norderstedt arbeiten zu lassen. Stattdessen wird Comdirect ab Anfang nächster Woche in den geschäftskritischen Bereichen mit einem rollierenden System arbeiten. Die betroffenen Mitarbeiter sollen nach Angaben einer Sprecherin im 14-tägigen Rhythmus abwechselnd im Büro und von zu Hause aus arbeiten.Für die Mitarbeiter des IT-Standorts in Rostock, an dem Comdirect zwei Rechenzentren betreibt, gebe es derzeit keine eigene Ausweichmöglichkeit. Hier sei das Ziel, die Aufgaben so mit den IT-Kollegen in der Zentrale zu verteilen, dass der Betrieb auch dann weiterlaufen kann, wenn einer der Standorte lahmgelegt werden müsse. Auch für die in Quickborn ansässige Poststelle, die für die Digitalisierung des Schriftverkehrs verantwortlich ist, gibt es aktuell keinen Ersatz. Das Gleiche gilt für die Standorte des Online-Brokers Onvista Köln und Frankfurt.Eine kulturelle Bereitschaft zum mobilen Arbeiten erweist sich jetzt als klarer Vorteil. So hat Comdirect nach Angaben einer Sprecherin bereits vor einem Jahr dazu im Kundenservice erfolgreich eine Testphase abgeschlossen. Eingehende Anrufe werden weitergeleitet und am mobilen Arbeitsplatz in einer geschützten IT-Umgebung bearbeitet. In der Regel handele es sich dabei um den privaten Laptop am heimischen Schreibtisch. Mithilfe eines Sicherheitstokens können sich die mobilen Arbeiter in eine geschützte Umgebung einwählen. Für den flächendeckenden Einsatz fehlt allerdings noch die Betriebsvereinbarung.Auch bei der ING-DiBa ist eine Weiterleitung möglich und zwar, wie das Institut betont, nicht nur auf das Smartphone, sondern auch zwischen den Standorten in Frankfurt, Hannover und Nürnberg. Die Business-Continuity-Pläne sähen redundante Prozesse an verschiedenen Standorten vor – darunter auch bei der Digitalisierung des Posteingangs, für die es verschiedene Back-up-Lösungen gebe.