Quick Flip zahlt sich für Blackstone aus
Von Walther Becker, FrankfurtEin tierischer Deal: Die LSE ist in den Geheimverhandlungen offenbar als Leopard tituliert worden, Blackstone trat als Büffel auf, Refinitiv wurde als Nashorn gejagt, und Thomson Reuters gerierte sich als Tiger. Nach dem Herauskommen aus dem Busch haben die Aktionäre der kanadischen Thomson Reuters alle Veranlassung, sauer zu sein – auch wenn ihnen schon 10 Mrd. Dollar nach dem Verkauf der Refinitiv-Mehrheit zugeflossen sind. Doch sind Milliarden Stand heute weitere zig Milliarden durch die Lappen gegangen. Deutscher zieht die StrippenInvestoren in Blackstone-Fonds dagegen können sich freuen: Der Einsatz der US-Beteiligungsgesellschaft für den Kauf der früheren Thomson-Einheit Refinitiv hat sich binnen zehn Monaten in etwa verdoppelt – eine stolze Vermehrung um gut 6 Mrd. Dollar, macht circa 150 Mill. Dollar pro Woche. Am Aktienmarkt gehen die Akteure davon aus, dass sich der aktuelle Deal mit einem Enterprise Value von 27 Mrd. Dollar auch für die LSE-Anteilseigner auszahlt. Der von Goldman Sachs an die LSE-Spitze gekommene Dealmaker David Schwimmer hat denn auch viel Vorschuss erhalten: Die Marktkapitalisierung der Londoner Börse legte seit Bekanntwerden der Transaktion über 5 Mrd. Pfund zu. Das erleichtert die als reiner Aktiendeal geplante Übernahme ungemein.Eingefädelt hat den Deal ein 44-jähriger Deutscher: Martin Brand, ein früherer Goldman-Banker, der schon beim Kauf von Refinitiv die Strippen zog und von Beginn an den Exit durchgerechnet hat. Zu seinen Planspielen soll auch eine Übernahmeofferte für die LSE gezählt haben. Brand, seit 2003 bei Blackstone, leitet in New York die Private-Equity-Investments in Technologie, Medien, Telekoms und Finanzinstitutionen. LSE-Chef Schwimmer, seit einem Jahr in London am Ruder, gilt als einer der Architekten der Fusion von Nyse und Archipelago 2005. Und er stand Brand zur Seite beim Verkauf des Finanzdatendienstleisters Ipreo, in den Blackstone und Goldman investiert waren, an IHS Markit für 1,9 Mrd. Dollar 2018.Zumindest auf dem Papier steht das Blackstone-Konsortium, dem auch der kanadische Pensionsfonds CPPIB und der Singapur-Staatsfonds GIC angehören, mit dem Quick Flip super da. Gekauft worden waren 55 % an Refinitiv im Jahr 2018 mit einer Unternehmensbewertung von 20 Mrd. Dollar. Davon wurden 6,5 Mrd. Dollar an Eigenkapital vom Erwerberfonds gestemmt, 13,5 Mrd. Dollar waren Schulden, die Refintiv, wie bei Leveraged Buy-outs üblich, aufgebrummt wurden. Diese Verbindlichkeiten erhöhen jetzt die Schuldenlast der LSE, die bisher kaum in der Kreide steht. Jetzt geht der Datendienstleister für 27 Mrd. Dollar Enterprise Value an die Londoner Börse. Dabei soll sich das eingesetzte Eigenkapital des Blackstone-Konsortiums verdoppelt haben. Warum, so kann sich der Thomson-Aktionär fragen, brauchte es Blackstone als Parkplatz? Doch Dealmaker sitzen nun mal eher bei Private Equity als in den Chefetagen von Familienunternehmen.Für die Blackstone-Gruppierung hat der lukrative Deal allerdings einen Haken: Sie bekommen keinen ausschüttungsfähigen Cash, sondern sie erhalten Papier – 37 % an der erweiterten LSE, von denen 15 % auf Thomson Reuters entfallen. Sie dürfen die Aktien, deren Kurs nach der jetzigen Euphorie durchaus vom Brexit unter Druck geraten kann, frühestens zwei Jahre nach Abschluss des Deals – der sich aufgrund die wettbewerbsrechtlichen Prüfungen hinziehen dürfte – platzieren. Festgelegt ist, wie viele es dann pro anno sein dürfen. Und Blackstone/Thomson müssen sich mit knapp 30 % der LSE-Stimmrechte begnügen. Doch der Treppenwitz ist, dass nun Private Equity, das gut davon lebt, gelistete Unternehmen von der Börse zu nehmen, großer Anteilseigner des Londoner Marktplatzbetreibers wird. Gekniffen ist Chris Hohn: Der Manager des Hedgefonds TCI, der auch an der Deutschen Börse beteiligt war, hat LSE-Aktien zu früh versilbert. Dem Milliardär gingen laut Bloomberg 200 Mill. Dollar durch die Lappen – er hatte Ende 2018 reduziert.