Dax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 11.400,00-0,01% TecDax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 2.593,50+0,17% Euro Stoxx 50 Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.197,50-0,09% US/Dow Jones Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 25.074,00-0,06% Gold: 1.210,860,00% EUR/USD: 1,1286-0,23%
Redaktion


Geld oder Brief
Von Stefan Mehler, Frankfurt

Unter den Emissionshäusern für geschlossene Fonds in Deutschland war MPC Münchmeyer Petersen Capital einst das Flaggschiff der Branche. Die 1994 gegründete Gesellschaft setzte Maßstäbe für den Sektor. Jahr für Jahr produzierte sie einen nicht enden wollenden Fluss guter Nachrichten. Analysten überschlugen sich in positiven Einschätzungen des Titels. Der positive Trend hielt mehr als ein Jahrzehnt an, dann geriet MPC allerdings in schwere See. Bis heute sind längst nicht alle Probleme gelöst.

Die Wurzeln des Hamburger Unternehmens liegen im Bereich Kapitalanlagen und Schifffahrt. Dieses Spezial-Know-how nutzte MPC in den neunziger Jahren erfolgreich für die Konzeption und den Vertrieb von Steuersparmodellen in Form von Schiffsbeteiligungen. Besser als ihren Wettbewerbern gelang MPC die Kombination renditestarker Anlagen mit Steuervorteilen für vermögende Privatkunden. 1995 stieg MPC zusätzlich ins Geschäft mit Immobilienfonds und 2002 bei Lebensversicherungsfonds ein. In der Branche galt MPC lange Zeit als "first mover". Was auch immer MPC anfasste, zumeist war das Emissionshaus der Konkurrenz einen Schritt voraus.

Schneller als ihre Wettbewerber betrat MPC auch das Börsenparkett. Noch im September 2000 ging MPC, obschon aus der Neue-Markt-Blase seit Monaten heftig Luft entwich, mit 29 Euro am oberen Ende der Bookbuildingspanne an die Börse. Auch wenn der Titel im Sog der damaligen Börsentalfahrt fast bis auf 10 Euro absackte, hielt MPC Kurs. Und als nach dreijähriger Flaute 2003 wieder Wind aufkam, setzte MPC rasch die richtigen Segel. Analysten bewerteten die Aktie überwiegend mit einem positiven Urteil. Über mehrere Jahre war MPC ein "Outperformer" im S Dax. Getrieben wurde die Hausse von einem stetigen Wachstum der Kunden- und Produktzahl. Die Gesellschaft schwamm auf einer Nachfragewelle, und der Aktienkurs erreichte am 23. Februar 2006 mit 78,90 Euro sein Allzeithoch. Das Jahr 2006 schloss MPC glänzend ab: Beim platzierten Eigenkapital durchbrach die Gesellschaft erstmals die Milliardengrenze, und mit einem Jahresüberschuss von 56 Mill. Euro erzielte MPC das beste Ergebnis in der Firmengeschichte.

Aufstieg und Fall

Dem Aufstieg folgte der Fall. 2007 ging als das Jahr in die Unternehmensannalen ein, in dem die Hamburger Traditionsfirma stark vom Kurs abkam. Obwohl das Desaster des Neuen Marktes - bei dem Unternehmen durch Zukäufe ihr Wachstum forcieren wollten, dann aber an hohen Firmenwertabschreibungen zugrunde gingen - MPC noch gut im Gedächtnis hätte sein müssen, stieg die Gesellschaft im Januar 2007 mit 29,5 % bei HCI, der Nummer 2 der Branche, ein. Ursprünglich als reines Finanzinvestment angekündigt, stockte MPC ihren Anteil im Februar 2008 auf 35,1 % und unterbreitete ein Übernahmeangebot für den Wettbewerber. MPC versprach sich von dem Kauf des seit 2005 börsennotierten Konkurrenten einen Gewinnsprung von einem Drittel.

Tatsächlich musste MPC kein halbes Jahr später, im August 2008, erste Fehlentwicklungen einräumen und die Prognose für den erwarteten Jahresüberschuss von 50 auf 38 Mill. Euro senken. Das sollte allerdings auch das Ende der Fahnenstange sein; eine Neubewertung der HCI-Beteiligung sei, so versicherte die Geschäftsleitung, nicht nötig. In den Folgemonaten sendete MPC allerdings hektisch Notsignale. Das einstige Flaggschiff befand sich in stürmischer See und schockte den Kapitalmarkt mit weiteren Gewinnwarnungen. Die HCI-Beteiligung musste im November nun doch wertberichtigt werden - und zwar von 140 auf 60 Mill. Euro, weil die Gesellschaft über ein großes US-Immobilienportfolio verfügte, das schwer von der Subprime-Krise getroffen war. Statt eines Gewinns stellte MPC nun für 2008 einen Verlust von 70 Mill. Euro in Aussicht. Das war quasi der Mastbruch.

Die Misserfolgsstory setzte sich fort. Im vierten Quartal musste MPC Platzierungsschwierigkeiten eingestehen. Im Zuge der Finanzkrise sank das eingesammelte Eigenkapital mit 85 (im Vorquartal 176) Mill. Euro auf einen dramatisch niedrigen Wert. Auch verlor MPC damit ihre Rolle als führendes Emissionshaus für geschlossene Fonds an HCI. Die Gesellschaft, die MPC wegen ihres fehlgeschlagenen US-Immobilienengagements fast in den Abgrund gerissen hätte, zog beim platzierten Eigenkapital an ihrem Hauptaktionär vorbei. Das war aber noch nicht alles. Durch den gigantischen Verlust waren das Eigenkapital und die vorhandenen liquiden Mittel der Gesellschaft existenzgefährdend geschrumpft.

Um den Untergang abzuwenden, führten die Hauptaktionäre - MPC Münchmeyer Petersen & Co. GmbH, Corsair und Oldehaver Beteiligungsgesellschaft - zu Beginn des Jahres 2009 frische Mittel von knapp 50 Mill. Euro zu und gaben ihr damit eine zweite Chance. Zeitgleich verkündete das MPC-Management ein umfassendes Kostensenkungsprogramm. Die Gewinnschwelle liegt Unternehmensangaben zufolge nun bereits bei einem platziertem Eigenkapital von 300 Mill. Euro. Wenn diese Angabe zutrifft, könnte MPC in diesem Jahr 45 % weniger Eigenkapital als 2008 einsammeln und würde trotzdem schwarze Zahlen schreiben. Ob bei einem solch niedrigen Platzierungsvolumen tatsächlich bereits alle Kosten gedeckt werden, ist fraglich, zumal bei der noch mit 60 Mill. Euro in den Büchern stehenden Beteiligung an HCI abermals Abschreibungen anfallen könnten.

Analysten wenden sich ab

Dass es auch nach der Kapitalerhöhung gehörig im Gebälk des MPC-Schiffes knarrt, zeigt die vorgestern verkündete Verschiebung der Ergebnisbekanntgabe vom 4. auf den 25. März 2009. Analysten scheinen mit MPC ohnehin die Geduld verloren zu haben. Aktuell stellen sieben von zehn Analysten den Titel zum Verkauf. Mehrere Finanzexperten sehen den fairen Wert der am Donnerstag mit 4,75 Euro aus dem Handel gegangenen Aktie entnervt bei 3 Euro. Die Marktkapitalisierung der Gesellschaft schrumpfte von 713 Mill. Euro im Februar 2006 auf aktuell 88,5 Mill. Euro. Angesichts eines verhaltenen Branchenausblicks mit einbrechenden Warenströmen auf den Weltmärkten, sinkenden Charterraten und allenfalls ersten Lichtblicken fürs Immobiliengeschäft droht MPC - nachdem der Mast dank Kapitalerhöhung wieder steht - nun die konjunkturelle Flaute.

Börsen-Zeitung, 27.02.2009, Autor Stefan Mehler, Frankfurt , Nummer 40, Seite 17, 875 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2009040205&titel=MPC-nach-dem-Mastbruch-
BZ Artikel twitternLinkedInXingFacebook

Unternehmensbereich: MPC Münchmeyer Petersen Capital AG
Übersicht Kurse / Charts Redaktionelle BerichteResearch
Ad-hoc FinanzanzeigenAktionärsstrukturDirectors’ Dealings
Termine Wertpapiersuche Audio / Video

Termine des Tages
Donnerstag, 15.11.2018

Ergebnisse
Applied Materials: 4. Quartal
BayernLB: 3. Quartal
Bouygues: 3. Quartal
Demire: 3. Quartal
Henkel: 3. Quartal
K+S: 3. Quartal
LPKF Laser: 3. Quartal
Nvidia: 3. Quartal
Singulus: 3. Quartal
Sixt: 3. Quartal
Vallourec: 3. Quartal
Vivendi: 3. Quartal
Wal-Mart: 3. Quartal




























22

0.384841 s