Technische Analyse

Der Dax steht vor einem Superwahljahr

Der Dax steht vor einem Superwahljahr. Wie es charttechnisch in dieser Zeit für den deutschen Leitindex weitergeht, erläutert Experte Christian Henke von IG.

Der Dax steht vor einem Superwahljahr

Technische Analyse

Der Dax steht vor einem Superwahljahr

Von Christian Henke *)

*) Christian Henke ist technischer Analyst bei IG.

In einigen Wochen geht ein sehr turbulentes Börsenjahr zu Ende. Und an Belastungsfaktoren hat es wahrlich nicht gemangelt. Ein zentrales Thema stand das ganze Jahr im Mittelpunkt, nämlich die Zinspolitik in den USA. Doch zuletzt hat sich immer mehr und mehr die Hoffnung durchgesetzt, dass die Federal Reserve den Leitzins in diesem Jahr nicht mehr erhöhen wird und 2024 die Zinswende eingeläutet werden könnte. Und diese Erwartungen waren der Befreiungsschlag für die weltweiten Aktienmärkte und insbesondere für den deutschen Leitindex. Aber wie geht es nach dem Jahresausklang weiter? Und welchen Einfluss könnte die Präsidentschaftswahl in den USA für die Börsen haben?

Große Beachtung

2024 ist ein Superwahljahr. Einige Wahlen stehen an. Vor allem große Beachtung dürfte die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten finden. Wer macht das Rennen um das Weiße Haus und wie reagieren die Aktienmärkte im Vorfeld darauf? Der sogenannte Präsidentschaftswahlzyklus in den Vereinigten Staaten hat einen großen Einfluss auf das Geschehen nicht nur an der Wall Street, sondern auch an den weltweiten Handelsplätzen. 2023 ist ein Vorwahljahr. Und diese zeichnen sich saisonal betrachtet als gute Börsenjahre aus. In den USA konnte der marktbreite Index S&P in den vergangenen 95 Jahren in 87% der Fälle um durchschnittlich mehr als 11% zulegen. Auch der Dax konnte von dieser Saisonalität profitieren und gewann in den zurückliegenden 44 Jahren im Mittel ebenfalls rund 11% an Wert. 2024 könnte den Anlegern auch Freude bereiten. Das Wahljahr konnte in der Vergangenheit ebenfalls überzeugen. Der S&P hat in seiner langen Historie in 74% der Fälle um mehr als 5% zulegen können. Auch das deutsche Pendant konnte das saisonale Muster in Kursgewinne umsetzen. 2025 folgt dann das Nachwahljahr. Und diese gehören nicht unbedingt zu den besten Börsenjahren. Aber darüber werden wir erst im Dezember des kommenden Jahres sprechen.

Die hohe Inflation hatte in den Vereinigten Staaten einige Zinserhöhungen zur Folge. Und Aktien und Anleihen mögen bekanntlich keine steigenden Zinsen. Kein Wunder, dass 2023 ein recht holpriges Börsenjahr ist. Dennoch können sich die Anleger nicht beschweren. Trotz aller Widrigkeiten konnten sich die Bullen durchsetzen. Vor allem im Augenblick, kurz vor dem Weihnachtsfest, könnte ein wichtiger charttechnischer Knoten platzen. Die Rede ist von dem jüngsten Allzeithoch bei 16.532 Punkten von Juli dieses Jahres. Hierbei handelt es sich um die letzte Hürde gen Norden. Bei einem Sprung darüber wären sämtliche Widerstände eliminiert. Im Anschluss könnte der Dax die obere Trendkanallinie bei aktuell 17.521 Zählern ins Visier nehmen.

Eine wichtige Voraussetzung, um das genannte Ziel auch zu erreichen, wäre ein Monatsschlusskurs oberhalb der altbekannten Handelsspanne bei 16.290 Punkten. Im Juli scheiterte der Ausbruch nach oben. Diesmal sollte dieser gelingen. Die untere Begrenzung der erwähnten Trading Zone bei 14.800 Zählern dient dem deutschen Leitindex als solide Unterstützung. Im Oktober und November konnte diese Chartmarke die Bären in Schach halten. Anschließend gelang dem Dax die Trendwende in höhere Kursgefilde.

Ausbruch gen Norden

Charttechnisch arbeitet der deutsche Leitindex an dem Ausbruch gen Norden. Die Indikatoren haben diesen bereits vorweggenommen. Im Monatschart ist der beliebte Keltner-Kanal zu sehen. Hierbei wird dem einfachen 50-Monats-Durchschnitt die Average True Range der vorigen 50 Monate dazuaddiert bzw. subtrahiert. Bei der Average True Range handelt es sich um die durchschnittliche Schwankungsbreite des Dax.

Ein Kaufsignal entsteht, wenn der Kurs des Dax oberhalb des oberen Keltner-Kanal-Bandes schließt. Das mittlere Band dient als Trailing Stop. Bei einem Schlusskurs unterhalb des genannten Bandes sollte eine Long-Position geschlossen werden. Rutscht der Index dann noch unter das untere Keltner-Kanal-Band, wird ein Verkaufssignal generiert. Des Weiteren ist der einfache Zehnmonatsdurchschnitt zu sehen. Springt die Glättungslinie über das obere Keltner-Kanal-Band, kommt es sehr oft zu einer Beschleunigung der Trenddynamik. Zuletzt geschehen im Juli dieses Jahres.

Seit November 2022 notiert der Dax oberhalb des oberen Keltner-Kanal-Bandes. Somit steht die technische Ampel unverändert auf Grün. Das mittlere Band bei aktuell 14.143 Punkten ist noch sehr weit entfernt, dient dem Dax als nachgezogener Stop Loss und sollte nicht unterschritten werden.

Im Augenblick sieht es nach einem versöhnlichen Jahresausklang aus. Höhepunkt wäre ein neues Allzeithoch und freie Bahn gen Norden. Dank einer möglichen Zinswende im kommenden Jahr, einer starken Saisonalität und eines bevorstehenden charttechnischen Ausbruchs nach oben könnte es für das heimische Börsenbarometer in den kommenden Monaten durchaus in Richtung 17.500 Punkte gehen. Ein Rutsch unter den Kursbereich bei 14.800 Zählern sollte dagegen vermieden werden. Dies könnte dann die Ausgangslage für die Anleger verschlechtern.

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