Institutionelle Investoren

Fondsmanager zeigen sich sehr pessimistisch

Internationale Fondsmanager sind derzeit hinsichtlich Konjunkturerwartungen, Angst vor neuen Krisen und ihrer Positionierungen so pessimistisch wie im laufenden Jahr noch nicht. Aktien werden gemieden und Anleihen in einem Ausmaß übergewichtet, dass es seit der großen Finanzkrise nicht mehr gegeben hat.

Fondsmanager zeigen sich sehr pessimistisch

Fondsmanager zeigen sich sehr pessimistisch

Anleihen werden übergewichtet – Aktien gemieden – Innerhalb der Aktienanlage defensive Sektoren stark bevorzugt

Internationale Fondsmanager sind derzeit hinsichtlich Konjunkturerwartungen, Angst vor neuen Krisen und ihrer Positionierungen so pessimistisch wie im laufenden Jahr noch nicht. Aktien werden gemieden und Anleihen in einem Ausmaß übergewichtet, das es seit der großen Finanzkrise nicht mehr gegeben hat.

ku Frankfurt

Internationale Fondsmanager sind aktuell so pessimistisch wie im bisherigen Jahresverlauf noch nicht. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Umfrage unter institutionellen Investoren, die von Bank of America Securities regelmäßig durchgeführt wird. Aktuell haben 249 Manager teilgenommen, die insgesamt Assets im Wert von 641 Mrd. Dollar unter Verwaltung haben.

Fast ein Rekord

Der Pessimismus der Anleger zeigt sich zum einen in den Erwartungen hinsichtlich der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung, die so pessimistisch sind wie zuletzt im Dezember, zum anderen aber auch in ihrer Positionierung. So ist der Cash-Anteil der Portfolios mit wie im Vormonat 5,5% weiterhin hoch. Er befindet sich nun schon 17 Monate in Folge oberhalb der Marke von 5%. Dies stellt fast einen Rekord dar, lediglich nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2001 war eine derartige Zeitspanne mit 32 Monaten noch länger. Eine Mehrzahl von netto 29% der Befragten gibt an, in Aktien untergewichtet zu sein. Eine breite Mehrheit von netto 63% der Fondsmanager rechnet mit einer schwächeren Entwicklung der Weltwirtschaft. Daher gehen 68% der Teilnehmer davon aus, dass sich die Unternehmensgewinne in den kommenden zwölf Monaten reduzieren, vor einem Monat hielten dies nur 57% für wahrscheinlich.

Inflation soll sinken

Die Konjunkturschwäche wird sich nach Einschätzung der Teilnehmer der Umfrage auch in einer sich abschwächenden Geldentwertung manifestieren. So sagen netto 84%, dass die weltweite Inflation auf Basis der Verbraucherpreise zurückgehen wird. Dies sollte auch Rückwirkungen auf die Zinsniveaus haben. Eine Mehrzahl von 58% geht davon aus, dass das kurzfristige Zinsniveau sinken wird. So stark davon überzeugt waren die Befragten zuletzt im November 2008. Brutto haben sich sogar 72% der Teilnehmer dahingehend geäußert, dass sie mit sinkenden kurzfristigen Zinsen rechnen.

Zinssenkungen erwartet

Mit den schwachen konjunkturellen Erwartungen stellt sich die Frage, wie sich die Notenbanken positionieren. Aktuell gehen 35% der Teilnehmer der Umfrage davon aus, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve im ersten Quartal 2024 mit Leitzinssenkungen beginnen wird. 28% glauben sogar, dass dies schon im dritten Quartal des laufenden Jahres der Fall sein könnte, und 10% erwarten den Anfang des Zinssenkungszyklus erst im zweiten Quartal des kommenden Jahres. Nach Einschätzung von Bank of America Securities deckt sich dies mit den Einschätzungen der Akteure am Bondmarkt. So sei aktuell ein Rückgang der kurzfristigen Zinsen im dritten Quartal 2023 um 12 Basispunkte (BP) eingepreist, um weitere 37 BP im vierten Quartal, um 36 BP in den ersten drei Monaten 2024 und um 47 BP im zweiten Quartal 2024.

Die Sorgen der Fondsmanager zeigen sich auch in dem von Bank of America berechneten Financial Markets Stability Risks Indicator, der zwar gegenüber dem Vormonat von 7,6 auf 6,0 Punkte gefallen ist, damit aber immer noch ein höheres Risiko an den Märkten anzeigt. Gemäß den Ergebnissen der Umfrage wird derzeit eine weltweite Verknappung der Bankkredite und eine globale Rezession als das Hauptrisiko gesehen mit 35% der Nennungen. Hohe Inflation und eine falkenhafte Positionierung der Notenbanken wird mit 34% als das zweitgrößte Risiko für die Märkte gesehen. 16% fürchten auch ein systemisches Kreditereignis, und 11% halten es für besonders relevant, dass die geopolitischen Risiken wie der Krieg in der Ukraine und der Konflikt um Taiwan eskalieren könnten. Ein systemrelevantes Kreditereignis werde dabei vermutlich in den Bereichen Commercial Real Estate oder Schattenbanken beginnen, so die Vermutung der Befragten.

Der Konjunkturpessimismus und die Sorge vor einer Kreditverknappung veranlassen die institutionellen Anleger dazu, verstärkt in Anleihen zu investieren, zumal deren Verzinsung bereits deutlich gestiegen ist. Gemäß den Ergebnissen der Umfrage sind mittlerweile netto 10% der Teilnehmer in Anleihen übergewichtet, ein Anstieg gegenüber Vormonat um nicht weniger als 9 Prozentpunkte und die höchste Übergewichtung seit März 2009. Wie die Anlageexperten der Bank of America betonen, befindet sich auch die relative Untergewichtung von Aktien gegenüber Anleihen auf einem Niveau, das es seit der großen Finanzkrise nicht mehr gegeben hat. Dabei verwundert es nicht, dass eine große Mehrzahl von 49% der Fondsmanager Investment-Grade-Bonds gegenüber High-Yield-Anleihen bevorzugt, ein Niveau, das es seit dem Beginn der entsprechenden Erhebung im Jahr 2015 nicht gegeben hat.

Was die Positionierung an den Aktienmärkten betrifft, so gehen die Anleger wieder verstärkt in defensive Sektoren wie Versorger, Güter des täglichen Verbrauchs und Gesundheit, wären sie Zykliker, gehobenen Konsum, Banken, Öl und Gas sowie Rohstoffe meiden. Angetrieben werde diese Neupositionierung durch besonders umfangreiche Ausstiege aus den Bereichen Banken und Rohstoffe und Einstiege in den Gesundheitssektor und die Versorger. Besonders viele Anleger tummeln sich derzeit in den Long-Positionierungen auf große Technologieaktien und im Shorten von US-Banken.

Rohstoffe beliebt

Aktuell sind noch netto 13% der Fondsmanager in Rohstoffen übergewichtet, während es eine Untergewichtung von netto 16% in Immobilien gibt. US-Aktien werden mit netto 34% der Nennungen untergewichtet, die bisherige Übergewichtung europäischer Aktien ist praktisch in sich zusammengefallen. Dividendentitel aus den Emerging Markets werden noch zu netto 30% übergewichtet. Japan wird als Anlageziel von Aktienanlegern überwiegend gemieden.