J.P. Morgan glaubt an Jahresendrally von Aktien
dh Frankfurt – Während die Vermögensverwalter UBS und Rothschild Aktien untergewichten bzw. Anlegern zum Verkauf derselben raten, sieht J.P. Morgan gerade jetzt den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg. Zu dieser Empfehlung kommen die Experten der US-Bank in ihrer Global Equity Strategy. Seit dem 26. Juli dieses Jahres sind zwar laut J.P. Morgan die europäischen Equity Markets um 5 % gefallen, die amerikanischen um 5,9 % und die der Schwellenländer gar um 7,2 %. Allerdings scheine sich nun ein Boden gebildet zu haben. Während das Sentiment unter Investoren Anfang August zufrieden gewesen sei, habe es in den vergangenen Wochen eine Wende um 180 Grad vollzogen. Der Bull-Bear-Indikator fiel während des Monats auf ein Jahrestief. “Das ist ein Signal zum Einstieg in den Aktienmarkt. Wir glauben, dass US-Präsident Trump am Ende keine neuen angekündigten Zölle verhängen wird, da die Sorgen vor einem Überschwappen auf den US-Konsumenten steigen”, so Mislav Matejka, Head of Global and European Equity Strategy bei J.P. Morgan, und sein Team. “Sehr wahrscheinlich wird es im September im Handelsstreit ein “travel and arrive”-Gefühl geben. Die Hurdle Rate für positive Nachrichten wird schon bald sehr gering sein, und Aktien werden zum Ende des Jahres hin steigen.”J.P. Morgan sieht in der Korrektur von August Parallelen zu der im Mai dieses Jahres. Zudem komme das typisch schwache saisonale Muster im August dazu. Somit erwarte man eine standardgemäße Erholung der Aktien ab September, bei der vor allem die Zentralbanken der Katalysator sein könnten. So vermuten die Experten eine Wiederaufnahme des Quantitative-Easing-Programms der Europäischen Zentralbank und eine zweite Leitzinssenkung der US-Notenbank, die stärker ausfallen könnte als die erste im Juli dieses Jahres. Hinzu komme, dass der Spread zwischen der Rendite des S&P 500 und der zehnjährigen US-Staatsanleihe auf dem Niveau vom letzten Dezember stehe. Damals folgte eine weltweite Rally an den Aktienmärkten in den ersten Monaten von 2019. Dies könnte sich nach Auffassung der US-Bank nun wiederholen und Anleger zum Abzug von Liquidität aus Bond-Equities verleiten. Firmengewinne weiter starkDie Unternehmensgewinne spielen laut den Analysten von J.P. Morgan eine zusätzlich tragende Rolle bei der Entwicklung von den Aktienkursen. “Letztlich sind wir uns einig, dass der Schlüssel, um einen Ausverkauf an den Märkten zu verhindern, konstante Gewinnentwicklungen der Firmen sind”, so die Gruppe um Matejka. Die momentane Konjunktureintrübung sei dabei ein Dorn im Auge. Die Erwartungen des Gewinnwachstums des MSCI US seien von 8 % am Anfang des Jahres auf 2 % gefallen. Diese Schwäche sehe man auch in den anderen Märkten. Aber trotz des im ersten Halbjahr 2019 gefallenen PMI-Indexes hätten die Gewinne der US-Firmen einen Rückgang umgehen können und seien sogar entgegen der Erwartungen positiv ausgefallen. “Deshalb sind wir überzeugt, dass die übereinstimmenden Vorhersagen für das zweite Halbjahr zu konservativ sind und Platz für Überraschungen da ist”, so J.P. Morgan. Eine Rezession sei in den nächsten 12 bis 18 Monaten definitiv möglich, davon gehe man aber nicht aus, da der Arbeitsmarkt weiterhin boome. Dies deute darauf hin, dass das Gewinnwachstum sich nicht ins Negative drehe.In Europa hätten die meisten Unternehmen trotz der makroökonomischen Risiken und der konjunkturellen Bedenken mit ihren Zahlen die Einschätzungen übertroffen. Zwar seien die zyklischen Sektoren wie die Automobil-, Chemie- oder Telekommunikationsbranche unter den Aussichten geblieben. Dagegen hätten Gesundheits- sowie Softwarefirmen und auch Fluggesellschaften positiv überrascht. Für das zweite Halbjahr 2019 würde trotz des schwierigen Marktumfeldes ein Drittel der Analysten von einer Erhöhung der Gewinnprognose ausgehen. Deshalb erwarten die Experten auch dort eine Rally an den Aktienmärkten in den letzten Monaten des Jahres.