ZEW-Konjunkturerwartungen

Börsianer blicken mit Sorge auf Konjunktur

Eine mögliche Bankenkrise und Kreditklemme, die anhaltend hohe Inflation sowie ein schwacher privater Konsum: Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen sinkt angesichts der dunklen Wolken, die über der deutschen Wirtschaft aufziehen, deutlich.

Börsianer blicken mit Sorge auf Konjunktur

mpi Frankfurt

Die jüngsten Finanzmarktturbulenzen, die durch die Insolvenz der Silicon Valley Bank und die Sorgen um die Credit Suisse ausgelöst wurden, drücken bei den Börsianern auf die Stimmung. Das ZEW-Barometer für die Aussichten der deutschen Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten sank im März deutlich um 15,1 Punkte auf 13,0 Zähler. „Die internationalen Finanzmärkte stehen stark unter Druck. Diese aktuell hohe Unsicherheit schlägt sich auch in den ZEW-Konjunkturerwartungen nieder“, ordnete Achim Wambach, Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), am Dienstag die Ergebnisse ein.

Die Einschätzung zur Ertragsentwicklung der Banken habe sich deutlich verschlechtert – dasselbe gelte für die Versicherungswirtschaft. Für das ZEW-Barometer wurden vom 13. bis zum 20. März 162 Analysten und institutionelle Anleger befragt. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten zwar damit gerechnet, dass es nach fünf Anstiegen in Folge nun wieder bergab geht, im Schnitt aber nur einen Rückgang auf 17,1 Punkte erwartet.

Doch nicht nur die Sorgen vor einer Bankenkrise trüben aktuell die Konjunkturerwartungen. Bereits das Sentix-Barometer, für das ebenfalls Investoren und institutionelle Anleger ein Stimmungsbild abgeben, sank Anfang März deutlich (vgl. BZ vom 7. März). Dabei sind hier die Turbulenzen an den Finanzmärkten noch gar nicht berücksichtigt. Die weiterhin hohe Inflation und das in der Folge gestiegene Zinsniveau in der Eurozone und in den USA waren Gründe für den pessimistischeren Ausblick der Börsianer.

Sorge vor Kreditklemme

Abseits der aktuellen Ereignisse könnten die bisherigen Konjunkturerwartungen auch einfach zu optimistisch gewesen sein. „Das bloße Ausbleiben des Worst Case Gasmangellage und/oder flächendeckende Blackouts ist eben nicht gleichbedeutend mit einem neuen Aufschwung“, sagte Jörg Angelé, Senior Economist beim Vermögensverwalter Bantleon. Diese Erkenntnis setzte sich nun womöglich bei den vom ZEW befragten Börsianern durch. „Möglicherweise ging die Freude über das Ausbleiben einer Gasmangellage zu weit“, meint auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. „Die ZEW-Konjunkturerwartungen schossen in den vergangenen Monaten regelrecht in die Höhe.“ Dabei bleibe das wirtschaftliche Umfeld schwierig. Der private Konsum schwächelt wegen der hohen Inflation, und die Zinswende würgt die Bautätigkeit derzeit ab. Die Lieferkettenprobleme für die deutsche Wirtschaft nehmen zwar langsam ab, sind aber nach wie vor weit verbreitet. Fast jedes zweite Unternehmen hat laut einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts Materialengpässe.

Eine weitere Sorge ist die Gefahr einer Kreditklemme. Sollten die Banken wegen der Anspannungen an den Finanzmärkten ihre Kreditvergabe an Unternehmen reduzieren, würde der Wirtschaft Geld für Investitionen fehlen, was die Konjunktur abschwächt. „Bestätigen sich die Bankensorgen nicht, besteht bei den Konjunkturerwartungen ein hohes Erholungspotenzial“, gibt Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, zu bedenken.

Nicht nur die Prognosen für die Entwicklung der Konjunktur sind gesunken, auch die Beurteilung der aktuellen Lage in Deutschland hat sich gemäß der ZEW-Umfrage verschlechtert. Das entsprechende Barometer sank um 1,4 Punkte auf nun −46,5 Zähler. Noch größer fällt der Rückgang mit 3,0 Punkten für die Eurozone aus. Für Deutschland hatte bereits am Montag die Bundesbank einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fürs erste Quartal prognostiziert (vgl. BZ vom 21. März). „Alles in allem wird die deutsche Wirtschaftsaktivität im laufenden Quartal wohl erneut sinken“, schrieb die Notenbank in ihrem Monatsbericht und begründete dies unter anderem mit der weiterhin viel zu hohen Inflation. „Die Industrie ist in Anbetracht der geopolitischen Umbrüche stark verunsichert“, sagte Gitzel. Dies seien denkbar schlechte Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung. „Die deutsche Wirtschaft wird um eine Rezession nicht herumkommen“, prognostiziert deshalb auch Gitzel. „Der Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen passt also durchaus ins Bild.“

Wertberichtigt Seite 2

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