Bezahlung

Arbeitgeber und Gewerkschaften einigen sich auf Inflationsausgleich

Das solide Wachstum der Wirtschaft und der stabile Arbeitsmarkt lieferten Argumente, um den Kaufkraftverlust auszugleichen. Die Notenbank erwartet keine Preispirale.

Arbeitgeber und Gewerkschaften einigen sich auf Inflationsausgleich

Einigung für mehr Lohn und Gehalt in Spanien

Abkommen der Tarifpartner sieht Lohnerhöhung von 10 Prozent bis 2025 vor – Notenbank erhöht Wachstumsprognose

ths Madrid

Erwerbstätige in Spanien haben nach den herben Kaufkraftverlusten durch die Preisexplosion in letzter Zeit jetzt mehr Lohn und Gehalt in Aussicht. Die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften unterzeichneten am Mittwoch ein Abkommen, das eine Erhöhung der Bezüge von mindestens 10% bis 2025 vorsieht. Die spanische Notenbank ist mit dem Pakt einverstanden und erwartet dadurch keine Lohn-Preis-Spirale.

Die Verhandlungen zwischen den Tarifpartnern waren monatelang festgefahren, doch am vergangenen Wochenende gab es einen Durchbruch. Das Abkommen sieht vor, dass Löhne und Gehälter im laufenden Jahr um 4% erhöht werden und 2024 und 2025 jeweils um 3% steigen. Sollte die Inflation höher als erwartet ausfallen, wird ein weiterer Prozentpunkt auf die vereinbarte Anhebung draufgeschlagen.

Die Gewerkschaften verzichteten auf ihre ursprüngliche Forderung nach einem Inflationsausgleich für 2022, als die Preissteigerung 8,4% erreichte. Im April sank die Inflation wieder auf 4,1%, was unter dem europäischen Durchschnitt liegt.

Das Abkommen ist nicht bindend für die Tarifverträge, doch verbessert es die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer. „Der Pakt gibt den Unternehmen Stabilität und Ruhe, da sie wissen, in welche Richtung es geht“, erklärte der Vorsitzende des Dachverbandes der Unternehmer CEOE, Antonio Garamendi.

Die spanische Notenbank kommentierte in ihrem ebenfalls am Mittwoch erschienenen Jahresbericht, dass es bislang keine Lohn-Preis-Spirale gegeben habe. Bei der Fertigstellung des Dokuments waren die Leitlinien der Einigung der Tarifpartner bereits bekannt und der Banco de España machte eine erste Bewertung. Ein solches Abkommen sei „ein Kompromiss für die makroökonomische Stabilität und garantiert wichtiges Vertrauen im gegenwärtigen Umfeld von Inflation und Unsicherheit“, schrieben die Notenbanker.

Spaniens Wirtschaft hat die Krise besser überstanden, als die meisten Experten noch vor Monaten gedacht hatten, einschließlich der Volkswirte des Banco de España. Die Notenbank will ihre Wachstumsprognose für das spanische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr demnächst von 1,6% auf rund 2% anheben, hieß es. Im ersten Quartal überraschte die Wirtschaft mit einer Jahreswachstumsrate von 3,8%.

Zudem ist der Arbeitsmarkt im Gegensatz zu früheren Krisen stabil geblieben. Obwohl die Erwerbslosenquote mit 13% weiter sehr hoch ist, zählte die Sozialversicherung im April mit 20,6 Millionen so viele Beitragszahler wie noch nie. In vielen Branchen herrscht Personalmangel, nicht nur bei qualifizierten Fachkräften. Das spielte den Gewerkschaften bei den Verhandlungen um die Löhne ebenso in die Karten wie die zuletzt üppigen Unternehmensgewinne. Durch das Abkommen werde das Wachstum nun besser verteilt und treibe den Konsum weiter an, urteilte der Generalsekretär der Gewerkschaft UGT, Pepe Álvarez.

Die Linksregierung hatte im Vorfeld verbalen Druck auf die Unternehmer ausgeübt, teilweise mit direkten Angriffen auf einzelne Firmen. Die Einigung erzielten die Tarifparteien jedoch unter sich. Dennoch kommt der Pakt zur Lohnanhebung Ministerpräsident Pedro Sánchez zugute vor den regionalen und kommunalen Wahlen am 28. Mai. Diese gelten als wegweisend für die nationalen Parlamentswahlen Ende des Jahres.

Abgesehen von den gerade ausgehandelten Lohnerhöhungen hatte die Regierung zuvor schon die Bezüge der Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes sowie die Renten angehoben. Auch der gesetzliche Mindestlohn wurde unter Sánchez zuletzt schon zum fünften Mal erhöht.

Kein heißer Herbst

Einen heißen Herbst und Proteste wie im benachbarten Frankreich muss Sánchez vor der Parlamentswahl nun wohl nicht mehr fürchten. „Wir haben den höchsten sozialen Frieden in Europa“, frohlockte der Regierungschef am Mittwoch im Parlament.

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