Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit erstmals seit 10 Jahren wieder über drei Millionen

Der Arbeitsmarkt spiegelt die Konjunkturflaute: Trotz Zuwächsen in bestimmten Branchen ist die Arbeitslosigkeit in diesem August auf über drei Millionen gestiegen. Die Wertschöpfung in den produzierenden Branchen geht zurück. Der Ruf nach Reformen wird lauter. Es gibt nur zarte Anzeichen für Erholung.

Arbeitslosigkeit erstmals seit 10 Jahren wieder über drei Millionen

Wieder mehr als drei Millionen Erwerbslose

Arbeitslosigkeit steigt auf den höchsten Wert seit zehn Jahren – Sommerflaute und schwache Konjunktur spürbar

Der Arbeitsmarkt spiegelt die Konjunkturflaute: Trotz Zuwächsen in bestimmten Branchen ist die Arbeitslosigkeit im August auf über drei Millionen Menschen gestiegen. Die Wertschöpfung in den produzierenden Branchen geht zurück. Der Ruf nach Reformen wird lauter. Es gibt nur zarte Anzeichen für Erholung.

nb Frankfurt

Die Zahl der Arbeitslosen ist im August erneut gestiegen: Mit 3,025 Millionen ist sie so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum Juli ist die Zahl der Jobsucher um 46.000, im Vergleich zum Vorjahr um 153.000 gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt somit bei 6,4%, was einem Anstieg um 0,1 Prozentpunkte seit Juli entspricht.

Der Anstieg über die Schwelle von drei Millionen Arbeitslosen lässt sich zum einen saisonal erklären: Im Sommer stellen wegen der Ferienzeit weniger Unternehmen Mitarbeiter ein, außerdem werden viele Auszubildende am Ende ihrer Ausbildung nicht übernommen. Ausbildungsstart ist erst im September. Vor allem zeigt sich am Arbeitsmarkt diesmal aber auch die schwache konjunkturelle Entwicklung: „Die Flaute der Wirtschaft bildet sich weiter auf dem Arbeitsmarkt ab“, sagte Nahles.

Soziale Jobs im Aufwind

Andrea Nahles betont auf der Pressekonferenz der Bundesagentur für Arbeit, dass es durchaus Zuwächse an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in bestimmten Branchen gebe: Im sozialen Bereich und der Pflege sind 71.000 mehr Menschen tätig als noch vor einem Jahr. Auch im Gesundheitswesen, der öffentlichen Verwaltung und der Finanzbranche gab es deutliche Zuwächse. Diesen positiven Entwicklungen steht jedoch der drastische Stellenabbau in der Industrie gegenüber: Im verarbeitenden Gewerbe ist die Beschäftigung im Vergleich zum Vorjahr um 146.000 zurückgegangen, gefolgt von der Metall- und Elektroindustrie mit einem Rückgang von 110.000 Beschäftigten. Nahles sagte: „Das eigentliche Problem ist, dass wir im wertschöpfenden Teil, wo wir traditionell stark waren, schwächeln. Die derzeitige Mischung ist nicht gesund.“ Sie betont, dass wirtschaftliche Impulse für den Arbeitsmarkt jetzt wichtig sind.

Ruf nach Reformen wird lauter

VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann fordert wegen der gestiegenen Arbeitslosenzahlen für die Unternehmen mehr Flexibilität: „Auch wenn das Konjunkturbild aktuell trüb ist: Die Unternehmen im Maschinenbau spüren bereits den demografischen Wandel und brauchen auch künftig qualifizierte Fachkräfte. Einstellungen dürfen daher nicht durch zu hohe Kosten und zu geringe Flexibilität erschwert werden.“

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger mahnt derweil, dass Deutschland einen „Herbst der Reformen“ brauche: „Viele Reformen dulden keinen Aufschub – wie die Zukunftsfähigkeit der Sozialversicherung und die Korrekturen in der Grundsicherung.“ Er fordert „einen effizienten und finanzierbaren Sozialstaat, der treffsicher und unbürokratisch unterstützt“.

Zarte Zeichen der Erholung

Die Chefin der Bundesagentur für Arbeit sagte in der Pressekonferenz mehrfach, dass es trotz der gestiegenen Arbeitslosigkeit „zarte Zeichen der Erholung“ gebe: Darunter zählt die rückläufige Zahl der Kurzarbeit. Aktuelle Daten zur Inanspruchnahme gibt es für Juni, hier haben 211.000 Beschäftigte konjunkturelles Kurzarbeitergeld erhalten. Das sind 27.000 weniger als im Vormonat, insgesamt aber immer noch 7.000 mehr als im Juni des Vorjahres, also insgesamt ist das Niveau noch erhöht.

Auch das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) spiegelt positive Aussichten wider. Enzo Weber vom IAB sagte: „Zum ersten Mal seit über drei Jahren erwarten die Arbeitsagenturen ein Ende des Anstiegs der Arbeitslosigkeit“.

Andrea Nahles blickt etwas optimistischer in die kommenden Monate: Im September werde die Arbeitslosigkeit wieder zurückgehen, weil viele junge Leute nach der Ausbildung eine neue Stelle antreten. Ob die Arbeitslosenzahl jedoch langfristig unter der drei Millionen bleibe, hänge von der konjunkturellen Entwicklung in den kommenden Monaten ab. „Es kann durchaus sein, dass wir die Marke von drei Millionen im Winter dann noch mal überschreiten werden.“


Kommentar zu den aktuellen Konjunkturdaten