Euro-Industrie zeigt sich resilient
ba Frankfurt – Der Industriesektor im Euroraum ist im November wegen der neuen Lockdown-Beschränkungen zwar weniger stark gewachsen als im Vormonat, doch das fünfte Plus in Folge fiel immer noch kräftiger aus als im Langzeit-Schnitt. Laut den endgültigen Umfrageergebnissen von IHS Markit ist der Einkaufsmanagerindex (PMI) um 1,0 Punkte zum Vormonat auf 53,8 Zähler gefallen, doch wurde die Erstschätzung um 0,2 Punkte übertroffen. Ökonomen hatten mit dessen Bestätigung gerechnet. Damit liegt das Barometer weiter über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern, was für wirtschaftliche Expansion spricht.”Die Euro-Industrieunternehmen steigerten ihre Produktion auch im November ganz ordentlich”, kommentierte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Dies dürfte “die Auswirkungen des Lockdowns auf die Wirtschaft abmildern, von denen der Servicesektor stark betroffen ist”. Er erwartet daher, dass die Euro-Wirtschaft zum Jahresschluss nicht im gleichen Ausmaß schrumpfen werde wie im Frühjahr. Da sich der Ausblick erfreulicherweise verbessert habe, werde “der Aufschwung in den nächsten Monaten wieder an Fahrt gewinnen, wenn die Lockdown-Maßnahmen gelockert und die Ausgaben, insbesondere die Investitionen, infolge der jüngsten Nachrichten bezüglich der Impfstoffentwicklung wieder steigen”.Unter den von der Umfrage erfassten Ländern erwies sich erneut Deutschland als Wachstumslokomotive. Die Kluft zu den übrigen Euro-Ländern, sagte Williamson, sei “momentan so groß wie nie zuvor”. Die Industriesektoren Spaniens und Frankreichs schrumpften geringfügig, Griechenland blieb mit beschleunigtem Abwärtstempo mit Abstand Schlusslicht. Österreich und Italien bescheinigte das Analysehaus solide Steigerungsraten. Deutschland blieb Spitzenreiter, wobei der PMI allerdings erstmals seit sieben Monaten gesunken ist und mit 57,8 um 0,4 Punkte unter dem im Oktober erreichten Zweieinhalbjahreshoch liegt. Dies zeige, dass “die Branche nicht gänzlich immun gegen die Folgen des neuen Lockdowns war”, erklärte Markit-Experte Phil Smith. Demnach wirkte sich die Schließung weiter Teile des Gast- und Freizeitgewerbes negativ auf den Konsumgüterbereich aus. Der Großteil der Industrie zeige sich jedoch widerstandsfähig, was nicht zuletzt am florierenden Exportgeschäft lag. Als von der Coronakrise bedroht bezeichneten sich laut Ifo-Institut 11 % der Industrie im November nach 17 % im Juni. Insgesamt fürchten 15 % der Unternehmen um ihre Existenz, im Juni waren es 21 %.