Geldpolitik

EZB erwägt App für digitalen Euro

Die Vorarbeiten an einem digitalen Euro schreiten voran, Entscheidungen stehen aber aus. Das betont EZB-Direktor Fabio Panetta im EU-Parlament – und verteidigt dort das Projekt.

EZB erwägt App für digitalen Euro

rec Brüssel

Die Europäische Zentralbank (EZB) denkt nach Angaben ihres obersten Aufsehers über eine spezielle App nach für den Fall, dass es zur Einführung eines digitalen Euro kommt. „Die App würde dafür sorgen, dass der digitale Euro immer und überall erkannt wird und man damit bezahlen kann, egal wo man im Euroraum unterwegs ist“, sagte EZB-Direktor Fabio Panetta bei einer Anhörung im EU-Parlament.

EZB und EU-Kommission sind derzeit mit Vorarbeiten für einen digitalen Euro beschäftigt. Die Euro-Finanzminister haben vor einigen Tagen in einer gemeinsamen Erklärung ihre Vorstellung deutlich gemacht. Auch das EU-Parlament wird verstärkt mitreden, sobald die EU-Kommission ihr für Mai avisiertes Rahmenwerk zur Einführung eines digitalen Euro vorstellt. Der EZB-Rat will dieses Jahr über eine mehrjährige Testphase entscheiden.

All das sei noch keine Entscheidung, ob ein digitaler Euro kommt, betonte Panetta. Auch bemühte er sich, Sorgen zu zerstreuen, die EZB werde mit einem digitalen Euro Aufgaben der Geschäftsbanken übernehmen. Das sei nicht der Fall, beteuerte Panetta. Jegliche Dienstleistungen auf Basis des digitalen Euro sollten „Finanzintermediäre“ zur Verfügung stellen. Auch die „grundlegenden Zahlungsfunktionen“ einer eigens für den digitalen Euro entwickelten App sollten Finanzinstitute übernehmen. Details nannte Panetta nicht. Die EZB wolle Banken zudem ermöglichen, den digitalen Euro in ihre eigenen Apps einzubetten.

In der Befragung im Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments (Econ) ließ Panetta durchblicken, dass ein digitaler Euro wohl nicht allein auf Basis der Blockchain-Technologie eingeführt würde. Dafür sei die Zahl der Nutzer und Transaktionen schlicht zu groß. Einmal mehr war das EZB-Direktoriumsmitglied mit Fragen nach der Sinnhaftigkeit eines digitalen Euro konfrontiert. Der niederländische Abgeordnete Michiel Hoogeveen sagte, er werde überhäuft mit Anfragen kritischer Verbraucher. Panetta verteidigte die Überlegungen der EZB unter anderem mit Verweis auf China, wo Regierung und Zentralbank einen digitalen Yuan entwickeln. Es sei nicht auszuschließen, dass dieser eines Tages auch in der Eurozone zum Einsatz komme. „Es ist besser, vorbereitet zu sein.“