KommentarIfo-Geschäftsklima

Jetzt aber!

Spätestens nach dem Rückgang des Ifo-Index sollte klar sein, dass ein Aufschwung im zweiten Halbjahr zwar gut klingt, aber wenig wahrscheinlich ist. Wo sollte denn auch der Schwung herkommen?

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Kommentar

Jetzt aber!

Von Alexandra Baude

Spätestens jetzt sollte klar sein: Ein Aufschwung im zweiten Halbjahr ist zwar eine nette Idee, wird aber kaum Wirklichkeit werden. Das Ifo-Geschäftsklima verstärkt die Signale, die bereits die Umfragen von Sentix und ZEW unter Finanzmarktexperten und S&P Global unter Einkaufsmanagern gesendet haben: Die Aussichten sind trübe.

Diese Einschätzung ist nun auch in den Chefetagen angekommen: Insbesondere die Geschäftserwartungen fielen deutlich pessimistischer aus. Kein Wunder, der global einzigartige geldpolitische Straffungskurs dämpft die Nachfrage. Dass die wichtigsten Handelspartner Deutschlands, nämlich die USA und China, konjunkturell schwächeln, trifft die exportlastige deutsche Industrie besonders. Das Klima im verarbeitenden Gewerbe hat im Mai unter den Wirtschaftszweigen den zweitstärksten Rückgang gezeigt. Schon zuletzt haben die Auftragseingänge deutlich nachgegeben. Dank der wieder reibungsloser flutschenden Lieferketten kann die Industrie derzeit den noch hohen Auftragsstau abarbeiten. Wenn aber der Nachschub an neuen Bestellungen nicht mehr ebenso zügig einläuft, stockt die Produktion. Deren fulminanter Jahresstart ohnehin bereits wieder Vergangenheit ist. Nachdem die Preissetzungsmacht der Unternehmen nachlässt, können auch die steigenden Lohnkosten und die immer noch erhöhten Energiekosten nicht auf die Endabnehmer abgewälzt werden.

Die öffnen ihrerseits den Geldbeutel trotz peu à peu besserer Konsumlaune nur zaghaft. An Urlaub wird zwar nicht gespart, wie Buchungszahlen zeigen. Das Gastgewerbe verzeichnet aber ebenso wie der Einzelhandel deutliche Umsatzrückgänge. Die Inflation lässt einfach nicht allzu viel Spielraum. Das werden auch die Dienstleister bald merken. Eine Stagnation klingt da plötzlich verlockend, oder? Zumal die Abwärtsrevision auf ein Minus für das erste Quartal fast absehbar ist.

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