Geldpolitik

Ökonomen: Inflation bleibt über Jahre ein Problem

Wenige Tage vor wegweisenden Sitzungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) schürt eine neue Umfrage Sorgen, dass die zu hohe Inflation weltweit noch auf Jahre hinaus ein Problem bleiben wird.

Ökonomen: Inflation bleibt über Jahre ein Problem

Ökonomen sehen Inflation auf Jahre als Problem an

Neue weltweite Ifo-Umfrage – EZB-Preisziel von 2 Prozent langfristig außer Reichweite – Nagel erwartet Zinserhöhung

ms Frankfurt

Wenige Tage vor wegweisenden Sitzungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) schürt eine neue Umfrage Sorgen, dass die zu hohe Inflation weltweit noch auf Jahre hinaus ein Problem bleiben wird. In einer Umfrage des Münchener Ifo-Instituts senkten Ökonomen zwar ihre Inflationserwartungen teilweise etwas, sie verharrten aber vielerorts oberhalb des 2-Prozent-Ziels – und das teils sogar deutlich. Für die EZB untermauerte unterdessen Bundesbankpräsident Joachim Nagel die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung bei der Sitzung in der kommenden Woche. Immer mehr Volkswirte gehen derweil davon aus, dass das nicht die letzte Zinserhöhung gewesen sein wird.

Im Kampf gegen die viel zu hohe Inflation in den Jahren 2021 und 2022 haben insbesondere die Fed und die EZB ihre Leitzinsen so aggressiv erhöht wie seit Jahrzehnten nicht oder teils wie noch nie. Inzwischen wachsen aber die Bedenken, dass die Notenbanken überziehen und die Konjunktur über Gebühr abwürgen. Sowohl bei der Fed als auch der EZB wird in der kommenden Woche eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte erwartet. Unklar und umstritten ist aber, wie es danach weitergeht. Die Inflationserwartungen stehen dabei mit Blick auf die Lohnentwicklung und die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik im besonderen Fokus.

Große Unterschiede

Die neue Umfrage des Ifo-Instituts zeigt nun, dass Ökonomen weltweit zwar ihre längerfristigen Erwartungen an die Inflation etwas heruntergeschraubt haben. Der Rückgang ist aber gering, und die erwartete Teuerung immer noch hoch. Demnach wird die Inflationsrate in diesem Jahr weltweit 7,0% erreichen, im kommenden Jahr 6,0% und 2026 noch 4,9%. Im März hatten sie für 2026 5,0% Inflation vorhergesagt. „Die Erwartungen für 2023 und für die kommenden Jahre sind gegenüber der Umfrage aus dem ersten Quartal nahezu gleich“, sagte Ifo-Forscher Niklas Potrafke. „Wir werden uns auf hohe Inflationsraten einstellen müssen.“

Die Unterschiede zwischen den Weltregionen sind dabei groß. In den Regionen in Amerika gehen die Experten von hohen, jedoch im Vergleich zum Vorquartal gesunkenen Inflationsraten aus. In Europa befinden sich die Erwartungen weltweit auf dem niedrigsten Niveau, sowohl für 2023 als auch für 2024 und 2026. Dabei zeigt sich zwar eine rückläufige Entwicklung in der erwarteten Inflation, jedoch gehen die Experten auch bis 2026 nicht von einer Rückkehr auf das von der EZB ausgegebenen Inflationsziel von 2% aus.

Bundesbankchef Nagel sagte am Montag, dass die EZB die Zinssätze in diesem Monat erneut anheben müsse und ihre Entscheidung bei der darauffolgenden Sitzung auf der Grundlage der verfügbaren Daten treffen werde. “Wir müssen die Zinsen das nächste Mal erhöhen, und ich erwarte eine erneute Anhebung um 25 Basispunkte auf der Juli-Sitzung”, sagte er beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G20 im indischen Gandhinagar zu Bloomberg TV. “Für die September-Sitzung müssen wir sehen, was uns die Daten sagen.” Die zugrundeliegende Inflation bezeichnete Nagel als “sehr hartnäckig”.

Laut von Bloomberg befragten Ökonomen wird die EZB ihre Leitzinsen im Juli und im September anheben und damit das Maximalniveau im Straffungszyklus erreichen. Der aktuell wichtigste EZB-Einlagenzins läge dann bei 4,0%. In der letzten Bloomberg-Umfrage hatten Volkswirte das Gipfelniveau noch bei 3,75% gesehen.