Deutsche Industrie

Trendwende in Reichweite

Der Februar bringt der deutschen Wirtschaft ein gemischtes Zahlenwerk: Der erneut kräftigen Industrieproduktion stehen ein schwächerer Außenhandel und erneut rückläufige Auftragsdaten gegenüber. Damit ist zwar noch keine Trendwende zum Besseren eingeläutet, sie scheint aber näher zu rücken.

Trendwende in Reichweite

Trendwende für deutsche Industrie in Reichweite

Produktion klettert unerwartet kräftig − Bau beflügelt − Exporte sinken deutlich − Außenhandelsbilanzüberschuss engt sich ein

ba Frankfurt

Der Februar bringt der deutschen Wirtschaft ein gemischtes Zahlenwerk: Der erneut kräftigen Industrieproduktion stehen ein schwächerer Außenhandel und erneut rückläufige Auftragsdaten gegenüber. Damit ist zwar noch keine Trendwende zum Besseren eingeläutet, sie scheint aber näher zu rücken.

Die deutsche Industrie wittert Morgenluft: Zwar ist der Außenhandel rückläufig, doch die Produktion ist den zweiten Monat in Folge gestiegen. Damit steigen die Chancen, dass die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal zumindest stagniert. Ökonomen werten die Daten unter Verweis auf die schwierige globale Konjunkturlage, die immer noch schlechte Stimmung und die strukturellen Probleme als Zeichen, dass die Trendwende in greifbare Nähe rückt.

Stärkstes Plus seit einem Jahr

Im Februar hat das verarbeitende Gewerbe laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) preis-, saison- und kalenderbereinigt die Gesamtfertigung um 2,1% im Monatsvergleich ausgeweitet. Ökonomen hatten hingegen nur einen Zuwachs von 0,4% erwartet. Dies war nicht nur der stärkste Anstieg seit Januar 2023, als 2,9% gemessen worden waren. Zudem fiel der Januar besser aus als zunächst gemeldet. Die Statistiker revidierten das Plus von 1,0% auf 1,3% nach oben.

Wachstum breit basiert

Als besonders erfreulich werten Ökonomen, dass der Produktionszuwachs breit basiert war. Mit Ausnahme der Energieerzeugung, die um 6,5% niedriger als im Januar ausfiel, legten alle Sektoren zu. Vor allem das Baugewerbe hat deutlich mehr gefertigt, nicht zuletzt dank der milderen Witterung − und zwar um 7,9%. Bereits im Januar ging es um 2,9% nach oben. „Am Abwärtstrend bei der Bauproduktion dürfte dies allerdings nichts ändern“, mahnte aber Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Die Industrie im engeren Sinne fertigte 1,9% mehr, nach 1,3% zum Jahresauftakt. Ursächlich waren vor allem die um 5,7% höhere Produktion der Automobilindustrie sowie das Plus von 4,6% der chemischen Industrie. Andreas Scheuerle von der DekaBank erwartet angesichts der VDA-Indikatoren für März von der Automobilproduktion noch einen spürbar positiven Beitrag, „doch der jähe Rückgang der Auftragseingänge spricht für eine Abkühlung danach“.

Niedrigere Energiepreise schlagen durch

„Der wachsende Ausstoß in der Chemieindustrie ist besonders erfreulich, denn dies legt bestes Zeugnis dafür ab, dass die niedrigeren Energiepreise nun positiv auf die energieintensive Branche abfärben“, betont Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Hier melden die Statistiker ein Plus von 4,2% zum Vormonat. Für den Dreimonatsvergleich steht ein Plus von 0,2% zu den drei Monaten zuvor bzw. von 0,9% zum Vorjahr zu Buche. „Bis vor kurzem sah die Bilanz hierbei noch deutlich schlechter aus“, analysiert Gitzel.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium gab ein positives Urteil ab: Mit den aktuellen Zahlen „verfestigen sich die Anzeichen für eine allmähliche konjunkturelle Bodenbildung“. Darauf hätten bereits Frühindikatoren wie die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe und Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima oder der Einkaufsmanagerindex hingedeutet.

Außenhandelsbilanzüberschuss engt sich ein

Der Außenhandel wiederum präsentierte sich nach einem starken Jahresauftakt in etwas schwächerer Form. Die Exporte sanken kalender- und saisonbereinigt um 2,0% auf 132,9 Mrd. Euro. Ökonomen hatten nach dem Plus von 6,3% im Januar mit einem Rückgang um 0,5% gerechnet. Die Importe wiederum beliefen sich auf einen Warenwert von 111,5 Mrd. Euro, das sind 3,2% mehr als im Vormonat. Die Prognose lag hier bei −1,2%. Damit verringerte sich der Überschuss der Außenhandelsbilanz auf 21,4 Mrd. Euro nach 27,6 Mrd. Euro im Januar. „Man darf nicht vergessen, dass es sich hierbei um nominale Werte handelt, die nicht um die hohe Inflation bereinigt sind“, mahnte ING-Chefökonom Carsten Brzeski. „Um diese Handelsdaten in die richtige Perspektive zu rücken: Im Jahresvergleich sind die Ausfuhren um mehr als 5% und die Einfuhren um fast 9% zurückgegangen.“ Wegen der guten Entwicklung im Januar sehe es für das erste Quartal nach einem freundlichen Jahresauftakt aus, urteilt Alexander Krüger, Chefökonom der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Doch: „Über den Berg ist der Exportsektor aber noch nicht.“

Schwacher Handel mit der EU

Das globale Konjunkturumfeld bleibe für die exportabhängige deutsche Wirtschaft „herausfordernd“, sagte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch. Vor allem das Geschäft mit den EU-Mitgliedstaaten schwächelte. Dorthin wurden mit 72,9 Mrd. Euro 3,9% weniger als zum Jahresauftakt exportiert. Die Ausfuhren in die Euro-Länder fielen um 3,6% auf 50,8 Mrd. Euro. Hauptabnehmerland blieben die USA. In die weltgrößte Volkswirtschaft wurden Waren im Wert von 13,8 Mrd. Euro exportiert, das ist ein Plus von 10,2%. Nach China wurde hingegen mit 8,0 Mrd. Euro um 0,6% weniger exportiert. Die Ausfuhren nach Großbritannien fielen um 2,0% auf 6,6 Mrd. Euro.

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