Im DatenraumEuropäisches Patentamt

Große Ungleichgewichte bei Patentanmeldungen

2023 ist ein Spitzenjahrgang in Sachen Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt. Einen Rekord gab es auch bei den Einreichungen mittelgroßer Unternehmen. Im Hintertreffen bleibt hingegen der Anteil der Erfinderinnen.

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ba Frankfurt

2023 war erneut ein Rekordjahr in Sachen Patente. Allerdings erwiesen sich nicht unbedingt die Länder als Spitzenreiter, die viel Geld in Forschung und Entwicklung stecken. Ganz zu schweigen vom Verhältnis der Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt (EPA) zur Einwohnerzahl. Zudem nutzen auch immer mehr kleine und mittlere Unternehmen Patente − im vergangenen Jahr erreichte ihr Anteil unter den Patentanmeldungen den bisher höchsten Stand.

Bezugsgröße weitet den Blick

Dass die USA auch 2023 ihre Spitzenposition unter den aktivsten Patentländern verteidigt haben, ist kaum verwunderlich. Von den 199.275 insgesamt eingereichten Anmeldungen stammten 24,2% aus den USA. Im Vorjahr lag der Anteil mit 24,9% noch etwas höher. Allerdings erweisen sich die Vereinigten Staaten als nicht ganz so forschungsstark, setzt man die Patentanmeldungen in Relation zur Bevölkerung: mit 141,6 je Million Einwohner alles andere als ein Spitzenplatz. Zahlen des Statistikamts Eurostat zufolge kommen andere Länder weiter, die zudem weniger als die USA ausgeben. Die USA investierten 2022 3,46% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Forschung und Entwicklung (F&E). Während die Schweiz etwa, die mit 1.085,3 Anmeldungen je Million Einwohner an vorderster Stelle steht, in den Jahren 2022 und 2023 Rang 7 der patentstärksten Länder belegte, 2022 nur gute 3,3% des BIP in F&E investierte.

Deutschland wiederum, in beiden Jahren Nummer 2, weist 300,2 Patente je Million Einwohner aus und gab 2022 3,13% des BIP für F&E aus. Korea schob sich mit F&E-Ausgaben von 4,93% und 242,8 Patenten um einen Platz nach vorne auf Rang 5. Frankreich, das 2,11% des BIP 2022 für F&E reserviert hatte und eine Relation von 159,8 aufweist, rutschte damit von Platz 5 (2022) auf Platz 6 (2023) ab. Zwischen 2012 und 2022 wurde laut Eurostat der Großteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben im Unternehmenssektor getätigt. Waren es 2012 noch 1,32%, so waren es 2022 dann 1,48% − ein Anstieg um 12,12%.

2023 kamen rund 43% aller Patentanmeldungen aus den 39 Mitgliedstaaten des EPA, 57% waren außereuropäische Einreichungen.

Geht es nach den Unternehmen, so führt wie im Vorjahr der chinesische IT- und Telekommunikationskonzern Huawei die Rangliste an, gefolgt von den südkoreanischen Tech-Unternehmen Samsung und LG sowie dem US-Halbleiterhersteller Qualcomm und dem schwedischen Mobilfunknetzausrüster Ericsson. Unter den Top 10 kommen vier Unternehmen aus Europa, zwei aus Korea, zwei aus den USA und je eines aus China und Japan. Bezogen auf die europäischen Einreichungen kommen mittlerweile 23% der Patente von KMU oder Einzelpersonen und 69% von großen Firmen. 8% stammen von Universitäten und öffentlichen Forschungseinrichtungen. Unterrepräsentiert sind weiter die Erfinderinnen − in Europa stehen sie für 27% der Anmeldungen.

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