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Italiens Banken vor neuer Konsolidierungswelle

Nach ihrer wirtschaftlichen Erholung haben die beiden Banken Monte dei Paschi di Siena und Volksbank von Bari Privatisierungsperspektiven. Das Bankenwesen des Landes steht vor einer neuen Konsolidierungswelle.

Italiens Banken vor neuer Konsolidierungswelle

Italiens Banken geht es gut, sehr gut sogar. Alle Institute haben per Ende September dank üppiger Zinsüberschüsse sowie in aller Regel Kostensenkungen und einer Reduzierung der Risikovorsorge Rekordergebnisse vorgelegt. Selbst die verstaatlichte Volksbank von Bari schreibt nach drei Verlustjahren wieder schwarze Zahlen. Durch eine abenteuerliche Expansionspolitik und Klientelwirtschaft war das Institut zahlungsunfähig geworden und wurde verstaatlicht. Die Aktienkurse der börsennotierten Institute sind binnen zwölf Monaten um 28% (Intesa Sanpaolo) bis zu 100% (Unicredit) gestiegen.

Die positive Entwicklung hat Privatisierungsperspektiven für die in der Bankenkrise verstaatlichten beiden Institute eröffnet, allen voran für die 2017 von Rom "gerettete" Monte dei Paschi di Siena (MPS). Der Staat hat kürzlich 25% der zuvor noch mehr als 64-prozentigen Beteiligung an der MPS verkauft. Es wird nun wieder heftig über die Zukunftsperspektiven der ältesten Bank der Welt spekuliert. Rom sähe es gern, wenn das Kreditinstitut Teil einer dritten großen Bankengruppe des Landes hinter Intesa Sanpaolo und der HVB-Mutter Unicredit würde. Manche Beobachter sehen jedoch auch eine Stand-alone-Perspektive.

"2024 wird etwas passieren"

"Monte dei Paschi ist sehr attraktiv. Ich sehe viele Kandidaten, von Unicredit über die beiden bereits in Italien vertretenen französischen Banken (BNP Paribas und Crédit Agricole) bis hin zu BPM und BPER. Es könnte aber auch eine Überraschung geben. 2024 wird etwas passieren. Die Voraussetzungen sind alle da", glaubt Stefano Caselli, Dekan der renommierten Mailänder Bocconi School of Management. Unicredit hatte bereits im Herbst 2021 eine Übernahme geprüft, dann aber wegen der Risiken verworfen.

Monte dei Paschi hat sich zur Überraschung fast aller Beobachter erstaunlich schnell erholt. "Die entscheidenden Punkte waren die gute Arbeit von Lovaglio, der die Bank reorganisiert hat, und die Zahlen, die das unterstreichen. Auch die höheren Zinsen helfen", meint Caselli.

Aufgehellte Perspektiven

Monte dei Paschi musste 2017 mit einer staatlichen Kapitalspritze gerettet werden und war seither mehrheitlich staatlich. EU und Europäische Zentralbank genehmigten das Verfahren gegen Auflagen und verlangen eine Privatisierung bis Ende 2024. Die Bank musste sich von Aktivitäten und faulen Krediten trennen, kam jedoch lange nicht aus den Startlöchern. Erst nach der insgesamt siebten Kapitalerhöhung innerhalb von 14 Jahren und geschätzten Verlusten von insgesamt  20 Mrd. Euro ging es plötzlich rasant aufwärts. Rom musste im Herbst 2022 noch einmal 1,6 Mrd. Euro der Kapitalmaßnahme in Höhe von 2,5 Mrd. Euro tragen. Das erlaubte es CEO Luigi Lovaglio, 4.100 der 21.000 Stellen abzubauen und die Kostenbasis deutlich zu senken. Dazu kamen gewonnene Rechtsstreitigkeiten, die die Rechtsrisiken für das Institut massiv reduzierten.

Sollten die Ex-Bankenchefs Alessandro Profumo und Fabrizio Viola am 11. Dezember in zweiter Instanz von den Vorwürfen der Bilanzfälschung und Marktmanipulation freigesprochen werden, was erwartet wird, könnten sich die Rechtsrisiken Schätzungen zufolge noch einmal um etwa 550 Mill. Euro reduzieren. Dadurch könnten Rückstellungen von annähernd 400 Mill. Euro aufgelöst werden, glauben Experten. Das hellte die Perspektiven der Bank weiter auf und würde das Institut noch attraktiver machen.

Zahlt Monte dei Paschi dieses Jahr eine Dividende?

Zwar hat die Monte dei Paschi nach Ansicht mancher Beobachter noch immer zu viel Personal an Bord. Doch ein Jahresgewinn von mindestens 1,1 Mrd. Euro, Kostensenkungen, eine stabile Kapitalquote von 16,7% (CET1) sowie eine Aufwandsquote von 48% können sich sehen lassen. Das Institut ist den Zielen des eigenen Strategieplans um Jahre voraus. Beobachter glauben, dass Monte dei Paschi womöglich schon für 2023 wieder eine Dividende zahlt.

Die Deutsche Bank empfiehlt den Kauf, sieht das Institut gut kapitalisiert und die Risiken als begrenzt an. Moody`s hob den Outlook jüngst auf Stand-alone-Basis von "Ba3" auf "B1" an, Fitch von "B+" auf "BBB". Beide sehen kurzfristig keinen Zusammenschluss mit einem anderen Institut und manche Beobachter könnten sich vorstellen, dass Rom, das dringend Mittel braucht, schon in den nächsten Monaten weitere Anteile verkauft. Sandra Savino, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, bezeichnet den Verkauf des 25-prozentigen Anteils nur als ersten Schritt eines größeren Prozesses zur Abgabe der Kontrolle.

Lösung für Volksbank Bari in Aussicht

"Nach Monte dei Paschi erwarte ich auch für die Volksbank Bari eine Lösung", gibt sich Caselli überzeugt. Damit wäre das letzte Problem der vergangenen Jahre in Italiens Bankenlandschaft gelöst. Die Konsolidierung werde sich aber darüber hinaus weiter fortsetzen, so Caselli. Dabei ist die Zahl der selbständigen Institute im Land schon in den vergangenen Jahren massiv geschrumpft – auf nur noch etwa hundert.

Der Crédit Agricole ist mit 9% bei der BPM eingestiegen. Und BPER-Großaktionär Unipol hat bei der Volksbank von Sondrio kürzlich auf 20% aufgestockt. Das ist wohl die Vorstufe für eine Integration mit der BPER, die im Zuge der Übernahme der Ubi Bank durch die Intesa Sanpaolo 2020 etwa 500 ehemalige Ubi-Geschäftsstellen übernommen hat. Außerdem hat sich BPER die Genueser Sparkasse Carige einverleibt. Die Südtiroler Sparkasse wiederum hat die Civibank in Friaul übernommen. Es gibt noch die Volks- und Raiffeisenbanken, die sich in zwei größeren nationalen Gruppen und einer regionalen (in Südtirol) zusammengeschlossen haben. Dazu kommt eine Reihe von kleineren Banken im Land, die auf Dauer wohl eher schlechte Überlebenschancen haben.

Europäischer Champion nötig

Obwohl die Kreditvergabe zurückgeht und das Volumen fauler Kredite zuletzt gewachsen ist, ist Caselli nicht bange um die Institute des Landes. "In Italien sehe ich nicht das geringste Risiko für den Bankensektor. Die Banken sind eher überkapitalisiert und sehr stark." Er blickt bereits auf die nächsten Schritte. "Ich erwarte nun eine Konsolidierung auf europäischer Ebene, sobald die Europawahlen vorbei sind. Wir brauchen einen großen europäischen Champion."

Italien

Italiens Bankenlandschaft vor neuer Konsolidierungswelle

Die Privatisierungs-Perspektiven für Monte dei Paschi und die Volksbank von Bari haben sich deutlich aufgehellt. Nächster Schritt: Europäische Champions

Von Gerhard Bläske, Mailand

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