KommentarLuftfahrt

Mangelware im Flugzeugtank

Mit viel Tamtam drumherum ging ein Flieger am Dienstag auf Reisen, der komplett mit nachhaltigem Kerosin betankt war. Technisch kein Problem, dennoch wird das so schnell kein Regelfall, denn es fehlt an dem umweltfreundlichen Treibstoff.

Mangelware im Flugzeugtank

Luftfahrt

Viel Lärm um
(fast) nichts

Von Lisa Schmelzer

Über das Timing lässt sich nicht meckern. Kurz bevor die UN-Klimakonferenz in Dubai startet, geht ein mit nachhaltigem Flugbenzin betankter Jet auf die Reise über den Nordatlantik. Seht her, so die Botschaft, die Luftfahrt kann klimafreundlich. Klar kann sie, wenn fossiles Kerosin ersetzt wird durch nachhaltiges Flugbenzin, das mit Hilfe von regenerativer Energie hergestellt wurde. Kann sie aber nur theoretisch, denn von dem umweltfreundlichen Stoff ist noch viel zu wenig vorhanden. Was derzeit an Sustainable Aviation Fuel (SAF) hergestellt wird, steht gerade mal für 0,1% des weltweiten Kraftstoffverbrauchs der Fluggesellschaften. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass in den Tank der Boeing 787 von Virgin Atlantic am Dienstag ein Großteil der gesamten weltweiten Tagesproduktion von SAF geflossen ist, damit der Flieger von London nach New York fliegen konnte.

In dieser Gemengelage könnte der klimafreundliche Flug ein Menetekel für die Klimakonferenz sein, die am Donnerstag startet. Denn auch bei diesen Veranstaltungen wird leider allzu häufig viel Lärm um (fast) nichts gemacht. Ideen für eine grüne Transformation gibt es zwar zuhauf, allerdings scheitern sie oft an den Details. Wie im Beispiel aus der Luftfahrt: Die Flieger können zwar ohne Probleme mit dem umweltfreundlichen Treibstoff betankt werden, aber SAF ist Mangelware. Also wird weiterhin umweltschädliches Kerosin verfeuert. Im Übrigen gibt es auch deshalb nicht genug Bio-Jetfuel, weil es zu wenig nachhaltige Energie gibt. Der Chef der Deutschen Lufthansa, Carsten Spohr, rechnete kürzlich vor, dass allein seine Fluggesellschaft die Hälfte der gesamten deutschen Stromproduktion verbrauchen würde, um ihre Flotte auf grüne Kraftstoffe wie E-Kerosin umzustellen – hört sich nicht nach einem tragfähigen Konzept an.

Nachhaltiges Kerosin ist im Übrigen derzeit auch noch drei- bis fünfmal so teuer wie das fossile Pendant. Wer weiß, was schon ein Ölpreisanstieg von wenigen Prozent für die Ausgabenposition einer Airline bedeutet – Treibstoff ist häufig neben Personal der größte Kostenblock –, dem fehlt die Fantasie, wie ein solcher Aufwand gestemmt werden kann. Zumal in einer dermaßen margenschwachen Industrie. Bleibt der Ruf nach "politischer Unterstützung", der natürlich auch aus der Luftfahrtbranche schallt. Geld kann allerdings von der Politik nur einmal ausgegeben werden, die Frage bleibt, wofür. Auch hierfür wird es bei der Klimakonferenz viele Ideen geben, der Luftverkehr, selbst wenn er mit SAF unterwegs ist, genießt dabei sicher keine Priorität.

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