MarktplatzLithium

Lithiummarkt im Schweinezyklus

Der Preis für das in der Elektromobilität bislang unverzichtbare Metall Lithium hat stark nachgegeben. Dies dürfte die Investitionen in den Abbau stark dämpfen, was langfristig zu Versorgungsproblemen führen könnte.

Lithiummarkt im Schweinezyklus

Elektromobilität

Lithiummarkt
im Schweinezyklus

Von Dieter Kuckelkorn

Der Markt des für die Elektromobilität so wichtigen Metalls Lithium neigt hinsichtlich der Preisentwicklung zum Extremen. Gegenüber dem Höhepunkt vor rund 16 Monaten hat sich inzwischen ein Preisverfall von rund 90% ergeben, allein 2023 betrug der Rückgang 80% auf nur noch rund 13.200 Dollar je Tonne. Dafür gibt es mehrere Gründe, unter anderem die deutliche Verlangsamung des Anstiegs der Käufe von Elektroautomobilen im wichtigsten Markt China. Wurden 2022 von Januar bis Oktober noch 2,3 Millionen Elektroautos mehr zugelassen, waren es 2023 nur noch 1,5 Millionen. Die sich damit abkühlende Nachfrageentwicklung trifft einen Lithiummarkt, auf dem die Angebotsseite in Erwartung eines langanhaltenden Booms der Elektromobilität so richtig aufgedreht hatte. Das Ergebnis davon war, dass der Lithiummarkt von einem Angebotsdefizit im Jahr 2022 in ein Überangebot im vergangenen Turnus drehte. Umgerechnet in Batteriekapazität liegt der Überschuss an Lithium-Ionen-Batterien in China, die auf den Einbau warten, nach Angaben von Wood Mackenzie bei mehr als 200 Gigawattstunden. Die Hersteller von Elektroautos hatten sich für eine Nachfrageflut eingedeckt, die es so nicht gab. Noch rechnen Autohersteller und Anbieter von Lithium damit, dass sich die Nachfrage wieder deutlich verbessert. Dies ist aber höchst unsicher, zumal sich neue Batterietechnologien in den Startlöchern befinden, die ohne Lithium auskommen. Aktuell gibt es bereits eine erste Welle von Gewinnwarnungen börsennotierter Lithium-Minenunternehmen, zum Beispiel in China. Folge davon wird unweigerlich sein, dass die Investitionen in den Abbau des Metalls zurückgehen. Albemarle, einer der größten Produzenten weltweit, hat bereits die zeitliche Streckung und Reduzierung von Investitionen angekündigt.

Damit befindet sich auch dieser Rohstoffmarkt in einem typischen Schweinezyklus. Der Niedrigpreisphase, die noch bis 2025 oder 2026 dauern kann, wird voraussichtlich ein starker Preisanstieg des Metalls folgen, was den erhofften Siegeszug der Elektromobilität deutlich behindern könnte.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.